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00:27 02.09.2015
Die Aufführung des Lutherstücks "Der Aschermittwochsbrief" war ein Höhepunkt des Lutherfestes in Borna. Quelle: Roger Dietze
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Borna

Bisweilen finden sie sogar, wie am vergangenen Wochenende der Fall, keine 25 Kilometer voneinander entfernt parallel statt. Während Grimma sein "Festival der Reformation" feierte, erlebten die Bornaer die dritte Auflage des Lutherfestes. Eine Überschneidung, die Superintendent Matthias Weismann als "nicht ganz so günstig" bewertete. Aber abgesehen davon, dass am gestrigen frühen Abend eine in Grimma gestartete Gruppe Motorradfahrer auf dem Bornaer Markt einen Biker-Bläser-Gottesdienst veranstaltete und damit ein verbindendes Band zwischen den beiden Luther-Städten bildete, nahm es der Superintendent sportlich. "Wenn der Grimmaer Oberbürgermeister meint, seine Stadt sei mit der Aufnahme in den Reiseführer zum Reformationsjubiläum in die Bundesliga der Lutherstädte aufgestiegen, dann nehmen wir für uns in Anspruch, in der Kreisklasse zu spielen", so augenzwinkernd der ranghöchste Kirchenmann im Landkreis.

 Nicht auf Kreisklassen-, sondern - um im Bild zu bleiben - mindestens auf Championsleague-Niveau agieren hingegen mittlerweile die Mitglieder der Theatergruppe "Neue Wasser", deren diesjähriges Lutherfeststück mit dem Titel "Luthers Aschermittwochbrief" am Freitagabend vor der Marienkirche Premiere feierte und an den beiden Wochenendtagen weitere zwei Mal zur Aufführung kam.

 Michael Potkownik, Kopf und Spiritus Rector der reichlich 60 Darsteller umfassenden Laienspielgruppe, hatte in diesem Jahr jenes am 5. März 1522 in Borna verfasste Dokument zum Aufhänger seiner Geschichte erwählt, in welchem sich der Reformator gegenüber seinem Schutzpatron Kurfürst Friedrich dem Weisen für das Verlassen der Wartburg mit der Berufung darauf, als ein freier Mensch im Glauben an Gott gehandelt zu haben, rechtfertigt.

 Dabei mutete der umtriebige Hobby-Theaterregisseur seinem Publikum nicht weniger als eineinhalb Stunden mit jeder Menge zeitlosen Anspielungen auf das Verhältnis zwischen Obrigkeit und Regierten zu, womit er einen Bogen aus dem frühen 16. ins frühe 21. Jahrhundert spannte. "Wer diese Parallelen nicht mitbekommen hat, der muss Scheuklappen getragen haben", so der 65-Jährige. "Ich habe vom ersten Lutherstück an darauf Wert gelegt, dass auf der Bühne nicht nur Klamauk geboten wird. In diesem Jahr aber habe ich die Texte noch um einiges ernster formuliert", so Potkownik, der sein Stück im wahrsten Sinne mit Pauken und Trompeten enden ließ, die den akustischen Rahmen für das symbolische Davonjagen von Luthers Gegenspieler Papst Leo X. bildeten.

 Zwischen solcherart geballtem Geschichtsunterricht hatten sich die Bornaer und ihre Gäste etwas Kurzweil verdient. Rund um die Marienkirche hatten Händler ihre Stände aufgeschlagen und Musiker wie die der Irish Folk-Formation "The Sandsackss" ihre Instrumente herausgeholt. Während wackere Rittersleut das Publikum mit Raufereien unterhielt, gab Luther-Nachfahrin Henriette Rossner-Sauerbier "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" zum Besten.

 Inhaltlich zur Sache ging es noch einmal am gestrigen Nachmittag, an dem Matthias Weismann in der Emmauskirche unter anderem an Michael Beyer vom Institut für Kirchengeschichte der Uni Leipzig und den Lutherdekade-Verantwortlichen der Sächsischen Landeskirche, Michael Seimer, die Frage stellte, warum es wichtig sei, Luther vom Sockel zu holen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.08.2015
Roger Dietze

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