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Borna hat jetzt ein Kleingartenkonzept

Borna hat jetzt ein Kleingartenkonzept

In Borna kommt auf zehn Einwohner eine Gartenparzelle. Das geht aus dem Kleingartenentwicklungskonzept hervor, das der Stadtrat auf seiner letzten Sitzung verabschiedet hat.

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Kleingartenidylle in der Sparte "Am Stadtpark".

Quelle: Thomas Kube

BORNA. Mit dem Papier will die Stadt auf den Bevölkerungsrückgang seit der Wiedervereinigung und die veränderte Altersstruktur seither ebenso reagieren wie auch auf den veränderten Bedarf bei Wohnungen, das veränderte Freizeitverhalten vor allem junger Leute sowie die teilweise problematische Lage einiger Kleingartensparten angesichts des Grundwasseranstiegs.

In Borna gibt es derzeit 25 Kleingartenanlagen, von denen sich drei in den Ortsteilen befinden. Die Gesamtfläche beläuft sich auf 73 Hektar, was einem Gesamtanteil von sechs Prozent an der städtischen Fläche entspricht.

Einen gewaltigen Aufschwung habe die Kleingartenbewegung in Borna zu DDR-Zeiten erfahren, heißt es in der Kleingartenentwicklungskonzeption. Das habe nicht nur mit dem generellen Mangel an Obst und Gemüse und dem Erholungsbedarf zu tun gehabt. Kleingärten hätten in der von Tagebauen und Umweltzerstörungen gekennzeichneten Landschaft auch die Funktion grüner Oasen gesehen. Dabei beginne die Geschichte der Gärtnerei in und um Borna viel früher. Bis zum Aufkommen der Braunkohlenförderung Mitte des vorletzten Jahrhunderts sei Borna von der Landwirtschaft geprägt gewesen. Vor allem Zwiebeln, aber auch Meerrettich, Gurken und Salat seien rund um Borna angebaut worden. Im 15. Jahrhundert, so haben die Autoren des Kleingartenpapiers ermittelt, soll bei Borna sogar Safran angebaut worden sein.

Krise nach der Wiedervereinigung

Nach der Wiedervereinigung begann eine Krise des Kleingartenwesens in Borna. Arbeitslosigkeit sowie das veränderte Freizeitverhalten und das reichliche Angebot an Obst und Gemüse hätten das Interesse an Kleingärten sinken lassen. Mittlerweile sei dieser Trend aber gestoppt, wobei die Kleingärtner jetzt statt Obst und Gemüse verstärkt auf Zierpflanzen setzten. Fakt sei aber, dass viele Kleingärtner in die Jahre kämen. So sei mehr als die Hälfte der Kleingärtner älter als 60 Jahre. Hinzu komme, dass einzelne Sparten wegen fehlender oder alter Versorgungstrassen für Wasser oder Strom an Attraktivität einbüßten. Zudem fehlten oftmals ortsnahe Parkplätze. Außerdem gebe es Probleme durch das steigende Grundwasser nach dem Ende der Bergbaus sowie Überflutungen. Deshalb wurden bekanntlich bereits drei Kleingartenanlagen in Wyhranähe aufgegeben.

Die Größe der Kleingartenvereine schwankt aktuell zwischen elf Parzellen in der Sparte "Am Witznitzer See" und großen Anlagen wie "Neu-Witznitz" mit 142 Parzellen.

Um Parkplätze in der Nähe der Anlagen zu schaffen, könnten ehemalige Gartenflächen genutzt werden, schlagen die Autoren der Gartenentwicklungskonzeption vor. Untersucht werden müsse auch die Bauweise der Gartenlauben, die oftmals noch aus DDR-Zeiten stammen und durch die Verwendung von teerhaltigen Dachpappen und asbesthaltigen Baumaterialien vielfach einen hohen Schadstoffanteil aufweisen. Beachtet werden müsse zudem, dass die massiv errichteten Lauben bei der Aufgabe von Gärten schwierig zu beseitigen seien. Das bedeute Probleme für die Gartenvereine. Die Verfasser der Konzeption schlagen vor, dass die bisherigen Nutzer der Lauben den Abriss übernehmen, weil die Vereine andernfalls auf erheblichen Lasten sitzen bleiben würden.

Höchster Leerstand: 27,7 Prozent

Den höchsten Leerstand gibt es derzeit in der Sparte "Am Witznitzer See", wo 27,7 Prozent der Gärten unbewirtschaftet sind. Viel frei ist zudem im "Friedenshain" in Wyhra (23 Prozent), in der Thränaer Sparte "Zur Einheit" (22 Prozent) und bei den Neukirchener "Siedlerfreunden" (19 Prozent). Dass unter den vier Sparten mit dem höchsten Leerstand drei in den südlichen Bornaer Ortsteilen liegen, sei kein Zufall, vermuten die Autoren der Konzeption. Das könne an der höheren Zahl von Eigenheimen liegen, zu denen oft eigene Gärten gehören - im Unterschied zur Stadt Borna. Deshalb stünden besonders die Vereine in den ländlichen Ortsteilen vor der Aufgabe, die Anzahl der Parzellen an die Nachfrage anzupassen.

Vorschlag: Anlagen verkleinern

Allerdings gebe es auch in den Bornaer Sparten zunehmend Schwierigkeiten, Nachnutzer für leere Gärten zu finden. Auch hier sei eine Bedarfsanpassung unumgänglich, die allerdings nicht so umfassend ausfallen müsse. Auf Antrag der Gartenvereine nehme die Stadt Borna bereits jetzt zurückgebaute Gartenparzellen aus der Pachtfläche heraus, um die Vereine finanziell zu entlasten.

Die Verfasser schlagen vor, die Kleingartenanlagen von außen nach innen aufzuwerten. Dazu gehöre der Rückbau von Gärten an den Außengrenzen der Anlagen zwecks Verkleinerung der Pachtflächen. Zugleich müssten die Anlagen attraktiver für Jüngere werden, etwa durch kinderfreundliche Gemeinschaftsanlagen, die Zulassung von kleinen und nicht ortsfesten Pools in den Gärten und die Schaffung von Plätzen für Autos. Denkbar seien zudem Verweilplätze innerhalb der öffentlichen Bereiche in den Anlagen. Als positives Beispiel wird die Anlage "Wyhraaue" genannt, in der die Mitglieder eine Freiluftkegelbahn finanziert haben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.05.2014
Nikos Natsidis

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