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Borna Borna könnte mit seinen Pfunden wuchern – tut es aber nicht
Region Borna Borna könnte mit seinen Pfunden wuchern – tut es aber nicht
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11:02 14.04.2018
Bürger kritisieren, dass die ehemalige Bergbrauerei nicht besser genutzt wird. Derzeit ist einmal im Jahr Kino unter Tage – organisiert vom Kinder- und Jugendparlament mit ortsansässigen Unternehmen. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Zum guten Ton einer Stadt gehört ein Leitbild. Doch Papier ist erfahrungsgemäß geduldig. Und nur, weil etwas schriftlich fixiert wurde, heißt es noch nicht, dass auch zwingend etwas in der Richtung passieren muss. Nun hat sich Borna bereits vor vier Jahren ein Leitbild gegeben, das bis ins Jahr 2025 reicht und unter dem Motto „Borna – wasserleben“ steht. Es soll den Wandel von der Bergbau- zur grünen Stadt verdeutlichen.

„Es muss sich auch etwas tun“

„Ein Leitbild ist ja schön und gut, allerdings muss sich auch etwas tun“, fordert der Bornaer Reinhard Milewski. Seine Heimatstadt habe unglaublich viele Pfunde, mit denen sie wuchern könnte – es aber nicht macht. Wo will Borna hin? fragt Milewski. Seit 50 Jahren lebe er in der Stadt, in den vergangenen Jahren sei es eher immer weiter bergab als voran gegangen. Der Bahnhof sei ein Skandal, der Busbahnhof biete ein jämmerliches Bild, Kino gebe es längst nicht mehr, die Bowlingbahn sei mittlerweile auch dicht und der Volksplatz dümple die meiste Zeit des Jahres vor sich hin. Pflegeheime gebe es in der Großen Kreisstadt etliche, die Jugend aber werde vergessen. „Für sie fehlt hier vieles, kein Wunder, dass Borna sein schlechtes Image nicht los wird“, macht Milewski deutlich.

Was er anprangert, ist vor allem die Lethargie der Stadtverwaltung. Unternehmen, Vereine und Privatpersonen seien diejenigen, die in Borna etwas auf die Beine stellen. Bestes Beispiel: das Lutherfest. „Und genau da könnte sich die Stadt viel mehr mit einklinken und weit über Borna hinaus Werbung machen“, fordert er. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Volksplatzverein und Stadt sei ebenfalls eine Möglichkeit, um das Potenzial des Volksplatzes auszuschöpfen. „Der Verein alleine kann das nicht wuppen.“ Auch am Breiten Teich sieht Milewski zahlreiche Möglichkeiten, die die Stadt umsetzen könnte. Zwar werde hier – „zum Glück“ – mit dem Borna City Beach für Familien und junge Leute etwas angeboten, allerdings durch die Städtischen Werke und die Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft. Die Stadt habe dabei keine nennenswerte Rolle gespielt.

„Klar zur Zukunft des Teiches positionieren“

Auch der Bornaer Markus Drescher schlägt in die gleiche Kerbe, wenn es um das Thema Breiter Teich geht. „Stadtverwaltung und Stadtrat müssen sich endlich klar zur Zukunft des Teiches positionieren“, fordert er. Das Gewässer samt Uferbereichen sei ein zentraler Punkt in Borna, der dringend entwickelt werden müsse. „Es kann nicht sein, dass wir ab Herbst wieder vier Monate auf ein Schlammloch starren müssen, weil im Winter kein Wasser im Teich ist.“ Erst wenn das gesamte Areal ganzjährig für Erholung, Freizeit und Sport genutzt werden könne, sei aus Dreschers Sicht das Ziel erreicht.

Weiterer Kritikpunkt von beiden: die ehemalige Bergbrauerei. „Würde nicht das Kinder- und Jugendparlament zusammen mit den ortsansässigen Unternehmen einmal im Jahr das Kino unter Tage anbieten, wäre auch hier tote Hose“, so Milewski.

Volksplatz: Potenzial ist da – wird aber nicht ausgeschöpft

Dafür, dass es in Borna durchaus turbulent zugehen kann, gibt es gleich mehrere Beispiele. Allerdings ist bei allen deutlich Luft nach oben, das Potenzial längst nicht ausgeschöpft.

So wartet alleine der Volksplatzverein mit mehreren Veranstaltungen im Jahr auf – unter anderem mit Borna Open Air (BOA), Halloween, Apres Ski-Party und Sound of Backstage. Spielt das Wetter im Winter mit, gibt es zudem Rodelnachmittage. Die komplette Organisation aller Veranstaltungen wuppt der gleichnamige Verein, der das Gelände von der Stadt gepachtet hat und den Betrieb übernimmt. Doch genau das ist der erste Punkt, der nicht mehr Partys und Familientage zulässt. „Unsere personellen Ressourcen sind erschöpft, denn wir machen das alles nur ehrenamtlich“, betont Falk Opelt, Vorsitzender des „Vereins zur Erhaltung und Betreibung des Volksplatzes Borna“. Und neue Mitglieder, die ehrenamtlich Verantwortung übernehmen wollen, stünden nicht gerade Schlange.

Ein weiterer Fakt, der dem Verein in die Quere kommt, wenn es darum geht, weitere Veranstaltungen anzubieten: Es gibt von Seiten der Stadt lediglich eine Genehmigung für fünf Abende im Jahr, an denen laute Musik bis ein Uhr nachts gespielt werden darf. Und genau das seien die Tage für oben genannte Feste und Spektakel. Hinzu komme, dass allein das BOA die Vereinsmitglieder fast das ganze Jahr über beschäftige: mit der Suche nach Bands, mit Organisation, Schriftkram, Finanzen. „Und natürlich steigen sowohl bei den Besuchern als auch beim Verein selbst die Ansprüche an die Veranstaltungen und den Platz“, macht Opelt deutlich. Es könne nicht jedes Jahr alles gleich sein und ähnlich ablaufen, gewisse Highlights und Neuerungen müsse es schon geben, um Besucher zu halten und neue zu gewinnen.

Dabei kann sich Opelt durchaus vorstellen, die Angebote um beispielsweise Open-Air-Kino zu ergänzen. Die Anschaffung eines Beamers, der wegen der erforderlichen Reichweite von 68 Metern mit etwa einigen Tausend Euro zu Buche schlagen würde, sei sicherlich machbar, allerdings ist damit noch keine Kinonummer vorhanden, die notwendig ist, um sich die Streifen beim Filmverleih auszuleihen. Und dann gebe es neue Filme ohnehin erst einige Wochen nach der Premiere. „Wenn wir Pech haben, interessiert der Streifen dann keinen mehr“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Denkbar wäre auf dem Volksplatz auch Public Viewing bei Fußballspielen, allein die Filmwand mit 504 Quadratmetern Fläche und damit die größte Europas, gebe das her. „Wir nehmen gerne Wünsche entgegen, was weitere Veranstaltungen betrifft“, erklärt Opelt, „aber dann brauchen wir dringend Leute, die sich kümmern würden.“ Er hofft zudem, dass auch die Stadt als Eigentümer des Geländes ihrer Verantwortung bewusst wird – „zum gegenseitigen Nutzen, um das Potenzial auszuschöpfen“. Machbar sei vieles, allein an den Rahmenbedingungen scheitere so manch neue Idee. Den nächsten Höhepunkt auf dem Volksplatz gibt es übrigens am 28. Oktober mit der großen Halloween-Party.

Über zwei weitere Projekte berichten wir in der gedruckten Ausgabe der LVZ Borna-Geithain am 11. Oktober 2017 und im E-Paper.

Von Julia Tonne

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