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Region Borna Borna soll Straße der Braunkohle bekommen
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08:04 05.12.2018
Die ehemaligen Bergleute Rolf Fischer, Peter Mewes und Manfred Seyfart (von links) beim Barbarafrühstück in Borna. Quelle: Nikos Natsidis
Borna

Die heilige Barbara war eine Märtyrerin, die im vierten Jahrhundert qualvoll zu Tode kam. Sie ist Schutzpatronin für sage und schreibe 37 verschiedene Berufsgruppen. Auch für die Bergleute, die deshalb am Dienstag, dem Barbaratag, zum Frühstück im Bornaer Hotel „Drei Rosen“ zusammenkamen. Es war das zweite Barbarafrühstück, das nach Angaben von Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) in spätestens fünf Jahren am 4. Dezember zu einer Tradition geworden sein soll. Es konnte kaum verwundern, dass die viel diskutierte Energiewende inklusive Kohleausstieg bei den pensionierten Bergleuten im „Drei Rosen“ für Diskussionen sorgte.

Bergleute bringt die Debatte um die Kohle auf die Palme

Etwa bei Manfred Seyfarth, Peter Mewes und Rolf Fischer. Die drei ehemaligen Bergleute, die jahrzehntelang im Braunkohlenwerk Regis, im Großtagebau Zwenkau und im Tagebau Espenhain gearbeitet haben, bringt die aktuelle Debatte um die Kohle auf die Palme. „Wenn die Kohlekraftwerke kurzfristig abgeschaltet werden, woher nimmt man denn dann den Strom?“, fragt Mewes. Und weiter: „Was machen wir denn im Winter, wenn die Solaranlagen voller Schnee sind?“. Dann, so der 76-Jährige, dürften alle froh sein, „wenn wir noch ein paar Kohlekraftwerke haben“.

Bergleute wissen, wovon sie reden

Bergleute haben das Herz auf dem richtigen Fleck. Dass sie den Kohleausstieg anders sehen als der politisch-mediale Mainstream, liegt auf der Hand. Und sie haben keine schlechten Argumente. Weil sie wissen, wovon sie reden.

Wer jahrzehntelang in der Kohle gearbeitet hat, weiß nicht nur, wie schwierig deren Abbau war respektive ist. Die Arbeit im Tagebau berechtigt und befähigt geradezu zu Fragen nach der Energiesicherheit jenseits der preisgünstigsten Energieressource hierzulande, der Braunkohle eben. Die im Gegensatz zur westdeutschen Steinkohle schon immer ganz ohne Subventionen auf dem Markt bestehen musste. Und die an die 100 Jahre lang für Wohlstand, aber auch für Umweltschäden und Devastierung gesorgt hat. Wiewohl neue Techniken im letzten Vierteljahrhundert keinen Vergleich mit der Verschmutzung zu DDR-Zeiten zulassen.

Dass die Bergleute auch im Mitteldeutschen Revier sauer sind darüber, dass die Braunkohle kollektiver Verdammnis anheimfällt, ist nur zu verständlich. Schließlich geht es dabei auch um ihre Lebensleistung, die, nüchtern betrachtet, gar nicht genug gewürdigt werden kann.

Schieflage in der Diskussion

Fischer verweist auf die Schieflage bei der Diskussion um den Kohlendioxidausstoß. Dass der in den letzten Jahrzehnten so nennenswert zurückgegangen ist, sei vor allem dem Osten zu verdanken. Begründung: Hier wurden zig Kraftwerke abgeschaltet. Mit „bestimmten Leuten“ sei in Sachen Braunkohle ohnehin keine ernsthafte Diskussion mehr möglich. Wenn etwa Bagger in der Lausitz besetzt würden, „dann ist das Hausfriedensbruch“.

Steinbach: Zeit der Kohle geht zu Ende

Walter Christian Steinbach sagte, es sei klar, dass die Zeit der Kohle zu Ende gehe. „Das wissen wir.“ Es werde aber oft zu wenig darüber nachgedacht, was es eigentlich bedeute, einen Tagebau stillzulegen. „Wir können das seit 25 Jahren“, so der Vorsitzende des Fördervereins zum Aufbau des Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland (Dokmitt). Dabei sei viel Expertenwissen vonnöten. Es sei jedenfalls nicht hilfreich, lediglich über Ausstiegsszenarien nachzudenken. „Ich vermisse bei diesem Thema die richtige Reihenfolge.“ Dokmitt gehe es um die Vernetzung von Aktivitäten.

Straße der Braunkohle in Borna

Rudolf Lehmann, früherer Bereichsleiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung (LMBV), verwies auf Pläne zur Errichtung einer Straße der Braunkohle. Die findet sich zwar schon in Mitteldeutschland, dennoch soll es eine entsprechende Trasse auch in Borna geben. Dabei könne auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Bornaer Teichgymnasium zurückgegriffen werden. Fixpunkte sollen das ehemalige Kraftwerk Borna, der vormalige Tagebau Bockwitz und Kurt Pietsch, der große sächsische Geologe, sein. Am Ende steht dann ein Geocaching, eine Art Schatzsuche mit GPS-Empfänger. Lehmann erinnerte auch an die Tränen der Bergleute „wenn der letzte Zug abgekippt wurde“.

Den Nerv der Bergleute getroffen

Damit dürfte er den Nerv von Bergleuten wie Manfred Seyfarth, Peter Mewes und Rolf Fischer getroffen haben. Gestandene Bergleuten, die nach wie vor an den Wert der Kohle glauben. „Daraus wird der preiswerteste Strom produziert“, so Mewes. Und zwar subventionsfrei. Die drei Ruheständler waren sich mit Blick auf die Geschichte einig: „Aller Wohlstand kam immer vom Berge her.“

Von Nikos Natsidis

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