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Borna sucht Investor für Vermarktung vom Bockwitzer See

Neuseenland Borna sucht Investor für Vermarktung vom Bockwitzer See

Ob Campingplatz oder Hotel – der Bockwitzer See soll touristisch belebt, das Uferareal baulich erschlossen werden. Derzeit sucht die Stadt Borna nach Investoren, baute bereits eine Zufahrtsstraße und einen Parkplatz. Kritiker wie Hotelier Stephan Wieprich sehen die Stadt in der Pflicht, den lokalen Tourismus mehr zu fördern.

Bockwitzer See soll touristisch erschlossen werden.

Quelle: André Neumann

Borna. Engagiert sich die Stadt Borna zu wenig für den Tourismus vor Ort? Stephan Wieprich, Hotelier der Pension Altstadt, hatte diese Frage in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Simone Luedtke aufgeworfen. Mit Blick auf den geplanten Autohof an der A 72 nebst Tankstelle und 80-Betten-Hotel würden zwar solche Großprojekte für den Fernreiseverkehr von der Stadt beschlossen. Für den Hotelier kommt das Gastgewerbe in Borna selbst jedoch zu kurz. Wieprich räumte jedoch ein, dass am Autohof entstehende Hotel sei wegen des dort gastierenden Fernreiseklientels keine direkte Konkurrenz.

Borna hätte „weitaus mehr zu bieten, als nur Durchreisende zu beherbergen und zu verköstigen.“ Die Stadt dürfe nicht als Durchreiseort begriffen werden. Von der Lokalpolitik und Luedtke forderte er eine aktivere Umsetzung der touristischen Vermarktung Bornas, die er dringend anmahnte. „Die vor Ort angesiedelten Hotels, Pensionen und Restaurants (...) bedürfen seitens der Stadt etwas mehr Unterstützung sowie eine erhöhte Wertstellung, um im direkten Kundenkontakt die touristischen Möglichkeiten weiter anzupreisen und diese voranzutreiben“, so der Hotelier. Daneben müssten Besucher besser und umfänglichlicher über touristische Ausflugsziele der Umgebung sowie über Veranstaltungen informiert werden – etwa durch Auslage von Informationsmaterialien am künftigen Autohof. Konkret beklagte der Pensions-Chef die schlechte Beschilderung der Radwege, mahnte deren Ausbau an, kritisierte die lange Schließung der Kunigundenkirche und die schlechte Vermarktung des Jakobswegs Leipzig–Hof–Nürnberg. Problematisch sei ferner, dass Borna kein Mitglied im Tourismusverein Leipziger Neuseenland sei und für die Organisation städtischer Veranstaltungen externe Akteure beauftragt werden, obwohl dies Aufgabe des Kulturbeauftragten der Stadt sei.

„Diejenigen, die an Autohöfen übernachten, machen Fernreisen und sind nicht die Touristen, die zu uns kommen, um hier Fahrrad zu fahren“, sagte Luedtke auf LVZ-Anfrage. Auch sei Borna kein Durchreiseort. Man sei Mitglied im Fremdenverkehrsverband Kohrener Land und arbeite auch mit dem Verein Neuseenland zusammen. „Die Schilder an der Neuseenland-Radroute sind nicht mehr gut zu erkennen. Sie müssen erneuert werden.“ Die Kunigundenkirche gehöre hingegen nicht der Stadt, sondern der Kirche, die zu der Einschätzung gelangt sei, diese wegen Vandalismusgefahr zu schließen. Bei der Organisation von Stadtfesten sei man ferner auf die Zuarbeit von Museum, Mediothek, Vereinen sowie externen Dienstleistern angewiesen – „alleine können wir das als Stadt nicht leisten, weil das sonst zu viel Organisationsaufwand wäre.“

Touristisch beleben will die Stadt den Bockwitzer See. Ob Campingplatz oder Hotel – das Areal sei für die touristische Nutzung ausgelegt. „Dafür brauchen wir einen Investor, den wir derzeit suchen.“ Man sei immer wieder mit Unternehmern im Gespräch – vier Anfragen liefen noch. Zudem stünden Stadtwerke und Abwasserzweckverbände in den Startlöchern. „Wenn ein Investor kommt, muss es schnell gehen und können wir die Erschließung – Wasser, Abwasser, Strom oder Gas – beginnen“, sagte das Stadtoberhaupt.

Mit dem Bau der erst kürzlich fertiggestellten Zufahrtsstraße und des Parkplatzes habe man als Stadt einen Anfang gemacht. Kosten: rund drei Millionen Euro. Eine Bushaltestelle gibt es auch schon. Sobald dort die Anlage genutzt werde, sei der Landkreis auch bereit, eine Linie einzurichten. Darüber hinaus müssten die touristischen Ziele in Borna und Umgebung „noch besser vermarktet werden“, um deren Bekanntheitsgrad zu steigern – so zum Beispiel die Neuholländer-Mühle im Wyhratal. Pilgerwege wie der Jakobsweg würden nicht ausgeschildert. Luedtke versicherte: „Wenn etwas Touristisches in der Region geplant ist, sind wir immer mit im Boot.“

Knackpunkt sei die Modernisierung des Bahnhofs, „den wir barrierefrei machen wollen.“ Die Umgestaltung des Bahnhofs soll 2019 kommen – spät laut Luedtke, aber es sei gut, dass bald etwas passiere. „Der Bahnhof ist das Eingangstor der Stadt – hier haben wir nun wirklich Handlungsbedarf, denn so wie der aussieht, geht es nicht.“

Von Oliver Becker

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