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Bornaer Buchhandlung verkauft Hitlers „Mein Kampf“ aus Überzeugung nicht

Nachfrage steigt Bornaer Buchhandlung verkauft Hitlers „Mein Kampf“ aus Überzeugung nicht

Das Interesse an Hitlers „Mein Kampf“ wird größer. Auch im Landkreis Leipzig, wo das Buch von Buchhandlungen und Bibliotheken bestellt wird. Allerdings gibt es auch Buchhändler, die den Verkauf des Pamphlets grundsätzlich ablehnen

Die Nachfrage zu „Mein Kampf“ von Hitler steigt in den Bibliotheken und Buchhandlungen des Landkreises.
 

Quelle: dpa

Landkreis Leipzig.  Es ist eines der übelsten Bücher des letzten Jahrhunderts: Hitlers Machwerk „Mein Kampf“, das nach dem Auslaufen der Urheberrechte Ende 2015 jetzt auch in Deutschland frei verkauft werden darf. Im Januar erschien deshalb eine historisch-kritische Ausgabe des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), deren Erstauflage von 4000 Exemplaren im Handumdrehen vergriffen war. Das Interesse daran ist groß. Auch im Landkreis Leipzig, wo es von Buchhandlungen und Bibliotheken bestellt wird. Allerdings gibt es auch Buchhändler, die den Verkauf des Pamphlets grundsätzlich ablehnen.

Die Originalausgabe von „Mein Kampf“ würde sich Marlies Uhde, die Inhaberin des Grimmaer „Bücherwurms“, niemals ins Regal stellen. „Aus Überzeugung nicht.“ Die Kommentierte Auflage des IfZ hat die Buchhändlerin allerdings schon bestellt. „Zehnmal“, denn so viele Kunden haben in der Grimmaer Buchhandlung Interesse an dem Buch signalisiert, bei dem es allerdings aktuell Lieferengpässe gibt.

Bei Buchstaben-Tempel in Wurzen ist es ähnlich. Auch hier liegen mittlerweile zehn Vorbestellungen für das Buch vor, sagt Inhaberin Juliane Tempel. Dabei hat das Buch mit 59 Euro einen enormen Preis. „Aber das spielt keine Rolle“, sagt die Buchhändlerin. Es bestellen Leute allen Alters, „aber fast nur Männer“.

Die Wurzener Bibliothek hat „Mein Kampf“ noch nicht geordert. „Wir haben aber darüber geredet“, sagt Leiterin Cornelia Reichel. Immerhin ist es nicht gerade billig, und für den Preis ließen sich alternativ drei andere Bücher anschaffen. In diesem Jahr werde das umstrittene Werk allerdings auf keinen Fall gekauft. Nicht aus Überzeugung, sagt Leiterin Reichel, „denn es ist ja ohnehin frei zugängig“. Auch in der Geithainer Stadtbibliothek ist darüber noch keine Entscheidung gefallen, sagt Leiterin Marion Wiesehügel.

Anders in der Bornaer Mediothek. Das Buch werde angeschafft, sagt Leiterin Sara Finke. Die Mediothek hat auch die Funktion einer Kreisbibliothek, „und da sollten wir das schon im Bestand haben“. Im Giftschrank, jenem Möbelstück, in dem nicht frei zugängliche Literatur zu DDR-Zeiten etwa in der Deutschen Bücherei in Leipzig landete und nur mit besonderer Genehmigung gelesen werden durfte, landet „Mein Kampf“ allerdings schon deshalb nicht, weil es derartige Schränke heutzutage gar nicht mehr gibt. Außerdem, betont Mediothekschefin Finke, werde ja die kommentierte Ausgabe gekauft. „Die Originalausgabe würden wir nicht anschaffen.“

In der Grimmaer Stadtbibliothek hat noch niemand nach „Mein Kampf“ gefragt, sagt Bibliothekarin Sybille Kultscher. Das könne sich aber ändern. „Sollte es in den nächsten 14 Tagen drei Nachfragen geben, werden wir das Buch sicher kaufen.“

Ganz sicher nicht wird das zweibändige Buch, das Hitler in den Jahren 1925/26 schrieb, in der Bornaer Buchhandlung über den Ladentresen gehen. „Wir führen das nicht“, macht Buchhändlerin Elke Kämpfner klar. Aus Gründen der Überzeugung will die Buchhandlung mit dem Buch kein Geld verdienen. Und es gebe noch mehr Bücher, „die wir nicht verkaufen“, erläutert die Buchhändlerin weiter. Etwa Titel, die aus zweifelhaften Verlagen stammen. Oder pornografische Bücher. Elke Kämpfer: „Wir würden die Kunden dann bitten, das woanders zu bestellen.“

Von Nikos Natsidis

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