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Bornaer Jugendparlament wirbt mit Poetry Slam und Postkarten für Demokratie

Neuwahlen stehen bevor Bornaer Jugendparlament wirbt mit Poetry Slam und Postkarten für Demokratie

Um mehr Jugendliche für Kommunalpolitik zu interessieren, lässt sich das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) Borna so allerhand einfallen. Ob Postenkarten-“Denkanstöße“ oder Farbenlehre und Poetry Slam: Solche Angebote sind aus dem Gremium nicht mehr wegzudenken. Jetzt steht das Jugendparlament vor Neuwahlen.

Der Poetry Slam ist ein Projekt des Kinder- und Jugendparlaments. Am Roten Sofa liefern sich Künstler verbale Schlagabtäusche.

Quelle: Nicole Rathge-Scholz

Borna. Um mehr Jugendliche für Kommunalpolitik zu interessieren, lässt sich das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) Borna so allerhand einfallen. Denn Politik gilt vielen nach wie vor als dröge und langweilig, weil ja ohnehin „die da oben“, wie es so schön heißt, alles anders machen, als man es selbst gerne hätte.

Demokratie vermitteln will das Jugendparlament mit Postkarten, die unter dem Motto „Denkanstoß“ in alle Welt verschickt werden können. Die Idee dazu ist laut Jugendreferent Inya-Tinko Rabold von den Schülern gekommen, „mit den Postkarten erreicht man deutlich mehr Menschen – und genau das ist ja unser Ziel“, erklärt er. Momentan verteilt das Jugendparlament mehr als 500 dieser Postkarten, im Netz sind zudem Vorlagen zu finden und können ausgedruckt werden. Weitere Karten sind in Arbeit, „Vorschläge und Ideen nehmen wir gerne entgegen“, betont Rabold.

Ein weiteres Projekt der Nachwuchspolitiker ist die „Farbenlehre“, dabei geht es um Graffiti. Der Jugendreferent bezeichnet diese Form eher als „visuellen Vandalismus“. Er vertritt die Meinung, dass Graffiti eine Kunstform ist, der auch Raum gegeben werden sollte. „Um legal zu sprühen, müssen die Leute nur zu uns kommen. Wir haben die Farben und die Wände“, erzählt er. Allerdings sei die Nachfrage nach diesem legalen Weg nicht sehr groß, da die Sprayer zunächst Skizzen vorzeigen müssten.

Das Projekt „Poetry Slam“ wird ebenfalls angeboten. Vor zwei Jahren gab es den ersten Slam am „Roten Sofa“, rund 50 Schüler fanden sich dazu ein. „Damit wollten wir einerseits bezwecken, dass sich Jugendliche dafür begeistern, andererseits wollen wir die Schulen mehr mit ins Boot ziehen“, erklärt der Jugendreferent. Zum diesjährigen verbalen Schlagabtausch kamen die drei in der Szene bekannten Slammer Giorgio Gepardo, Jan Lindner und Karl-Georg Gräfe aus Leipzig nach Borna. Damit seien drei Künstler da gewesen, die eine völlig neue Slam-Qualität mitgebracht hätten. Im neuen Schuljahr will das Jugendparlament mit eben diesen Künstlern in die Schulen gehen, um mehr Kinder und Jugendliche für das Projekt zu gewinnen.

Gewinnen will das Gremium auch wieder neue Kandidaten, denn vom 13. bis zum 19. Juni wird neu gewählt. Aufstellen kann sich jeder Schüler aus Borna im Alter von zehn bis 20 Jahren noch bis zum 29. Mai. Zehn Bewerbungen sind bereits eingegangen. „Es wäre allerdings besser, wenn es 20 wären, damit würde uns ein größeres Gremium zur Verfügung stehen“, erklärt Carlo Hohnstedter, ein Mitglied des Jugendparlamentes, der sich auch wieder zur Wahl stellt. Hohnstedter hatte sein jetziges Mandat neun Monate ruhen lassen – zugunsten eines Europäischen Freiwilligen Dienstes in Mazedonien. Jetzt will er wieder kandidieren. „Da ich 19 bin, möchte ich die nächsten zwei Jahre nutzen, da mir das Kinder- und Jugendparlament sehr viel gegeben hat. Ohne das Parlament könnten wir Jugendlichen den Stadtrat nicht besuchen, hätten somit auch kein Rederecht“, begründet der junge Mann. „KiJuPa ist das, was du draus machst. Das ist nicht umsonst unser Wahlspruch. Wir können einmal die Zukunft sein“, macht der angehende Student deutlich.

Die Jugendlichen werden durch pädagogische Begleitung unterstützt und haben somit einen direkten Draht zur Verwaltung. Durch das Gremium seien die Heranwachsenden schon in jungen Jahren mit der Kommunalpolitik vertraut. „Wer sich mit Politik beschäftigt, der wird automatisch leiser, weil er einen genauen Überblick hat, wie alles funktioniert und wie hoch Kosten für ein Projekt ungefähr sein werden“, erzählt Hohnstedter. Er erhofft sich einen langfristigen Platz im Stadtrat, da er gern in der Kreisstadt bleiben würde. Die dafür nötigen Erfahrungen werde er weiter sammeln. Und genau das dürfte dem politisch interessierten jungen Mann nicht schwer fallen.

Von Cynthia Pochanke

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