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Bornaer Museum präsentiert seine Lutherschätze

Bornaer Museum präsentiert seine Lutherschätze

Die Lutherbibel ist zurück. Monatelang war das über 400 Jahre alte Exemplar aus der Wittenberger Druckerei von Hans Kraft in einer Leipziger Werkstatt restauriert worden.

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Museologin Marie Breinl hat in einer über 400 Jahre alten Bibel geblättert und dabei erstaunliche Erkenntnisse gewonnen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Marie Breinl streift sich weiße Handschuhe über und hebt den hölzernen Buchdeckel hoch. Geschwungene altdeutsche Buchstaben in Schwarz füllen die Seiten. Die Nummerierung beginnt mit Seite 145. "Das alte Testament ist nicht mehr vollständig", stellt die Bornaer Museologin fest. Aber das schmälere nicht den Wert der Bibel, die eines von fünf Exemplaren ist, die heute bekannt sind. Denn nicht der religiöse Inhalt ist es, der die Expertin umtreibt. Es sind die Gebrauchsspuren, die Rückschlüsse zuließen, wer die Bibel wann und zu welchem Zweck in der Hand gehabt haben könnte.

 Dazu bietet das 1576 gedruckte Buch viel Stoff. Beispielweise Randnotizen in lateinischer und deutscher Sprache sowie Holzschnitte, die mit Buntstiften ausgemalt worden sind. "Diese Spuren sagen etwas aus über die Menschen, die mit der Bibel gearbeitet haben", so Breinl. Das Latein, zu jener Zeit die Sprache der Wissenschaften, könnte auf einen studierten Menschen hinweisen. Die Ausmalungen seien ein späterer Eintrag, den man frühestens auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts datieren könnte. "Vorher gab es keine Buntstifte", erklärte die Geschichtsexpertin.

 Auf Details will Breinl während eines Vortrages eingehen, den sie zur Vorstellung der restaurierten Bibel am Donnerstag im Bornaer Museum halten wird. "Die Erkenntnisse zu den Nutzern sind schon sehr spannend", deutete sie vage an. Verbindungen unter den Wissenschaften würden weitere Antworten geben. So ließen sich archäologische Funde auf dem Gelände der Druckerei in Wittenberg mit dem Bibelfund in Verbindung bringen. Die hölzernen Buchdeckel, die später das Leder-Original ersetzten, seien Beleg für frühere Bemühungen, das Werk zu erhalten. "Es gibt unendliche viele Möglichkeiten, diese Ausgabe in einen Kontext zu stellen", versicherte Breinl. Was den Erkenntnisgewinn betreffe, sei noch Luft nach oben.

 Viel Zeit bleibt der Museumsmitarbeiterin zum Studium der Bibel nicht. Das Buch muss geschützt vor UV-Licht sicher aufbewahrt werden. Aber moderne Technik macht einen schonenden Umgang mit dem Objekt möglich. Weil das Werk während der Restaurierung komplett digitalisiert worden ist, muss die 30-Jährige für die Forschungen nicht unbedingt in dem zehn Zentimeter starken und über 400 Blätter fassenden Wälzer lesen. Auf dem Monitor kann sie Seite für Seite durchgehen. Auf diese Weise sollen auch die Besucher einen Eindruck von der Lutherbibel bekommen. Denn wenn sie nach dem Vortrag erstmals im Museumsraum zur Reformation vorgestellt wird, dann nur hinter Glas. Blättern funktioniert dann per Mausklick.

 Genauso aufregend wie der Blick in das alte Buch werden aber die Geschichten zwischen den Zeilen sein. So kündigte Breinl an, dass es neue Hinweise darauf gibt, welchen Weg die Bibel genommen hat, bis sie ins Bornaer Museum gelangte. Außerdem konnte die Forscherin eine nicht unbedeutende Persönlichkeit der Geschichte ausmachen, die ein solches Exemplar wie die Bornaer Lutherbibel bereits in den Händen gehalten hat.

 Eine zweite Rarität wird kurz vor dem Lutherfest für Aufsehen sorgen. Auch das in der Dorfkirche Altmörbitz entdeckte Luthergemälde ist aus der Restaurierung zurück. Wie berichtet, hatte das Ölgemälde zahlreiche Risse und Löcher, der Malgrund löste sich von der Leinwand. Heute präsentiert sich der Reformator im Alter wieder farbenfroh, obwohl Restauratorin Susan Pönitz darauf bedacht war, die Geschichte des Bildes nachvollziehbar zu erhalten.

 Vorträge zur Bibel und zum Gemälde finden am Donnerstag, 27. August, 19 Uhr, im Museum Borna statt. Danach sind beide Objekte zu besichtigen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2015
Birgit Schöppenthau

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