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Borna Bornaer Musikschule Ottmar Gerster hält am Namen fest
Region Borna Bornaer Musikschule Ottmar Gerster hält am Namen fest
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00:33 27.11.2015
Im Sturz durch Raum und Zeit - 50 Jahre Rockmusik aus Deutschland. So hieß das Konzert, das Schüler des Gymnasiums Am Breiten Teich in Borna und die Musikschule Ottmar Gerster in der Mensa des Gymnasiums aufführten. Quelle: Andreas Döring
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Borna

Die Musikschule „Ottmar Gerster“ behält ihren Namen. Ganz selbstverständlich ist das nicht. Ende Oktober hatte die Musikschule in Weimar beschlossen, sich von Ottmar Gerster als Namenspatron zu trennen. Begründung des Weimarer Musikschuldirektors Gernot Grohs: Gerster sei sowohl im Dritten Reich als auch in der DDR Opportunist gewesen und sei heutzutage für die thüringische Klassikerstadt bedeutungslos. Im Leipziger Land aber bleibt alles beim Alten. „Für uns ist das überhaupt kein Thema“, sagt Musikschulchef Klaus-Dieter Anders.

Kampfchoral für die Deutschen Christen

Ottmar Gerster (1897 bis 1969) schwankte in der Tat zwischen Anpassung und Problemen mit den Machthabern, was zumindest für die Jahre zwischen 1933 bis 1945 gilt. Der Komponist, zu Lebzeiten populär und modernen Kompositionstechniken wie der Zwölftontechnik eher abgeneigt, hatte sich in den 20er-Jahren zunächst der Arbeiterbewegung angeschlossen und betreute Arbeitergesangsvereine. 1933 schrieb er dann auf einen Text des späteren Reichsjugendführers Baldur von Schirach einen Weihespruch und einen Kampfchoral für die Deutschen Christen. Eine Strömung, die den Protestantismus an die NS-Ideologie angleichen wollte.

Harfenduo Anne Kathrin Ludolph Eger und Aine Goodmann beim LVZ-Heimatpreis 2013. Quelle: Jens Paul Taubert

Allerdings schrieb Gerster in diesen Jahren auch Werke, die nichts mit den herrschenden politischen Verhältnissen zu tun hatten. Kurz vor Kriegsende landete Gerster dann auf der so genanntem Gottbegnadetenliste, auf der Künstler standen, die vom Kriegsdienst befreit waren. Eine Liste mit mehreren hundert Namen, deren Spektrum vom Schauspieler Heinz Rühmann über den Komponisten Richard Strauss bis hin zum eindeutigen NS-affinen Bildhauer Arno Breker reichte.

Borsdorfer Gerster bleibt Namenspatron in seiner Heimat

Für die Verantwortlichen der Weimarer Musikschule um den Leiter und Komponisten Gernot Grohs ist Gersters Vita während der Zeit des Nationalsozialismus ebenso Grund, ihn als Namensgeber verschwinden zu lassen, wie sein Wirken nach 1945. Zwar stand Gerster unmittelbar nach Kriegsende auf den Schwarzen Listen der US-Militärregierung, im Jahr 1946 aber wurde der Komponist bereits Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Später war er Professor an der Musikhochschule in Weimar, 1951 wechselte er an die Leipziger Musikhochschule. Zudem war Gerster 17 Jahre lang Vorsitzender des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR. Er lebte zuletzt in Borsdorf und damit im heutigen Landkreis Leipzig, weshalb er zum Namensgeber der Musikschule wurde.

Und dabei soll es auch bleiben, macht der Bornaer Musikschulleiter Anders eindeutig klar. Gerster sei schlimmstenfalls „gering belastet“ und sei auch in den Jahren nach 1945 gespielt worden. Der Namenswechsel in Weimar ist offiziell im nächsten Jahr anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Bildungseinrichtung vorgesehen. Dann erhält die dortige Musikschule den Namen „Johann Nepomuk Hummel“. Die Musikschule im Leipziger Land trägt weiterhin den Namen Ottmar Gerster.

Von Nikos Natsidis

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