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Region Borna Bornaer Physiker lernt seit Jahren Chinesisch
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12:32 14.02.2019
Konrad Thurm aus Borna lernt chinesisch, hier zeigt der Rentner ein Dokument aus seinem Sprachkurs. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Als im Bornaer Rathaus kürzlich Besuch aus der chinesischen Partnerstadt Dujiangyang begrüßt wurde, konnte er die Gäste aus Fernost am meisten beeindrucken: Konrad Thurm, der auf Chinesisch erklärte: „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen.“ Chinesen rechnen in der Regel nicht damit, in der Fremde von Ausländern in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden. Konrad Thurm erhielt deshalb Applaus von der chinesischen Delegation. Eine Bestätigung für den 67-Jährigen, dass sein Hobby durchaus seinen Sinn hat. Der studierte Physiker aus Borna lernt seit neun Jahren Chinesisch.

Bornaer Physiker schon immer mit Interesse für China

„Interessiert hat mich das Land schon immer.“ Speziell die Entwicklung, die das 1,3-Milliarden-Volk seit 1945 genommen hat. „Damals konnten dort nur fünf Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben“, so Thurm. „So wie in Deutschland zur Luther-Zeit.“ Dass das Land seither einen gewaltigen Sprung in die Moderne gemacht hat, beeindruckt den Vater von vier Kindern ungemein. Dass jedermann in Deutschland immer wieder Dinge in der Hand hält, von denen kaum zu ahnen ist, dass sie aus China kommen, ebenfalls, sagt er weiter und nimmt seine Schirmmütze von Kopf. „PRC steht dort – also Volksrepublik China.“

Bornaer lernt am Konfuziusinstitut in Leipzig

Zum Entschluss, eine Sprache mit tausenden verschiedenen Schriftzeichen zu lernen, kam auch eine ganz spezielle Neugierde. „Die Chinesen haben eine so komplizierte Sprache.“ Und weiter: „Ich wollte wissen, wie so etwas wie Straßenverkehrsgesetzvorlage heißt.“ Deshalb lernt Konrad Thum die Sprache am Konfuzius-Institut in Leipzig, einer Art chinesisches Goethe-Institut. Womit Mandarin gemeint ist, die Muttersprache von etwa 70 Prozent der Han-Chinesen, die größte Volksgruppe in der Volksrepublik. Mit einer kleinen Gruppe von Künstlern und Lehrern in Trimestern in Leipzig, konkret dreimal im Jahr 16 Stunden.

Konrad Thurm aus Borna lernt seit vielen Jahren chinesisch. Quelle: Jens Paul Taubert

Vier Tonlagen im Chinesischen

Am Anfang standen dabei einfache Dinge wie Zahlen auf dem Stundenplan. Oder die Begrüßung „Nin hao“, was Guten Tag heißt. Konrad Thurm musste dabei feststellen, dass es eine ganz andere Herausforderung ist, Chinesisch zu lernen, obwohl er Englisch und in der Schule auch Russisch gelernt hat. Es sind die Unterschiede zwischen indoeuropäischen Sprachen und einer asiatischen Sprache, die sich etwa in der Tonlage zeigen. „Im Chinesischen gibt es vier verschiedene Tonlagen“, die natürlich allesamt von Bedeutung sind. „Das Chinesische hat eine gewisse Sprachmelodie.“

Thurm hat durch seinen Chinesisch-Unterricht einen ganz anderen Blick auf seine Muttersprache bekommen. „Deutsch ist eine Wortzusammensetzungssprache.“ Anders die Sprache aus dem Reich der Mitte. „Chinesen drücken sich über Schriftzeichen aus.“ Es gibt weniger Ausdrücke als im Deutschen. Ein Chinese könne also kaum so etwas wie „Borna“ sagen. „Das heißt dann Bo-er-na.“ Oder Leipzig: Lei-pi-chi. Während die deutsche Sprache eher analytisch sei, „erfassen die Chinesen alles bildhaft“. Weshalb es bei den Schriftzeichen, von denen Konrad Thurm etwa 300 kennt, nicht nur darauf ankommt, Striche zu machen, sondern das auch noch in der richtigen Reihenfolge.

Auch Stadtführung durch Borna denkbar

Die Kunst, mit Stäbchen zu essen, beherrscht China-Liebhaber Thurn selbstverständlich, auch wenn es sich noch nicht ergeben hat, dass er selbst in Peking oder Shanghai aus dem Flugzeug gestiegen ist. Der Liebe zum asiatischen Riesenreich tut das keinen Abbruch. Mit seinen Chinesisch-Kenntnissen würde sich Konrad Thurm, der nebenberuflich als Gästeführer im Südraum unterwegs ist und jährlich etwa 5000 Leute zu Industriebauten und Tagebauseen führt, auch eine kleine Stadtführung durch Borna zutrauen.

Chinesisches Neujahrsfest in Leipzig

Zunächst aber stehen Feierlichkeiten an. Am Wochenende wird im Leipziger „Werk 2“ das chinesische Frühlings- oder Neujahrsfest gefeiert, bei dem es selbstredend auch chinesische Gaumenfreuden gibt, und da kann Konrad Thurm seine Chinesisch-Kenntnisse einem weiteren Praxistest unterziehen.

Von Nikos Natsidis

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