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Bornaer Schullandschaft hinterlässt bei Lehrern aus der Ukraine Eindruck

Städtepartnerschaft Bornaer Schullandschaft hinterlässt bei Lehrern aus der Ukraine Eindruck

„Ein Wunder, ein Traum“: die Grundschullehrerinnen aus der ukrainischen Stadt Irpin überschlugen sich fast mit Lob über die Bornaer Schullandschaft. Eine Woche lang hatten sie Gelegenheit, das Bildungssystem kennen zu lernen und Einblicke in den Unterricht zu bekommen. In Irpin selbst sieht beides nämlich gänzlich anders aus.

Auswertung nach dem Unterricht: die Lehrerinnen aus Irpin zu Gast in der Clemens-Thieme-Grundschule.

Quelle: Julia Tonne

Borna. Wenn Oksana Sulyma und ihre Kolleginnen am Wochenende in ihre ukrainische Heimatstadt Irpin aufbrechen, werden sie die Bornaer Schullandschaft in staunender Erinnerung behalten. Eine Woche lang war eine zehnköpfige Delegation – bestehend aus Grundschullehrern und Schulleitern – aus Bornas Partnerstadt in den hiesigen Ober- und Grundschulen unterwegs, um das Bildungssystem kennen zu lernen und viele Ideen mit nach Hause zu nehmen. Und die reichen von kleineren Klassen über die Einrichtung von Horten bis hin zur Abschaffung von Schuluniformen.

„Was wir hier gesehen haben, ist wirklich ein Wunder“, sagt Lesia Lytvyn, eine von sieben Grundschullehrerinnen aus Irpin, die eine Woche lang in der Clemens-Thieme-Schule in Borna-Nord hospitiert haben. Klassenstärken von maximal 28 Kindern, eine Trennung von Schule und Hort, großzügige Schulgebäude mit riesiger Außenfläche, eine Ausstattung, die kaum Wünsche offen lässt – das sind nur einige Punkte, die bei den Ukrainern einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Denn in Irpin selbst sieht die Schullandschaft vollkommen anders aus. Zwar gebe es auch die Einteilung in Grundschule (bis Klasse vier) und weiterführende Schulen. Aber: 35 bis 40 Kinder in einer Klasse sind keine Seltenheit, Schuluniformen sind bisher Pflicht, und die Lehrer sind täglich von 8 bis 18 Uhr vor Ort, um vormittags zu unterrichten, nachmittags die Kinder zu betreuen, mit ihnen Hausaufgaben zu machen und nebenbei noch Gespräche mit den Eltern zu führen. „Erzieher, Sozialpädagogen und einen Hort wie hier gibt es in der Ukraine nicht“, erzählt Svitlana Voronova, deshalb sei ein Lehrer in gewisser Weise Mädchen für alles.

Und das alles auch noch zu einem Hungerlohn. Laut Sulyma verdiene ein Grundschullehrer 150 Euro, so viel wie eine Einzimmerwohnung pro Monat in Irpin koste. „Viele meiner Kolleginnen halten sich mit Hilfe der Eltern über Wasser oder sind verheiratet“, sagt sie. Doch es gibt Hoffnung – zumindest in Teilen. Schon jetzt gebe es in der Ukraine erste Überlegungen, die Schuluniformen abzuschaffen. „Erstens kosten sie viel Geld, zweitens wünschen die Eltern mehr Individualität.“ Zudem solle Ende Oktober, Anfang November ein Kongress stattfinden, bei dem die Delegation von ihren Erfahrungen und Eindrücken in Borna berichten werde. Bestandteil dieses Kongresses sei zudem unter anderem ein Workshop, bei dem das deutsche Bildungssystem näher vorgestellt werden solle. „Denn was wir hier gesehen haben, ist nicht anders zu bezeichnen als ein Traum“, betonte Natalya Senkiv. Sie sei guter Hoffnung, dass in absehbarer Zeit das System in der Ukraine nicht nur auf den Prüfstand gestellt, sondern auch überarbeitet werde. Erste Ansätze seien bereits erfolgt – zum Beispiel die Abschaffung von Prüfungen in Klasse vier und von Noten in Klasse eins.

Überrascht war auch Christoph Arnold, Schulleiter der Thieme-Schule, über viele Aussagen und Fragen seiner Gäste. Unter anderem kam die Frage von Seiten der Ukrainer auf, ob die Lehrer in Jeans kommen dürften. „Die Unterschiede sind gravierend“, machte Arnold deutlich. Das betreffe nicht nur organisatorische Bereiche, sondern auch inhaltliche. So lernten die Ukrainer in der Woche andere Lehrmethoden kennen, die sie teilweise an ihren Schulen umsetzen wollen. Am 29. Oktober reisen einige Lehrer der Grundschule Borna-Nord nach Irpin, um selbst Einblick in die dortige Schullandschaft zu bekommen. „Der Austausch zwischen Borna und Irpin wird immer intensiver und umfasst zunehmend mehr Bereiche“, erklärte Arnold.

Von Julia Tonne

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