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Bornaer Stadtwerke modernisieren Kraftwerk am Wilhelmschacht

Investition Bornaer Stadtwerke modernisieren Kraftwerk am Wilhelmschacht

Trotz des Bevölkerungsrückganges gewinnen die Stadtwerke Borna seit drei Jahren in Folge neue Strom- und Fernwärmekunden. Jetzt investiert der Versorger in einen Ersatzneubau für das Blockheizkraftwerk am Wilhelmschacht. Die Herausforderung ist sportlich: In den Sommermonaten soll die alte Anlage komplett zerlegt und erneuert werden.

Stromtrassen kreuzen den Himmel über Eula. Mit effizienten Erzeugungsanlagen sind die Stadtwerke Borna in der Lage, auch die Ortsteile der großen Kreisstadt zu versorgen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Mario Maron hält ein gebogenes Rohr aus Metall in der Hand. Die Oberfläche ist braun verfärbt, das Material zeigt Bruchstellen und Risse. „Das ist ein Teil aus dem Blockheizkraftwerk am Wilhelmschacht“, erklärt er. Die Ermüdung des Materials ziehe sich durch die gesamte Anlage. „Aber Ersatzteile gibt es kaum noch“, stellt der Geschäftsführer der Stadtwerke Borna fest. Deshalb hätten die Gesellschafter des Unternehmens, die Stadt Borna (63,25 Prozent) und der ostdeutsche Versorger EnviaM (63,75 Prozent) in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat eine Ersatzinvestition beschlossen. „Im kommenden Sommer wird die Anlage komplett zerlegt und erneuert“, so Maron weiter.

Das Projekt, das rund zweieinhalb Millionen Euro verschlingen wird, kommt nicht überraschend. Das Kraftwerk, das in den Jahren 1995 und 1996 errichtet worden ist, hat inzwischen 81000 Betriebsstunden auf dem Buckel. Aber der Verschleiß ist nur die eine Seite der Medaille. Anpassungen an den Bedarf und Anforderungen an den Klimaschutz erfordern ebenfalls Ersatzinvestitionen. Denn als das Kraftwerk gebaut worden ist, lebten noch knapp 30000 Einwohner in der Stadt. Nachdem 2014 erstmals der Trend des Rückganges gestoppt worden war, hat sich die Bevölkerungszahl bei 20000 eingepegelt. „Eine Erneuerung der 20 Jahre alten BHKW-Anlage ist notwendig, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit ökologisch vorteilhafter und preislich konkurrenzfähiger – das heißt sozial verträglicher – Fernwärme und Strom zu gewährleisten“, argumentiert der Hauptgesellschafter, die Kommune. Deshalb hat sie das Projekt zur Förderung über den europäischen Fonds zur regionalen Entwicklung angemeldet und rechnet mit 1,64 Millionen Euro förderfähigen Kosten.

Neben den Plänen zur Erneuerung des Kraftwerkes haben die Stadtwerke im zurückliegenden Jahr bereits weitere Weichen gestellt, um die Versorgung mit Fernwärme künftig effizienter zu gestalten. Mit einem Lückenschluss von 1000 Metern im Netz können jetzt vom Wilhelmschacht aus auch die Bewohner im Zentrum der Stadt mit Strom und Wärme versorgt werden. Bislang waren lediglich die Kunden im Gewerbegebiet an der B 93 und in Gnandorf Abnehmer. Durch die Investition in die Infrastruktur konnte im September vorigen Jahres das Kraftwerk im Zentrum, das 2013 vom Hochwasser bedroht war, geschlossen und vom Netz genommen werden.

Die Arbeiten am Ersatzneubau sollen in der Zeit zwischen April/Mai und September stattfinden. „Uns bleiben dafür nur die Sommermonate“, sagt Maron, der auf die Monteure eine sportliche Herausforderung zukommen sieht. „Denn wir reden von einem Schiffsmotor“, sagt er. Der müsse komplett zerlegt werden, alte Teile werden gegen neue ausgetauscht. Die moderne Anlage verfüge dann nicht nur über höhere Wirkungsgrade, sondern ermögliche auch eine flexiblere Fahrweise. Das verbessere die wirtschaftliche Situation des Unternehmens.

Der Ersatzneubau ist Maron zufolge die größte Investition seit der Errichtung der ursprünglichen Erzeugungsanlagen, von denen sich ein Kraftwerk in Borna-Ost und eine Biogasanlage in Borna-Nord befinden. Der Geschäftsführer verhandelt derzeit mit Banken und wird den Umbau noch anschieben. Ende Februar verlässt der Diplom-Ökonom nach knapp 18 Jahren des Unternehmen, in das er als kaufmännischer Leiter eingestiegen war.

Er gehe „mit einem guten Gefühl“, sagt der Leipziger. Der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft sei gelegt. Seit drei Jahren wachse die Zahl der Kunden im Strom- und Gasbereich. Mit dem Anschluss großer Gewerbekunden wie Termic Energy in Zedlitz und Lekkerland in Borna-Ost habe der Versorger seine Leistungsfähigkeit als moderner Dienstleister unter Beweis gestellt. Die Stadtwerke würden seit Jahren schwarze Zahlen schreiben und Gewinne an die Gesellschafter abführen. Konzessionsverträge für Fernwärme und in Aussicht gestellte für Strom und Gas bis 2030 würden dem Unternehmen die notwendige Planungssicherheit geben. Denn nach Bau am Wilhelmschacht soll bereits in den Jahren 2018/19 das baugleiche Kraftwerk in Borna-Ost erneuert werden.

Von Birgit Schöppenthau

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