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Bornaer Tafel versorgt rund hundert Bedürftige pro Woche

Hilfsangebot Bornaer Tafel versorgt rund hundert Bedürftige pro Woche

Wer wenig Geld hat, darf in den Tafelläden einkaufen. Für zwei Euro bekommt er eine große Tüte voller Brot, Salat, Mandarinen, Salami, Käse und Erdbeerjoghurt. „Das hilft in vielen Familien wirtschaften“, sagt Tafel-Chef Werner Wehner. Dabei ist ihm ganz wichtig, dass die Würde gewahrt bleibt. Ein Besuch an einem Dienstagmorgen bei der Bornaer Tafel.

Nicole Noack und ihren beiden Kindern hilft das Angebot der Tafel, sie nutzt es jede Woche. Hier wird sie von Helferin Christine Seidel bedient.

Quelle: Andreas Döring

Borna. M

Monika Kraft weiß, dass es einigen Leuten nicht besonders gut geht, wenn sie dienstags in das kleine Ladengeschäft in der Altenburger Straße 5 kommen. Vor Jahren brauchte sie die Tafel selbst. „Ich hab’ mich damals am Anfang geschämt“, erzählt die Bornaerin. Sie habe zu Hause vor lauter Verzweiflung sogar geweint. Erst als sie kein Geld mehr hatte, um für sich und ihr Kind Lebensmittel zu kaufen, sei sie zur Tafel gegangen. Ihre damalige Firma hatte lange keinen Lohn gezahlt, erzählt sie. Heute hat sie woanders einen Job als Putzfrau – und kommt jeden Dienstag ehrenamtlich gern hierher. „Mir hat das damals sehr geholfen und jetzt will ich gern helfen“, meint sie. Seit drei Jahren gehört sie zum Tafel-Personal. „Ich mache das richtig gerne, wir sind hier wie eine Familie.“

Seit mehr als zehn Jahren versorgt die Bornaer Tafel Bedürftige. Die Domizile wechselten im Laufe der Zeit. Das Ladengeschäft in der Altenburger Straße ist recht klein. Die Mitarbeiter haben den Ablauf jedoch gut und praktisch organisiert. Alle Waren werden am Dienstagmorgen in grüne, rote und gelbe Kisten gepackt und in dem Geschäft auf Tische gestellt. Ganz hinten gibt es Obst und Gemüse, weiter vorn Wurst und Käse sowie Quark und Joghurt, am Fenster steht die Brot-Theke. Von 8 bis 9 Uhr sind Neuanmeldungen möglich. Wer Sozial-, Hartz-IV- oder Wohngeldbescheid hat, ist für die Tafel berechtigt. Er bekommt einen gelben Ausweis und eine Nummer. Die Bedürftigen sind in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe kauft ab 9 ein, die zweite ab 10.30 Uhr.

Tom Wagner steht gleich am Eingang und ruft die einzelnen Nummern auf, dann stempelt er den Tafel-Ausweis ab und nimmt das Geld in Empfang. Jeder Erwachsene zahlt für seinen Einkauf zwei Euro, Kinder einen Euro. Wenn also eine alleinerziehende Mutter von zwei Steppkes kommt, legt sie vier Euro auf den Tisch und erhält ein Kärtchen, auf dem 1+2 steht. So wissen die anderen Mitarbeiter, welche Mengen an Lebensmittel ihr zustehen. „Es läuft ganz gut“, sagt der 50-jährige Leiter der Bornaer Tafel. 80 bis 110 Leute pro Woche würden das Angebot nutzen, mehr als ein Drittel davon seien Kinder. Die gespendeten Waren stammen hauptsächlich von Supermärkten, „es kommt mal mehr, mal weniger, das ist unterschiedlich“. Tom Wagner arbeitete mehrere Jahre ehrenamtlich für die Tafel, jetzt hat er dort eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst. Seine Motivation: „Es geht darum, Bedürftige mit dem Notwendigsten zu versorgen.“

Nicole Noack aus Lobstädt kommt seit zwei Jahren Woche für Woche zur Tafel. Sie ist berufstätig. Arbeitet als Kassiererin in einem Supermarkt. Sie gehört zu den Geringverdienern, damit steht ihr die Tafel offen. „Das ist eine gute Sache für mich und meine zwei Kinder“, sagt die 32-Jährige. Das Angebot sei gut, immer frisch und helfe der Familie finanziell sehr.

Christine Wagner nutzt das Angebot sogar schon zehn Jahre. Die Bäckerin musste aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben, heute ist sie Hartz-IV-Empfängerin, erzählt die 62-Jährige. Jede Woche geht sie zur Tafel. „Was ich hier bekomme, reicht für mich alleine“, meint die Bornaerin. Was ihr nicht so gut gefällt: „Das ist hier ziemlich eng. Früher in der Bahnhofstraße, da konnten wir im Geschäft warten. Das war besser, vor allem wenn’s so kalt ist.“

Vielleicht gibt es dafür eine Lösung, sagt Werner Wehner, Chef der Leipziger Tafel, zu der auch der Bornaer Ableger gehört. Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) wolle bei der Deutschen Bahn nachfragen, ob die Tafel eventuell Räume in einem Seitengebäude am Bahnhof nutzen könnte. „Das wäre ganz toll“, so Wehner. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit der Stadt Borna vorbildlich: „Die Oberbürgermeisterin und auch ihre Mitarbeiter engagieren sich sehr für uns.“

Dass der heute 68-Jährige mal Chef eines Tafel-Vereins mit 90 hauptsächlich ehrenamtlichen Helfern wird, hätte er nie gedacht. Eigentlich ist er Immobilienmakler und suchte vor zehn Jahren ein Domizil für die Tafel in Leipzig. Er unterstützte die Aktion auch bei der Planung des neuen Hauses und der Beschaffung von Fördermitteln. Und irgendwann wurde er gefragt: „Wenn du das alles so schön geplant hast, kannst du es vielleicht auch umsetzen? Und wir brauchen auch noch einen neuen Vorsitzenden.“

Heute würden in Leipzig und Umgebung 13 000 Menschen von der Tafel profitieren. „Wir wollen helfen, dass der Tisch ein kleines bisschen reicher gedeckt werden kann und wir haben dafür einen qualitativ hohen Anspruch“, meint der Leipziger. Wichtig sei ihm, dass die Würde gewahrt bleibt. Deshalb sagt er zu seinen Mitarbeitern: „Denkt immer daran, ihr würdet auf der anderen Seite des Ladentisches stehen.“

Info: Bornaer Tafel, Altenburger Straße 5, geöffnet am Dienstag, An- oder Ummeldung 8 bis 9 Uhr, Lebensmittelausgabe 9 bis 12 Uhr, Kundentelefon während der Öffnungszeit 0163/8868222. Wer Sozial-, Hartz IV- oder Wohngeldbescheid hat, erhält bei der Tafel Lebensmittel.

Von Claudia Carell

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Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

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