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Bornaer Wasserverband stimmt für Enthärtungsanlage – Groitzscher überstimmt

Wasserversorgung Bornaer Wasserverband stimmt für Enthärtungsanlage – Groitzscher überstimmt

Nach dem Einspruch der Stadt Groitzsch über den Beschluss des Baus einer Enthärtungsanlage im Wasserwerk Kesselshain hat die Mehrheit der Kommunen im Zweckverband Wasser/Abwasser Bornaer Land erneut für das Vorhaben votiert. Gänzlich in trockenen Tüchern ist der Beschluss damit aber noch nicht.

Das Wasserwerk Kesselshain nahe Borna bekommt voraussichtlich die lange geplante Enthärtungsanlage.

Quelle: Jens Paul Taubert

Neukieritzsch/Kesselshain. Nach rekordverdächtigen 13 Minuten war der öffentliche Teil der jüngsten Versammlung des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Bornaer Land (ZBL) bereits beendet. Die Mitglieder trafen sich Dienstagabend im Ratssaal der Gemeindeverwaltung Neukieritzsch, um – neben einigen anderen Punkten – abermals über ein Thema abzustimmen, das seit Monaten für Konflikte im Verband sorgt: eine Wasserenthärtungsanlage im Wasserwerk Kesselshain. Was in den vergangenen Sitzungen für ausufernde Diskussionen gesorgt hatte, wurde diesmal innerhalb weniger Minuten abgehandelt. Das Ergebnis: Abermalige Zustimmung von nahezu allen Mitglieder – außer von Groitzsch.

Rückblick: Bereits seit 2016 denkt der ZBL über den Bau einer Enthärtungsanlage im Wasserwerk nahe Borna nach. Zweck der Anlage ist es, den Härtegrades des bereitgestellten Trinkwassers so weit zu reduzieren, dass der Härtebereich zwei erreicht wird. Damit würden alle Verbraucher im Gebiet des ZBL mit Wasser des gleichen Härtebereichs versorgt. Derzeit hat das Wasser aus Kesselshain einen Härtegrad von 23 Grad Deutscher Härte (°dH) und fällt damit in die oberste von drei Härtestufen, mit denen Trinkwasser in Deutschland eingeteilt wird. Stufe eins reicht von 0 bis 8,4°dH, Stufe zwei bis 14. Alles darüber wird in Stufe drei eingeteilt.

Das Fernwasser, welches der ZBL bezieht und im nördlichen sowie westlichen Teil des Verbandsgebietes verkauft, liegt mit durchschnittlich 12,7°dH im Härtebereich zwei und erreicht rund 26 500 Anwohner. 35 000 weitere, die im östlichen Teil des Verbandsgebietes leben, erhalten jedoch das härtere, sprich: kalkhaltigere Wasser. Dies sei zwar vorteilhaft für die Gesundheit, negativ hingegen im technisches Sinne, wie Michael Seifert vom Leipziger Ingenieurbüro Fichtner im Dezember 2016 erklärte: Wasserkocher, Kaffee- und Spülmaschinen verkalken früher, müssen häufiger gereinigt werden und erleiden eher Defekte.

Die Pläne des ZBL stießen nicht bei allen Mitgliedern auf Zustimmung. Stein des Anstoßes waren die Investitionen für die Anlage in Höhe von etwa 720 000 Euro sowie die zusätzlichen Betriebskosten, die den Wasserpreis im gesamten Verbandsgebiet um acht bis neun Cent je Kubikmeter erhöhen würden. Das macht pro Person in einem Vier-Personen-Haushalt rund 2,80 Euro jährlich.

Als vehementester Gegner des Vorhabens hatten sich die Stadt Groitzsch und deren Bürgermeister Maik Kunze (CDU) hervorgetan. Nachdem sich im Mai bereits eine deutliche Mehrheit für den Baubeschluss gefunden hatte – 52 Ja-Stimmen, fünf Enthaltungen –, erhob die Stadt Einspruch, da nicht alle alternativen Möglichkeiten ausreichend geprüft worden seien. Als Option zur Enthärtungsanlage war unter anderem der Bezug von mehr Fernwasser im Gespräch. Diese Möglichkeit ist inzwischen vom Tisch, weshalb die Entscheidung wiederholt werden musste.

Diesen Dienstag war es nun soweit. Und auch diesmal fiel die Abstimmung eindeutig, wenn auch weniger deutlich aus: 47 Ja-Stimmen, acht mal Nein, sieben Enthaltungen. Ohne weitere Einwände oder Ausführungen hat die Verbandsversammlung damit den Bau der Enthärtungsanlage beschlossen. In gänzlich trockenen Tüchern ist das Projekt allerdings noch nicht: „Die Kommunalaufsicht des Landratsamtes hat sich vorbehalten, den Beschluss und die dazugehörigen Unterlagen noch einmal zu prüfen“, sagte ZBL-Geschäftsführer Michael Spitzner anschließend und betonte: „Diese Prüfung ist ergebnisoffen.“

Weniger erfreut über das Ergebnis der Abstimmung zeigte sich Maik Kunze: „Das ist Demokratie“, so der Groitzscher Bürgermeister knapp. „Wir werden uns im Verwaltungsausschuss beraten und darüber entscheiden, wie die Stadt mit dem Beschluss umgeht.“

Von Christian Neffe

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