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Bornaer fühlt sich nach Zwangsvollstreckung ungerecht behandelt

Luckaer Straße Bornaer fühlt sich nach Zwangsvollstreckung ungerecht behandelt

Nachdem der Gerichtsvollzieher und die Polizei anrückten, musste ein 69-Jähriger seine Wohnung in Borna verlassen. Er sieht sich nun als Opfer. Die Stadt sagt, dass sie ihm geholfen hätte, wenn er sich gemeldet hätte.

Blick auf das Bornaer Rathaus. „Wenn jemand obdachlos ist, gibt es eine Obdachlosenunterkunft“, erklärt die Oberbürgermeisterin.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Es ist eine Geschichte, wie sie in Deutschland immer wieder vorkommt. Die von Eberhard Dathe. Der 69-Jährige war bis vor einigen Monaten in der Luckaer Straße in Borna zu Hause. Dann musste er seine Wohnung zwangsweise verlassen, weil das Haus nach einer Zwangsversteigerung einen neuen Eigentümer hatte. Das Haus, das Dathe einst geerbt hatte. „In dem Gebäude befinden sich die meisten meiner Sachen.“ Eine Ersatzwohnung sei ihm nach seiner Zwangsräumung auch nicht angeboten worden.

Begonnen hatte das Drama im Jahr 2013. Zu diesem Zeitpunkt lief eine Verdienstausfallrente aus, die Dathe nach einem Unfall im Jahr 1986 bekommen hatte. Seither war er behindert, was seine körperliche Leistungsfähigkeit einschränkt. Sein privates Monatsbudget schrumpfte nun von über 1000 Euro auf karge 335 Euro. Eine Summe, von der er die Raten für die noch nicht vollständig abbezahlte ererbte Immobilie nur noch mit Mühe und am Ende in der Höhe von 110 Euro monatlich nicht mehr bezahlen konnte, wie er sagt.

„Ich wollte gern weniger zahlen im Monat“, erzählt er – aber die Bank spielte nicht mit. Es wurden die üblichen Mechanismen in Gang gesetzt, und am Ende gab es eine Zwangsversteigerung des Hauses, deren Rechtmäßigkeit am Ende auch vom Landgericht Leipzig bestätigt wurde. Einen so genannten Räumungsschutz, also eine Entscheidung, in deren Konsequenz Dathe am Ende zumindest noch eine Zeit lang hätte in seiner Wohnung bleiben können, lehnte das Amtsgericht ab. Stattdessen wurde er gefragt, ob er sich um geeigneten alternativen Wohnraum gekümmert habe.

„Aber das geht so nicht“, sagt der Mann, der mittlerweile offiziell bei seinem Stiefsohn in Leipzig wohnt. „Ich bekomme als Behinderter keine behindertengerechte Wohnung“, auch weil er nicht genügend Geld habe. Und weiter: „Meine Wohnung in der Luckaer Straße war behindertengerecht.“

Im April war es dann soweit. Der Gerichtsvollzieher rückte in Begleitung von sieben Polizisten an, und Dathe konnte in der Kürze der Zeit gerade einmal noch einen Beutel mit dem Nötigsten packen, bevor er seine Wohnung verlassen musste.

Und nicht nur seine Wohnung. Was ihn besonders schmerzt sind seine sieben Katzen, die er lange Zeit gefüttert und betreut hat. Bisweilen kommt er auch heute noch in die Luckaer Straße, um die Tiere zu füttern, die allerdings teilweise schon verschwunden sind.

Dathe fühlt sich ungerecht behandelt und ist in gewisser Weise obdachlos. Was nicht sein müsste, wie die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke), von Amts wegen in letzter Instanz auch für die Unterbringung Wohnungsloser in der Stadt zuständig, sagt. „Wenn jemand obdachlos ist, gibt es eine Obdachlosenunterkunft.“ Die befindet sich in Borna in der Mühlgasse und wird bei Bedarf geöffnet – nachts und mit Betreuung. „Er hätte sich bei uns im Ordnungsamt melden müssen.“ Eine Verpflichtung, jemandem, der sein Haus nach einer Zwangsvollstreckung verlassen muss, eine Wohnung anzubieten, gebe es aber nicht. Im Gegensatz zu einem Eigentümer, der seine Wohnung mit der Begründung des Eigenbedarfs nutzen will. Während der Vermieter alternativen Wohnraum anbieten muss, sei das im Fall von Dathe anders. Er hätte einen Schlafplatz bekommen, „und wir hätten ihn bei der Suche nach einer Wohnung natürlich unterstützt“, erklärt die Oberbürgermeisterin.

Von Nikos Natsidis

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