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Bornas Gewerbeverein will mit EU-Fördermitteln Handel in der City ankurbeln

Geschäftsleben Bornas Gewerbeverein will mit EU-Fördermitteln Handel in der City ankurbeln

Die Stadt Borna hat überdurchschnittlich viel Verkaufsfläche pro Einwohner, doch in der Innenstadt klaffen unübersehbare Lücken. Traditionsgeschäfte müssen schließen, weil Nachfolger fehlen. Jetzt will der Gewerbeverein Fördermittel nutzen, um den Einzelhandel anzukurbeln. Doch das setzt den Wandel im Branchenmix voraus.

Auch die Kommune hat in Borna ausreichend Fläche für Einzelhandel im Portfolio. Die Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft vermietet an potenzielle Einzelhändler und an Gastronomen.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Mit europäischen Fördermitteln will der Bornaer Gewerbeverein das Sterben traditionsreicher Handelsgeschäfte in der Innenstadt stoppen. „Dabei wollen wir uns stärker auf die Unternehmensnachfolge konzentrieren“, sagte Toralf Lang, Chef des Gewerbevereins. Projekte zur Unterstützung von Wirtschaft im Quartier, Beratung und Netzwerkarbeit sollten verhindern, dass der Leerstand weiter wächst. Die Gemeinschaft der Händler setze auf private Investoren, die in leerstehende Immobilien investieren und die im Erdgeschoss befindlichen Ladengeschäfte beleben. Entsprechende Ideen würden derzeit gesammelt und sollen in ein Handlungskonzept einfließen, mit dem sich die Stadt Borna um Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds ESF bewerben wird.

Mit rund 44 000 Quadratmeter pro Einwohner verfügt das Mittelzentrum Borna bereits über ausreichend Verkaufsfläche und liegt damit weit über dem Durchschnitt der Pro-Kopf-Versorgung im Landkreis Leipzig. Das weist der aktuelle Handelsatlas aus, den die IHK zu Leipzig jüngst vorgelegt hat. Im Branchenmix nehmen die Angebote für den kurzfristigen Bedarf – Nahrungs- und Genussmittel, Drogerieartikel, Medikamente und das Sortiment von Sanitätshäusern – die Hälfte der Angebote ein. Elektro- und Haushaltgeräte, Wohntextilien, Bettwaren, Foto und Optik sowie Unterhaltungselektronik sind nur zu einem Viertel im Branchenmix der Stadt vertreten. Auffällig ist zudem die starke Ausprägung des großflächigen Einzelhandels. Mit einer Fläche von über 20 000 Quadratmetern ist das Einkaufszentrum Am Wilhelmschacht der Gigant unter den Anbietern.

Dagegen geht der kleinteilige Handel zurück. Ehemalige Einkaufsmeilen wie die Reichsstraße weisen inzwischen erhebliche Lücken auf. So hat der Modeausstatter Gaber Moden derzeit ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht etwa wegen des gut sortierten Angebotes an Top-Marken. Der Abriss der benachbarten Häuser lässt der Immobilie derzeit viel Luft. Zwar hat die Stadt Borna an den erst kürzlich erfolgten Abriss des Hauses in der Nummer 11 die Bedingung geknüpft, dass sich eine neue Bebauung anschließen muss, weil sonst die Wirkung der Reichsstraße dauerhaft negativ beeinträchtigt wird. Aber der Eigentümer wird den Standort temporär als Grünfläche nutzen.

Nichtsdestotrotz gebe es für potenzielle Ladenmieter im Umfeld genug Objekte, die wieder zum Leben erweckt werden könnten. So konnte das Traditionsgeschäft für Kindermoden der alteingesessenen Handelsfamilie Claus seit Ende 2014 nicht wieder vermietet werden. Auch in anderen Schaufenstern künden Schilder davon, dass hier neue Ideen eine Chance hätten. „Die Reichsstraße ist eine historische Einkaufsstraße“, stellte Lang fest. Sie war einst das Herzstück einer Magistrale, die vom Zimmerhof bis zum Bahnhof reichte. Diese Promenade als florierende Geschäftsstraße zu beleben, werde viel Kraft kosten.

Aber nach Auffassung des Vereinsvorsitzenden ist nichts unmöglich. Er verwies auf die Rossmarktsche Straße, in der nicht ein Laden leer stehen würde. Roßschlächterei, ein Piercingstudio, Gastronomie, soziale Einrichtungen wie die Kleiderkammer des DRK-Kreisverbandes im Leipziger Land und Geschäftsstellen von großen Wohnungsunternehmen locken Publikumsverkehr in die Straße. „Hier haben wir den Wandel geschafft vom reinen Einzelhandel zum Mix aus Handel und Dienstleistungen“, sagte Lang. Die Fokussierung auf Serviceangebote sei eine Nische, in der sich die Innenstadt stark machen müsse. „Durch die Altersstruktur in Borna wächst der Bedarf an Dienstleistungen“, so der Experte.

Obwohl der Gewerbeverein die Zusammenarbeit mit kommunalen und privaten Hauseigentümern verstärkt hat und im Rahmen des Geschäftsstraßenmanagements leerstehende Läden erfolgreich an Händler vermitteln konnte, sieht Lang die Stadt vor großen Herausforderungen. Trotz vorliegender Konzepte und Ideen aus Studentenwettbewerben bleiben Sanierungsprojekte unangetastet, weil die Eigentümer andere oder keine Pläne verfolgen würden. „Dort können wir nur Anregungen geben“, sagte er. Über eigene Kontakte würde der Gewerbeverein potenzielle Interessenten mit verkaufswilligen Hausbesitzern zusammenbringen und Konzepte zur künftigen Nutzung entwickeln.

Für derartige Impulse will der Verein die Gelder aus dem ESF nutzen. Denn der Fonds ist aufgelegt worden, um die soziale Stadtentwicklung voranzutreiben. In der laufenden Förderperiode bis 2020 stehen Experten zufolge im Freistaat über 32 Millionen Euro zur Verfügung. Neben der Bildung und Integration hat die EU auch wirtschaftlichen Initiativen für eine nachhaltige Stadtentwicklung auf der Agenda.

Von Birgit Schöppenthau

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