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Bornas Kunigundenkirche erweist sich bei Sanierung als Wundertüte

Bau Bornas Kunigundenkirche erweist sich bei Sanierung als Wundertüte

Die Sanierung der Kunigundenkirche in Borna entpuppt sich auch im zweiten Bauabschnitt als Überraschungsei. Kürzlich kam eine Malerei zum Vorschein, die nicht so alt ist wie zunächst angenommen. Bis Ende November könnte der zweite Abschnitt abgeschlossen sein, Anfang des nächstes Jahres geht es weiter.

Die Apsis-Malerei ist eine Erfindung des Restaurators, der in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für die Sanierung zuständig war.

Quelle: Julia Tonne

Borna. 100 Ziegelsteine mussten kürzlich im Mauerwerk der Bornaer Kunigundenkirche ausgetauscht werden. Das klingt wenig, ist aber ein echte Herausforderung. Denn eben mal bestellen und einbauen, funktioniert bei dem denkmalgeschützten Gotteshaus nicht. Vielmehr wurden die Ziegel von Hand gefertigt, immer wieder gab es Schwund bei der Herstellung, weil die Farbe nicht dem Original entsprach. „Alleine der Austausch der Ziegel war mühselig“, sagt Bauleiter Jürgen Schmidt.

Seit mittlerweile mehreren Monaten läuft die Sanierung der Kirche auf Hochtouren. Entpuppte sich schon der erste Bauabschnitt als Überraschungsei, ist es im zweiten Bauabschnitt nicht anders. So kam in der Apsis, in der Altarnische im Chor der Kirche, eine Malerei zum Vorschein, die ein Restaurator erst in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschaffen hatte. „Die Malerei ist sozusagen eine Erfindung des damaligen Restaurators, sie ist bei weitem nicht so alt wie die Fresken“, sagt Schmidt. Diese könnten bereits im Mittelalter ihren Platz in der heute 800 Jahre alten Kirche gefunden haben.

Die Fresken im Kirchenschiff sind wahrscheinlich bereits im Mittelalter entstanden

Die Fresken im Kirchenschiff sind wahrscheinlich bereits im Mittelalter entstanden.

Quelle: Julia Tonne

Mit rund 320 000 Euro schlagen die Arbeiten des zweiten Bauabschnitts zu Buche. Dazu gehören nicht nur der Austausch und Formergänzungen der Ziegel, sondern auch die Fugensanierung. Diese werden ausgearbeitet, untersucht und schließlich neu gemacht – immer in Hinblick auf die Vorgaben des Amtes für Denkmalpflege. „Eine gute Denkmalpflege sieht man nach den umfangreichen Arbeiten nicht“, erklärt der Diplomrestaurator Arnulf Dähne, der die Baumaßnahme koordiniert. Bis Ende November, so rechnet er, könnte der zweite Abschnitt abgeschlossen sein, Anfang des nächstes Jahres gehe es weiter.

„Und dann kommen noch einmal zahlreiche notwendige Arbeiten auf uns zu“, so Dähne. Unter anderem müsse der jetzige Opferputz – ein Reparaturmörtel mit hoher Porosität, der den Wänden die Salze entzieht – ausgetauscht und ersetzt werden. Außerdem solle die Deckenrestaurierung in Angriff genommen werden. Auch die Auffrischung der Apsis-Malerei stehe auf der Agenda, ebenso wie die Aufarbeitung der alten Kanzel und der Grabsteine, die bislang als Treppenstufen zum Altarraum dienten. „Mithilfe einer Stahlkonstruktion wollen wir sie verbauen und den Besuchern zeigen“, sagt Dähne.

Teile der alten Kanzel sollen für die Besucher zugänglich gemacht werden

Teile der alten Kanzel sollen für die Besucher zugänglich gemacht werden.

Quelle: Julia Tonne

Damit seien laut Schmidt die Arbeiten des anstehenden dritten Bauabschnitts jedoch noch immer nicht vollständig umrissen. Vielmehr stehe die Herausforderung an, vier Kirchenfenster mit Sensoren auszustatten, um anschließend für eine reibungslose Belüftung des Gebäudes zu sorgen. Denn Feuchtigkeit ist seit Jahrzehnten das Hauptproblem des Backsteinbaus. „Und auch der Boden des Gotteshauses muss endlich erreichbar sein“, macht Schmidt deutlich. Bisher grenze der Aufstieg über eine Leiter an eine Mutprobe. Welche Treppenvariante letztlich aber zum Einsatz komme, stehe noch nicht fest. Zumal auch der Umweltschutz ein Wörtchen mitzureden habe, denn der Boden diene nicht nur der Unterbringung der gesamten Elektrik, sondern auch Fledermäusen als Domizil.

Rund eine Million Euro investiert die Kirchgemeinde in die gesamte Sanierung der Kunigundenkirche. Fördermittel machen glücklicherweise einen Großteil der Summe aus, so gibt es Gelder vom Freistaat, vom Landkreis und von der Landeskirche. Dabei allerdings stehen Bauleiter und Koordinator immer vor der Herausforderung, den Zeitplan einzuhalten. Dähne begründet das mit dem Einjahreshaushalt der Denkmalpflege-Förderung. „Wir können erst planen, wenn die Finanzierung steht. Insofern wäre es hilfreich, wenn der Haushalt gleich zwei Jahre umfassen würde.“

Eine Pflichtaufgabe ist die Sanierung des ältesten Backsteinbaus Mittelsachsens nicht, eher eine Kür. „Wir wollen die Kirche erhalten und später gerne für Gottesdienste, Kirchenmusik und Konzerte nutzen“, erläutert Schmidt. Fraglich hingegen sei, wie zukünftig die Pflege der Parkanlage aussehen solle. Denn während das Gotteshaus der Gemeinde gehöre, sei die Stadt Eigentümer des Parks. „Aber hier passiert leider wenig, der Garten sieht ganz schön verwahrlost aus.“ Schmidt und Dähne hoffen, dass spätestens in zwei Jahren das gesamte Areal samt Kirche wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Von Julia Tonne

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