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Brandis-Borsdorf und Naunhof-Großpösna: Planer wollen neue Bündnisse schmieden

Regionalplanung im Landkreis Leipzig Brandis-Borsdorf und Naunhof-Großpösna: Planer wollen neue Bündnisse schmieden

Mit der Fortschreibung des Regionalplanes Leipzig-Westsachsen wird auch die Ausweisung von Grundzentren auf den Prüfstand gestellt. Die Planer schlagen dabei für den Raum Brandis, Borsdorf, Naunhof und Großpösna neue Bündnisse vor.

Andreas Berkner moderiert als Leiter des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen die künftige Entwicklung von Grundzentren.

Quelle: Andreas Röse

Landkreis Leipzig. Es scheint nur ein bürokratischer Begriff zu sein: Grundzentrum. Doch Kommunen bemühen sich nicht umsonst darum, in der Regionalplanung als solche eingestuft zu werden. Mit der Fortschreibung des Regionalplanes Leipzig-Westsachsen aus dem Jahr 2008 stehen die derzeitigen Grundzentren auf dem Prüfstand. Der Entwurf des Dokumentes befindet sich aktuell in der Anhörung.

Wer kann sich mit dem Titel schmücken?

Wer kann sich weiter mit dem Titel Grundzentrum schmücken? Welcher Ort hat an Bedeutung verloren? Wo müssen bestehende Partnerschaften kritisch hinterfragt werden, weil sie nicht funktionieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich derzeit der Regionale Planungsverband (RPV) Leipzig-Westsachsen. Auf der jüngsten Verbandsversammlung im Dokumentationszentrum des Kraftwerks Lippendorf wurden Überlegungen dazu öffentlich diskutiert. „Ein Nachjustieren ist legitim, um Entwicklungen Rechnung zu tragen“, erklärte Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle. Insbesondere das starke Bevölkerungswachstum der Stadt Leipzig, aber auch gegenläufige Entwicklungen im ländlichen Raum würden neue Fragen aufwerfen.

Die Planungsregion umfasst neben der Stadt Leipzig die Landkreise Leipzig und Nordsachsen. Derzeit sind als Grundzentren folgende Städte festgelegt: Bad Lausick, Colditz, Frohburg, Geithain, Markranstädt aus dem Landkreis Leipzig sowie Bad Düben, Belgern, Dahlen, Dommitzsch, Mügeln und Taucha aus dem Bereich Nordsachen. Als grundzentrale Verbünde sahen die Planer im Jahr 2008 die Kommunen Böhlen/Zwenkau, Brandis/Naunhof sowie Groitzsch/Pegau. Die Verbandsverwaltung gab in Lippendorf nun folgende Marschrichtung bekannt: Im Leipziger Speckgürtel sollen die Orte Markranstädt, Taucha sowie Böhlen/Zwenkau als Grundzentren beziehungsweise Verbünde beibehalten werden. Gleiches gilt im ländlichen Raum für Bad Düben, Bad Lausick, Colditz, Dahlen, Frohburg, Geithain und Groitzsch/Pegau.

Hotspot östlich von Leipzig

Handlungsbedarf wurde in drei Bereichen ausgemacht: Brandis/Naunhof/Borsdorf/ Großpösna/Machern; zudem in der Region Torgau sowie für die Orte Mügeln/Wermsdorf. Insbesondere für den „Hotspot östlich von Leipzig“, wie es Berkner nannte, bat er die Verbandsräte um eine Meinungsbildung. „Hier bestand bislang der grundzentrale Verbund Brandis-Naunhof.“ Das in der Regionalplanung erdachte Duo habe aber nur partiell funktioniert. So habe man zwar in Sachen Brandschutz kooperiert oder einen gemeinsamen IT-Verantwortlichen benannt. Weitere Synergieeffekte habe es aber nicht gegeben. Ein externes Gutachten macht unter anderem die trennende Wirkung der Autobahn A 14 und des Naunhofer Forstes sowie unterschiedliche Entwicklungsinteressen als Hemmnisse aus.

Obwohl sich Brandis und Naunhof dennoch zu dem Bündnis bekannt und dies dem Planungsverband auch mitgeteilt haben, favorisiert dieser einen anderen Weg. Vorgeschlagen werden zwei neue Verbünde: Brandis/Borsdorf sowie Naunhof/Großpösna. Damit würde die Auflösung des Verbundes Brandis-Naunhof einhergehen. Zur Begründung heißt es: „Naunhof mit seinem Verflechtungsbereich Belgershain und Parthenstein stellt eine Kommune dar mit stark ausgeprägtem Potenzial zur touristischen Entwicklung. Gleiches trifft auf die Gemeinde Großpösna zu, die sich auf Grund ihrer Lage am Störmthaler See als leistungsfähige Gemeinde etabliert hat.“ Beide Orte würden eng zusammenarbeiten und weitere Kooperationen anstreben, so im Bereich Brandschutz, Standesamt, Gewerbe- und Ordnungsamt. Auch im Schulbereich gebe es Verflechtungen. Eine steigende Zahl von Großpösnaer Kindern würde die Oberschule und das Freie Gymnasium in Naunhof besuchen. Andere Angebote in der medizinischen Versorgung oder bei Pflegeheimen würden sich ergänzen. Eine gute ÖPNV-Verbindung und die Pösna-Park-Linie sprächen ebenfalls für die neue Zweckgemeinschaft.

Graichen: Brandis-Naunhof hat nicht funktioniert

Die externe Expertise hatte zudem einen Verbund Brandis-Machern angeregt. Dieser Gutachter-Empfehlung folgte der Planungsverband allerdings nicht. Auf der jüngsten Sitzung in Lippendorf gab es vielmehr das klare Votum, Brandis und Borsdorf zum Planungs-Altar zu führen. Auch Landrat Henry Graichen (CDU), Verbandsvorsitzender des RPV, plädierte für diesen Weg. „Mit allen Kommunen sind dazu intensive Gespräche zu führen“, erklärten Graichen und Berkner unisono. „Auf jeden Fall müssen wir zur Kenntnis nehmen“, so Graichen, „dass die bisherige Struktur so nicht funktioniert hat.“ .

Neue Impulse hält die Verbandsverwaltung auch rund um Torgau für nötig. Sorgen macht den Regionalplanern besonders Ostelbien. „Die beiden bislang bestehenden Grundzentren Belgern und Dommitzsch sind etwas schwach auf der Brust“, formulierte es Berkner. Dem Verband schwebt vor, künftig auf Beilrode und Mockrehna als Grundzentren zu setzen. „Hier müssen wir das Feld mit allen vier Bürgermeistern und auch dem nordsächsischen Landrat Kai Emanuel noch sondieren.“ Handlungsbedarf bestehe auch rund um Oschatz. Hier sind bislang die Kommunen Dahlen und Mügeln als Grundzentren ausgewiesen. Diskutiert werden sollte laut Berkner ein grundzentraler Verbund Mügeln/Wermsdorf. In dieser Frage folgt der RPV dem Gutachten und hofft unter anderem, dass die Lage an den Autobahnzubringern S 31 (Mügeln) sowie S 38 (Wermsdorf) zu weiteren Impulsen führt.

Leipzig verweist auf City-Tunnel

Die Stadt Leipzig hat die Evaluierung der Grundzentren bereits begrüßt, wie aus einer Stellungnahme von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau hervorgeht. Allerdings betrachtet die Messestadt die Entwicklung vor allem im aufstrebenden Umland durchaus mit Skepsis. Seit der Eröffnung des City-Tunnels und der Inbetriebnahme des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes hätten sich die Vorzeichen gewandelt, so Dubrau. Für Pendler habe das neue Verkehrsangebot schnellere Wege zum Job mit sich gebracht. „Die Erreichbarkeit des Oberzentrums hat sich durch die S-Bahn für viele Grundzentren deutlich verbessert.“ Auch dies müsse bei der Fortschreibung des Regionalplanes berücksichtigt werden, fordert Leipzig. Mit Blick auf die begrenzten öffentlichen Mittel möchte die Metropole auch einen Ausgleich zwischen dem „extrem wachsenden Oberzentrum mit einer deutlichen Versorgungslücke bei Schulen, Kitas und anderen sozialen Einrichtungen und ländlichen Räumen mit teilweise deutlichen Überkapazitäten“ hergestellt wissen.

Das letzte Wort in dem umfangreichen Verfahren ist noch nicht gesprochen. Nächste Pflöcke sollen Ende Oktober zur Verbandsversammlung in Neukieritzsch eingeschlagen werden. Dann will der RPV den Beteiligungsentwurf des Regionalplans zur weiteren Anhörung freigeben. Von November bis Januar 2018 ist die öffentliche Auslegung, im September 2018 der Satzungsbeschluss geplant.

Von Simone Prenzel

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