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Borna Brandstiftung: Gericht verhängt Geldstrafe
Region Borna Brandstiftung: Gericht verhängt Geldstrafe
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05:02 18.05.2018
In der Straße „Am Hochhaus“ in Borna hätte es vor elf Monaten zu einem Wohnungsbrand kommen können. Der Fall wurde jetzt vor Gericht verhandelt. Quelle: André Neumann
Borna

Ein strafrechtlich bisher völlig unbescholtener Bornaer stand jetzt wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht. Nach Ansicht eines Gutachters hätte am späten Abend des 24. Juni im vorigen Jahr im Wohngebiet am Hochhaus tatsächlich eine Wohnung in Brand geraten können. Der Fall wurde jetzt am Amtsgericht verhandelt.

„Wir müssen rein, es brennt“

Anja und Thomas S. kamen an dem Abend von einer Gartenparty nach Hause. Sie bemerkten an einem Nachbarblock eine aus einem Fenster im zweiten Stock hängende Decke, die an einem unteren Ende brannte. Die Frau blieb unter den Fenstern an der Rückseite des Hauses stehen, ihr Mann lief nach vorn und traf dort auf einen vor dem Haus sitzenden Bewohner, rief: „Wir müssen rein, es brennt.“

Der Mann, Hafzullah G., ahnte nicht, dass es um seine Wohnung ging. Er betrat sie, ging zu dem Fenster und ließ die Decke, die er zum Trocknen ins Fenster geklemmt hatte, nach unten fallen. Dort trat Anja S. die Flammen aus.

Niemand hat Anzünden der Decke beobachtet

Die juristische Aufarbeitung des Falles erwies sich als schwierig. Angeklagt war Uwe G. Der 54 Jahre alte Verkäufer, der in der unteren Wohnung zu Hause ist, soll die Decke angezündet haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Dabei sei es ihm gleichgültig gewesen, dass auf diese Weise auch die obere Wohnung hätte Feuer fangen und dass Menschen hätten zu Schaden kommen können.

Die Spuren, die die brennende Decke hinterlassen hat, sind an der Fassade auch elf Monate später noch sichtbar. Quelle: André Neumann

Allerdings waren das Paar aus dem Nachbarhaus und Hafzullah G., der seit 18 Jahren in Deutschland lebt, die einzigen Augenzeugen, und keiner von ihnen hat gesehen, wie der Angeklagte die Decke anzündete.

Angeklagter erzählt andere Version

Der präsentierte dem Schöffengericht zudem eine ganz andere Geschichte: An dem Abend sei es laut gewesen wegen einer Veranstaltung auf dem nahen Volksplatz. Er hatte die Fenster geschlossen, zwei Bier getrunken, als er draußen Funken wahr nahm. Er schaute nach und sah die Decke. Gebrannt habe sie ohne Flamme, nur mit Funkenflug.

Uwe G. wollte einen Eimer Wasser holen, nahm dann aber nur ein Messer und schnitt unten ein Stück der Decke ab. Dann lief er wieder in die Küche, wollte jetzt doch das Wasser holen. Auf dem Weg klingelte es an der Tür, S. und der Obermieter standen davor und fragten, warum er nicht lösche, wenn er merkt, dass es brennt. Uwe G. ließ die beiden stehen.

Expertin: Decke brannte auf jeden Fall mit Flamme

Die Feuerwehr wurde nicht gerufen, die Polizei kam erst am nächsten Tag ins Spiel, als Hafzullah G. mit seiner verbrannten Decke zum Revier ging. Eine Kriminaltechnikerin untersuchte die Reste der Decke und bestimmte die Höhen der Fenster.

Fazit: Von unten, außerhalb des Hauses, konnte niemand an die Fleece-Decke heranreichen. Die, wie der Gutachter sagte, nur mit offener Flamme zu entzünden sei, nicht etwa von einem herabfallenden glühenden Zigarettenrest. Und sie brenne auf jeden Fall mit Flamme. Was sich mit der Schilderung von Uwe G. widersprach.

Gericht sieht Schuld als erwiesen an

Das alles reichte dem Gericht, um dessen Schuld als erwiesen anzusehen. Nur der könne die Decke angezündet haben. Rätselhaft blieb das Motiv. Zwar hatte Hafzullah G. gesagt, er habe mit niemandem Probleme, auch mit dem Angeklagten nicht.

Doch das klang aus dessen Mund etwas anders. Dem missfiel das Musizieren seines Obermieters mit der Geige ebenso wie dessen angebliche Angewohnheit, die Hausordnung manchmal nachts zu erledigen. Trotzdem beteuerte er: „Ich habe die Decke nicht angezündet“.

Das Gericht sah das anders. Die Kammer verurteilte Uwe G. zu einer Geldstrafe von 5250 Euro. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

Von André Neumann

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