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Borna Brunnenbau in verseuchter Erde: Pilotprojekt am Chemiewerk gestartet
Region Borna Brunnenbau in verseuchter Erde: Pilotprojekt am Chemiewerk gestartet
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00:36 18.03.2018
Ein Arbeiter in Schutzanzug überwacht die Arbeiten im Schacht von oben. Wie seine Kollegen unten trägt er wegen der giftigen Dämpfe aus dem verseuchten Erdreich eine Atemschutzausrüstung. Quelle: Jens Paul Taubert
Neukieritzsch/Lippendorf/Böhlen

Am Rande der Staatsstraße 71 zwischen Lippendorf und Zwenkau wühlen gerade zwei Industrietaucher in Spezialanzügen und Atemschutzmaske am Fuße eines zwanzig Meter tiefen Betonschachtes im unappetitlichen Schlamm. Unappetitlich deshalb, weil das Erdreich von Öl, Benzol und anderen schädlichen Kohlenwasserstoffverbindungen durchsetzt ist.

Filterbrunnen ist ein Baustein in ökologischem Großprojekt

Seit vorigem Herbst wird hier ein Horizontalfilterbrunnen gebaut. Zusammen mit einer dazugehörigen Grubenwassereinigungsanlage kostet der bis zu zehn Millionen Euro. Es handelt sich um ein Pilotprojekt innerhalb des sogenannten Ökologischen Großprojektes (ÖGP) am Standort des Chemiewerkes Böhlen des Konzerns Dow.

Hintergrund: Im Erdreich unter dem Gelände des Chemiewerkes lagern in mehreren Blasen die giftigen Hinterlassenschaften der chemischen Produktion aus der Zeit der DDR und davor. Es wird von rund 4000 Kubikmetern ausgegangen. Gefährlich daran ist, dass sich die Substanzen mit dem Grundwasser bewegen. Weil das Areal bebaut ist, ist ein Bodenaustausch nicht denkbar. „Das ist nicht sanierbar“, sagte Jürgen Bunk vom sächsischen Umweltministerium am Donnerstag bei einer öffentlichen Vorstellung der Baustelle. Der Freistaat Sachsen finanziert das ÖGP. Die Umsetzung liegt in den Händen der Dow, die selbst von den Kosten für die Altlasten auf ihrem Gelände freigestellt ist.

Belastetes Grundwasser wird gestoppt

Deswegen wird derzeit versucht, das Abfließen des belasteten Grundwassers in schützenswerte Regionen zu verhindern. Im Südwesten ist das der Tagebau Peres, aus dem in einigen Jahren ein großer See werden soll.

Der jetzt im Bau befindliche Brunnen wird nach seiner voraussichtlichen Fertigstellung im Sommer in rund zwanzig Meter tiefe zwei je siebzig Meter lange Filterstränge in entgegengesetzte Richtungen haben. Diese sollen in dem feinsandigen Untergrund das Grundwasser aufnehmen. Das wird nach oben gefördert, in der Reinigungsanlage von den chemischen Verunreinigungen befreit und in die Kanalisation geleitet. Die Testphase ist auf zwei Jahre angelegt. Wenn alles wie erhofft funktioniert, werden noch zwei weitere Brunnen gebaut, die dann den gesamten Grundwasserstrom in dieser Richtung erfassen würden.

20 Kubikmeter Wasser pro Stunde

Denn sowohl Bunk als auch Fred Richter, seitens der Dow für das ÖGP zuständig, und Kreisumweltamtsleiter Lutz Bergmann machten deutlich, dass es sich um einen Versuch handele. Noch sei nicht sicher, sagte Richter, ob man mit dem Brunnen die erhofften bis zu 20 Kubikmeter Wasser je Stunde aus der Erde holen werde. Einzig Oberbauleiter Thomas Daffner sagte auf der Baustelle, der man äußerlich weder ihre Dimension noch ihre Bedeutung ansieht: „Eigentlich sind wir sicher, dass es funktioniert“. Richter sprach von einer entscheidenden Phase im ÖGP.

Und wenn nicht? Die Frage stellte Thomas Hellriegel (CDU), der Bürgermeister der Gemeinde Neukieritzsch, auf deren Gemarkung der Tagbau beziehungsweise der spätere See liegt. Dann müsse man über Alternativen nachdenken, sagte Bunk. Als Möglichkeiten brachte der Mann vom Umweltministerium eine totale unterirdische Abriegelung des Grundwasserstroms durch Spundwände ins Spiel, aber auch die Sperrung des künftigen Sees, „vielleicht für hundert Jahre“.

Womit auch die zeitlichen Dimensionen genannt waren, in denen man beim ÖGP denken muss. Über die finanziellen kann heute noch keiner etwas sagen.

Von André Neumann

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