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Buchläden auf dem Land: Wohlfühlatmosphäre statt Onlineriese

Buchhändler Buchläden auf dem Land: Wohlfühlatmosphäre statt Onlineriese

Buchhandlungen abseits der Großstädte sind viel mehr, als nur ein wirtschaftlich funktionierendes Geschäft. Sie sind ein Ort zum Verweilen, Austauschen und locken mit interessanten Veranstaltungen.

Die Buchhandlung in Borna hat einen breiten Querschnitt an Literatur.

Quelle: Jens Paul Taubert

Landkreis Landkreis. Als „geistige Tankstellen“ bezeichnete Helmut Schmidt einst die Buchhandlungen. Auch heute wird noch fleißig gelesen, sei es im guten alten Buch oder auf dem elektronischen E-Bookreader. Buchhandlungsketten in den großen Innenstädten und der Onlinehandel bestimmen das Geschäft mit dem geschriebenen Wort. Aber, wer denkt, dass er für ein Buch den Weg in die Großstadt antreten oder den Computer hochfahren muss – weit gefehlt. Auch in den kleinen Städten findet man sie: die gut sortierte Buchhandlung. Inhabergeführt, mit viel Herzblut und Zeit für die individuellen Wünsche des Kunden und immer mit einem persönlichen Lesetipp des Buchhändlers.

„Das schönste am Beruf des Buchhändlers, ist die Möglichkeit, den Kunden vor Ort zu beraten, ein Gefühl für seine Interessen zu bekommen und ihm das perfekte Buch zu empfehlen“, sagt Juliane Tempel. Die 36-Jährige führt seit drei Jahren ihre eigene Buchhandlung in der Jacobsgasse 25 in Wurzen. Vom Kinderbuch bis zum Reiseführer findet man im „Buchstabentempel“ alles, was das Herz einer Leseratte begehrt. Ähnlich formuliert es Marlies Uhde von der Buchhandlung „Bücherwurm“ in Grimma. „Eine gewisse Portion Empathie und eine feine Nase, muss ich als Buchhändlerin haben, dann finde ich das richtige Buch für jeden.“ Seit 1978 arbeitet sie als Buchhändlerin, seit 1995 führt sie den eigenen Laden.

Wer sein Buch lieber online bestellt, weil es dort schneller geht, ist ebenso gut in der örtlichen Buchhandlung aufgehoben: Heute bestellt, morgen abholbereit, ist das Motto aller Geschäfte. „Bücher können bei uns im Laden oder über unsere Internetseite bestellt und schon am nächsten Tag abgeholt werden. Alternativ kann es natürlich auch per Post nach Hause geschickt werden“, erklärt Fanny Eberhardt von „Die Buchhandlung Borna“. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Elke Kämpfner leitet sie das Geschäft seit drei Jahren. Weswegen viele Leute auch auf die Bestellung beim unpersönlichen Versandhändler zurückgreifen, sei die Annahme, dort Geld zu sparen. Aber: Bücher unterliegen in Deutschland der Buchpreisbindung. „Ein Buch kostet immer gleich viel, egal wo man es kauft. Nur der Verlag hat die Möglichkeit den Preis zu ändern.“ Wenn ein Titel günstiger ist, handelt es sich meistens um eine ältere Auflage oder ein Mängelexemplar.

Beide Frauen blicken bereits auf eine 20- und 30-jährige Karriere im Buchhandel zurück und wissen: Gelesen wird immer. „Auch wenn unsere Kunden meist ab Mitte 50 aufwärts sind, gibt es vor allem viele Kinder und Jugendliche, die die Nase in die schöne Literatur stecken.“ Diesen Eindruck teilt auch Uhde aus Grimma. „Die 20- bis 30-Jährigen greifen weniger zum Buch. Die Leute ab 40 Jahren sind lesefreudiger.“

Welche Herausforderungen sind es, die man als Buchhändler auf dem Lande bewältigen muss? „Der Einzelhandel in ländlichen Städten hat es immer schwerer“, so Uhde. „Aber, neben ihrem Dasein als wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen, ist eine Buchhandlung auch immer ein Ort des kulturellen und kreativen Austauschs.“ So würden Buchläden das ländliche Leben ebenso bereichern, wie etwa die Bibliothek, Schwimmhalle oder Kino. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, organisieren die Buchhandlungen in Grimma, Wurzen und Borna regelmäßig Veranstaltungen. „Gemeinsam mit der örtlichen Bibliothek organisiere ich Lesungen, zum Welttag des Buches lade ich regelmäßig Schulklassen zu mir in den Laden ein“, so Tempel aus Wurzen. Eberhardt und Kämpfner aus Borna locken mit Lesungen bekannter Autoren, bestücken zweimal im Jahr einen Büchertisch beim Kirchenkaffee. „Die Veranstaltungen sind immer ausverkauft“, freut sich Kämpfner über den Zulauf. „Für die Leute muss es meistens gar nicht der Lieblingsautor sein, der zu einer Lesung kommt – der Besuch einer ansprechenden Veranstaltung steht für die meisten im Vordergrund“, so ihre Kollegin Eberhardt weiter. Dabei dreht es sich nicht immer nur alles um Literatur. Am 27. Oktober etwa präsentiert die Autorin Regina Röhner „Die besten Rezepte aus dem Erzgebirge“, nebst Live-Kochen und Kostproben.

Im Bücherwurm bei Marlies Uhde in Grimma ist auf dem Veranstaltungskalender auch einiges los: „Sechs mal im Jahr gibt es bei uns in der Buchhandlung einen Leseabend. Mal kommen Autoren zu Gast, an anderen Abenden stellen wir von der Buchhandlung unsere Lieblingsbücher vor.“ Der nächste Termin steht am 4. November ins Haus: Ein Abend um Rainer Maria Rilke, mit Musik und Lesung.

Von Tatjana Kulpa

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