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Bürgerinitiative Pro Pödelwitz fordert Aufschub für weiteren Tagebau

Offener Brief Bürgerinitiative Pro Pödelwitz fordert Aufschub für weiteren Tagebau

Der Kampf für den Erhalt des Groitzscher Ortsteils Pödelwitz geht weiter. Die Bürgerinitiative und zahlreiche Umweltverbände fordern in einem offenen Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und das Unternehmen Mibrag ein Moratorium, also einen Aufschub der Erweiterung von Braunkohletagebauen.

Blick in den Tagebau Schleenhain, der immer näher an die Ortschaft Pödelwitz heran rückt. Im Hintergrund ist neben dem Bagger die Kirche zu sehen.

Quelle: Andreas Döring

Groitzsch/Pödelwitz. Die Bürgerinitiative (BI) Pro Pödelwitz gibt nicht auf – und ruft zur nächsten Aktion. Am kommenden Sonntag wird es in dem Groitzscher Ortsteil gemeinsam mit Umweltverbänden eine Protestveranstaltung geben. Dem ist bereits ein offener Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) und an die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) vorausgegangen. In diesem fordern zahlreiche Umweltschützer und Kohlegegner ein Moratorium, also einen Aufschub der Erweiterung von Braunkohletagebauen.

Hintergrund dieser Forderung sei das Vorgehen des Unternehmens, wie Jens Hausner, Sprecher der Bürgerinitiative, erklärt. „Der Prozess, der derzeit in Pödelwitz durch die Mibrag in Gang gesetzt wird oder schon in Gang gesetzt wurde – massenhafter Ankauf von Grundstücken, Nutzungsaufgabe von Wohnhäusern, Verfall, Eingriff in Baustrukturen und auch Gebäudeabrisse zum Zwecke des Kohleabbaus – stellt bereits den Anfang eines Eingriffes in die Grundrechte derjenigen dar, die bleiben wollen – und das, obwohl nicht einmal ein Abbaurecht besteht“, macht er deutlich.

Felix Ekardt, Landesvorsitzender des BUND Sachsen, ergänzt, dass die Mibrag mittlerweile gar Gas- und Stromleitungen gekappt und Löcher in denkmalgeschützte Häuser gebohrt haben soll, um weiter Druck auf die 33 Bewohner auszuüben, die im Dorf bleiben wollen. Das wiederum bestreitet die Mibrag. „Wir sichern derzeit lediglich die von uns gekauften Häuser“, sagt Elke Hagenau, Sprecherin des Unternehmens.

Hausner und sämtliche Mitstreiter betonen in ihrem offenen Brief, dass Pödelwitz gemäß des sächsischen Heuersdorf-Gesetzes geschützt sein sollte. Der Braunkohleplanung musste seit dem Wegbaggern von Heuersdorf das gleichnamige Gesetz zugrunde gelegt werden, das auf mehreren Gutachten basiert. Ein Gutachten davon stellt klar, dass für die Versorgung des Kraftwerks Lippendorf Pödelwitz nicht gebraucht werde.

Die BI und die Umweltverbände kämpfen aber nicht nur für den Erhalt von Pödelwitz, sondern auch um den des Groitzscher Ortsteils Obertitz. Auch der steht bei der Mibrag für den Abbau weiterer Kohlevorkommen im Fokus. „Durch das Vorgehen der Mibrag werden Tatsachen geschaffen, die ein lebensfähiges Fortbestehen der beiden Dörfer massiv gefährden“, kritisieren BI und Umweltschützer in ihrem offenen Brief. Daher werden die verbliebenen Einwohner von Pödelwitz gegen den zu erwartenden Plan vor Gericht ziehen.

Ein Mitstreiter der BI ist die Klima-Allianz Deutschland. Auch die legt ihr Veto gegen die Pläne der Mibrag ein und fordert das Moratorium für alle weiteren Vorbereitungen zur Tagebauerweiterung. „Für fragwürdige Abbaupläne darf kein Haus mehr abgerissen werden. Die Menschen haben ein Anrecht auf den Verbleib in ihren Häusern und eine lebenswerte Heimat“, sagt Klaus Breyer, Vertreter der Kirchen im Sprecherrat der Klima-Allianz.

Sämtliche Unterzeichner des Briefes – unter ihnen auch Greenpeace, Robin Wood, WWF Deutschland und der NABU – stellen darin die Forderungen an die Mibrag auf, die Gebäude in Pödelwitz zu erhalten, keine weitere Infrastruktur zu zerstören, die Lebensqualität im Dorf nicht zu beeinträchtigen sowie „weitere Umsiedlungsanbahnungen zu unterlassen“. Hintergrund der Forderungen seien der längst beschlossene Kohleausstieg und der von der Bundesregierung verabschiedete Klimaschutzplan 2015, der ein Ziel der Kohlenstoffdioxid-Reduktion für die Energiewirtschaft festlege, das jedoch ohne das Abschalten von Kohlekraftwerken nicht zu erreichen sei.

Bei dem Brief wollen es die Pödelwitz-Befürworter aber nicht belassen. Vielmehr rufen sie am Sonntag zu einem Treffen in dem Ort auf, um während eines Gottesdienstes in der Dorfkirche über den Inhalt des geforderten Moratoriums zu informieren und gegen die geplante Abbaggerung zu protestieren. Beginn ist um 11 Uhr.

Von Julia Tonne

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