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Borna Bürgerinitiative will um Pödelwitz kämpfen
Region Borna Bürgerinitiative will um Pödelwitz kämpfen
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16:26 19.05.2015
Das mehr als 700 Jahre alte Pödelwitz: Eine Bürgerinitiative will für den Erhalt des Dorfes kämpfen. Quelle: Günther Hunger

Nun, acht Monate nach der Unterzeichnung des Umsiedlungsvertrages, stand am Donnerstagabend zur Groitzscher Stadtratssitzung Thilo Kraneis auf, stellte sich als Vertreter der Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" vor und sagte: "Wir kämpfen für den Erhalt unseres Ortes." Ein Grundsatzurteil soll dabei helfen.

Thilo Kraneis, Jahrgang 1966, ist in Droßdorf aufgewachsen - und musste schon einmal mit seiner Familie den Kohlebaggern weichen. Als Jugendlicher kam er nach Pödelwitz, schuftete und schwitzte mit beim Hausbau. Der Ort sei heute für ihn Heimat und das "schönste Dorf". Hier wolle er alt werden. Gemeinsam mit Jens Hausner und Andre Kremkow initiierte er die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz", deren Position etwa sieben Haushalte im Dorf vertreten, so Kraneis. Er rechtfertigt die lange Zurückhaltung: "Uns war immer wichtig zu sagen, wer umziehen will, soll das tun. Wenn wir früher mit unserer Meinung an die Öffentlichkeit gegangen wären, hätte dies eine Wahnsinnsunruhe ins Dorf gebracht. Jetzt ist alles gegessen." Wie berichtet, sprachen sich 80 Prozent der 130 Pödelwitzer für eine Umsiedlung aus, die derzeit vorbereitet wird.

Zudem habe man in der Zwischenzeit Fakten sammeln, Pläne schmieden und Anwälte konsultieren können, so Kraneis. Eine Klage werde nicht vorbereitet: "Wir haben ja noch nichts, wogegen wir klagen können." Der aktuelle Stand sei so, dass die Umsiedler nach und nach das Dorf verlassen und allein die Bleibewilligen in Pödelwitz leben werden. Im Raum stehe nach wie vor die Formulierung "freiwillige Umsiedlung". Auch mit dem Grundabtretungsverfahren haben sich die Bleibenden beschäftigt. Dies stellt laut Experten eine Enteignung im Sinne des Artikels 14, Absatz 3, des Grundgesetzes dar. "Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig", steht dort. Rückenwind erwarten die Pödelwitzer jetzt von einem Grundsatzurteil. Das Verfassungsgericht entscheidet im Herbst darüber, ob Grundeigentümer künftig beim Braunkohletagebau besser geschützt werden müssen. Der Frankfurter Anwalt Dirk Teßmer sagte dazu im Nachrichtenmagazin Spiegel: "Rechtsschutz gibt es nur unter extrem erschwerten Bedingungen und erst dann, wenn bereits Fakten geschaffen sind und die Umsiedlungen schon laufen - die meisten Betroffenen geben dann irgendwann entkräftet auf."

Es gebe eine Menge Dinge, welche der Bürgerinitiative fragwürdig erscheinen. Zum Beispiel, warum das Oberbergamt Betriebspläne zum Lärm- und Staubschutz für Pödelwitz genehmigt, die Mibrag aber dann als Argument für die Devastierung anbringt, dass die Belastungen "unzumutbar" seien. Oder warum der Ort überbaggert werden soll, wenn doch die Versorgung des Kraftwerkes Lippendorf mit Kohle über seine gesamte Laufzeit bis 2040 abgesichert ist - auch ohne Pödelwitz. Thilo Kraneis: "Wir sehen nicht ein, dass unsere Gegend, die ohnehin schon gelitten hat, weiter umgegraben wird und wir unsere Heimat verlieren, nur damit der Strom irgendwohin verkauft wird." In Zeiten der Energiewende sei dies alles ohnehin fragwürdig. Die Stadt Groitzsch, die in den nächsten Jahrzehnten ein Fünftel ihrer Gemarkung an die Kohle verlieren soll, müsse die Entwicklung besonders aufmerksam verfolgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.07.2013

Claudia Carell-Domröse

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