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Bundestagskandidaten diskutieren im Bornaer Stadtkulturhaus

Die Zukunft der Kohle Bundestagskandidaten diskutieren im Bornaer Stadtkulturhaus

Es war kein harter Schlagabtausch, aber die Unterschiede wurden beim Wahlforum von DGB und Verdi schon deutlich. Etwa beim Thema Braunkohle, aus der Linke und Grüne schnell raus wollen, während CDU und SPD davor warnen.

Wahlforum zur Bundestagswahl im Stadtkulturhaus Borna. Gerd Lippold, B90/Die Grünen; Katharina Landgraf, CDU; Erik Wolf, Moderation, DGB Leipzig-Nordsachsen; Markus Bergforth, SPD und Dr. Axel Troost, Die Linke (v.l.n.r.).

Quelle: Andreas Döring

Borna. Etwa anderthalb Dutzend Besucher waren gekommen, als der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vorgestern Abend ins Bornaer Stadtkulturhaus zu einem Forum mit den Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September im Landkreis Leipzig eingeladen hatte. Dabei diskutierten unter Leitung von Erik Wolf, Geschäftsführer des DGB Leipzig-Nordsachsen, die CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf, der Linken-Bundestagsabgeordnete Axel Troost, SPD-Kandidat Markus Bergforth und Gerd Lippold, der für die Grünen im sächsischen Landtag sitzt. Nicht mit von der Partie war die FDP-Kandidatin Katja Tavernaro, die ebenfalls eingeladen war, sowie Lars Hermann (AfD), der nicht eingeladen war. In der Runde ging es vor allem um Arbeitszeit und Leiharbeit sowie den Personalmangel in der Pflege, aber auch um das Ende der Kohle.

Thema Leiharbeit und Arbeitszeit: „Leiharbeit finde ich total ungerecht“, sagte Landgraf. Sie habe sich dafür eingesetzt, dass für alle Beschäftigte in einem Betrieb der gleiche Lohn gezahlt wird. Ob es hier eine Verbesserung gibt, „kann ich auch nicht versprechen“. Bergforth findet, „dass Thema muss angegangen werden“. Eine Lösung seien vielleicht Arbeitszeitmodelle mit einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden. Lippold: „Es geht nicht um 30 oder 40 Wochenstunden.“ Die Arbeitszeitmodelle müssten sich der Lebenswirklichkeit der Menschen anpassen. Troost („Leiharbeit ist ein Skandal.“) verlangt eine rigorose Begrenzung der Leiharbeit „auf wirkliche Ausnahmefälle“. Seine Vision: eine kurze Wochenarbeitszeit von 30 Stunden für alle.

Die Zukunft der Braunkohle: Die sehen Troost und Lippold nicht. Für Troost „eine Brückentechnologie, mit der 2030 Schluss sein muss“. Lippold: „Wir reden von 700 Arbeitsplätzen in Sachsen“, die Mibrag wisse längst vom beschlossenen Ende der Kohle und müsse ein neues Geschäftsmodell entwickeln – etwa durch die Renaturierung der Bergbaufolgelandschaften. Ganz anders Landgraf und Bergforth. „Wir werden die Kohle noch lange für die Grundlast brauchen“, sagt die CDU-Frau. Und weiter: „Damit ist 2030 noch nicht Schluss.“ Bergforth: „Wir reden von 40 Prozent der Versorgung, ohne Kohle wird das nicht gehen.“ Ein schneller Ausstieg wäre auch für die Industrie problematisch.

Fehlende Kräfte in Pflege, Polizei und öffentlichem Dienst: „Wir haben ein Riesendefizit“ – etwa bei Fachkräften in der Pflege, sagt Troost. Jobs in der Pflege müssten attraktiver und besser bezahlt werden, sagt Lippold. Landgraf sieht im Personalabbau bei Polizei und Lehrern einen Fehler („Wir haben eingesehen, dass das so nicht geht.“). Geld für neue Leute sei da, „es dauert aber, bis die ausgebildet sind“. Bergforth macht sich für einen besseren Betreuungsschlüssel für Beschäftigte in der Pflege wie bei der Kinderbetreuung stark.

Absenkung des Wahlalters: „Wir wollen ein Wahlalter ab 16 – und zwar sofort“, erklärt Troost. „Das werden wir irgendwann erleben“, sagt Bergforth. Auch Lippold ist dafür, denn: „Die Jugendlichen sind von den Entscheidungen der Politik betroffen.“ Nur Landgraf ist dagegen und findet, die jungen Leute sollten zunächst einmal besser informiert sein.

Wunschkoalition nach der Wahl: „Die Zeit ist reif für Rot-Grün“, sagt Lippold. Landgraf bleibt im Ungefähren. „Ich habe Koalitionen sowohl mit der FDP als auch mit der SPD erlebt.“ Immerhin: „In der Familienpolitik ging es mit der SPD gut.“ Bergforth: „Mir ist die Partei am liebsten, mit der wir die meisten SPD-Ziele umsetzen können.“ Troost ist ein erklärter Anhänger von Rot-Rot-Grün, „ aber wenn ich die Antworten hier höre, dann wird das nichts mit denen“.

Weitere Wahlforen des Deutschen Gewerkschaftsbundes und von Verdi gibt es am Montag, 7. September, im Grimmaer Ratssaal sowie am beim NDK am Domplatz 5 in Wurzen. Beide Veranstaltungen beginnen 18 Uhr.

Von Nikos Natsidis

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