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Bunte Vielfalt beim 22. Töpfermarkt in Kohren-Sahlis

Bunte Vielfalt beim 22. Töpfermarkt in Kohren-Sahlis

Kohren-Sahlis. Traditionelle Handwerkskunst und Kaiserwetter: Der 22. Töpfermarkt in Kohren-Sahlis, der am Sonnabend und Sonntag auf dem bunt geschmückten Marktplatz der Töpferstadt zu erleben war, wurde erneut ein Besuchermagnet.

tadt zu erleben war, wurde erneut ein Besuchermagnet. Mehrere Tausend Gäste folgten der Einladung des Kohrener Töpfermarkt-Vereins, um zu schauen und zu kaufen.

Große Vasen und Blumentöpfe, Windspiele und Gefäße aller Art, Trinkbecher und jede Menge Zierde für Haus, Hof und Garten: Die Stände auf beiden Seiten des schönen Feuerriegel-Brunnens waren eine Augenweide. Drei Dutzend Aussteller mit jeweils eigenem Stil zeigten eine Auswahl ihrer Produkte, die im Normalfall fernab der Öffentlichkeit entstehen. "Wir fahren zum Kunden, in die Werkstatt kommt kaum jemand", sagt Eva Hermann aus dem thüringischen Plottendorf. Nahezu jedes Wochenende ist sie unterwegs. Ihr Stand von Hase-Dietz-Keramik ist von Anfang an dabei und präsentiert vor allem viele Figuren für den Garten, Vogeltränken, Eulen - im Moment übrigens sehr angesagt - Frösche... Individuelle Wünsche der Kunden würden vermerkt und umgesetzt. "Es macht ja Spaß", betont sie.

Ein für die Sommerzeit recht praktisches Stück bietet das Töpferhaus Arnold aus Kohren-Sahlis, eine der ältesten Töpfereien Deutschlands, neu in dieser Saison an: die Obstfliegenfalle. Das Gefäß sei momentan der Renner, erzählt Mitarbeiterin Kerstin Andrä. Es wird mit Wasser, etwas Apfelessig und drei Tropfen Spülmittel gefüllt - eine Mixtur, die Fliegen anzieht. "Es funktioniert super", auch bei anderen Insekten. Außerdem entsteht in der 1548 gegründeten Töpferei Gebrauchskeramik, etwa im klassischen Kohrener Blau-Weiß.

Einblicke in die Herstellung der handgemachten Keramik waren Besuchern gleich mehrfach möglich. Jean-Christophe Watt, ein Franzose, der seit zwei Jahren auf dem Gut Heinicke im Ortsteil Jahnshain zu Hause ist, zeigte an der Scheibe, wie das Handwerk funktioniert. Damit ohne Maß beispielsweise gleichgroße Becher entstehen, wird der Ton vorher gewogen. Über die Jahre habe er es "im Gefühl", erzählte er nach rund 20 Jahren Erfahrung in seinem Traumberuf. Watt stellte Waren aus, die in einem japanischen Holzofen vollendet wurden: Steingut und Porzellan mit Sodaglasur. Bei 1350 Grad werde jedes Stück anders, erklärte der Mann aus dem Elsass. Eine zweite Scheibe war am Stand der Töpferei von Gundula Müller gleich eingangs des Marktes in Betrieb. Bei ihr waren besonders Produkte in der Farbe vulkanrot gefragt.

Praktische Einblicke in seine Arbeit gewährte auch der Tscheche Michal Plihal. Er bedient sich bei der Herstellung seiner Unikate der Raku-Technik - ein japanisches Brennverfahren, bei der die noch glühende Keramik aus dem Ofen entnommen und in Sägespäne oder Sand reduziert wird. Jedes Stück wird ein Original - Rosshaar hinterlässt beispielsweise Linien auf den Stein-Produkten. Plihal war das zweite Mal beim Kohrener Markt, diesmal mit dem Ofen.

Inspiration trieb die Zeitzerin Katrin Tottermusch auf den Töpfermarkt. Sie war auf der Suche nach Dekoration, kaufte unter anderem eine Glocke für den Garten, einen schwimmenden Frosch für den Teich und ein Windspiel. Die Entscheidung für letzteres fiel ihr ob der Auswahl gar nicht leicht - Marcel Reiß von der gleichnamigen Töpferei seiner Eltern in Bad Kissingen bot allein etliche Windspiele an. Sie seien sturm- und wintersicher, versicherte der Aussteller.

Familie Lißner aus Chemnitz kam bei ihrem ersten Besuch in Kohren-Sahlis auf den Geschmack. Der schöne Mix verschiedener Designs und Produkte sei toll. "Der Besuch erspart das Laufen von Geschäft zu Geschäft", freute sich Christina Lißner, die mit Tochter Marie-Louise und Ehemann Frank gekommen war. Sie bummelten, kauften das eine oder andere Stück und nahmen auch an der traditionellen Stadtführung mit Kirchenbesuch und Orgelvorstellung teil, die durch die "Kohrener Geschichtsfreunde" angeboten wurde. In bewährter Weise wurde der Töpfermarkt kulturell umrahmt. Zu den Akteuren auf der Festbühne gehörten unter anderem die Tänzerinnen der "Kohrener Kulturfreunde", Kinder aus der Kita "Turmspatzen", der Posaunenchor. Höhepunkt am Nachmittag: die Aufführung des Märchens "Die zertanzten Schuhe" durch Kinder der Kohren-Sahliser Grundschule. Seit 20 Jahren bereichern sie mit einem Märchen das bunte Markttreiben. "Das ist eine große Leistung von den Kindern, Lehrern und Eltern", sagte Gundula Müller, Vorsitzende des Kohrener Töpfermarkt-Vereins. Um diese Arbeit zu würdigen, wurde erstmals der Kohrener Töpfermarktbrunnen-Preis vergeben. Zwölf Aussteller hatten eigens dafür Kunstwerke geschaffen, die im Töpfermuseum bewertet wurden. 355 Besucher stimmten ab: Der erste Preis ging an das Töpferhaus Arnold (Rapunzel), der zweite an Brigitte und Peter Schliebner (Bremer Stadtmusikanten) und der dritte an Petra Sporbert vom Märchengarten Gnandstein für das entworfene Theater.

Vereins-Chefin Müller freute sich über den großen Erfolg des Marktes und dankte "allen, die mitgemacht haben." Ohne die vielen Helfer wäre er nicht möglich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.06.2014
Saskia Grätz

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