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Borna Cannabis per Rezept ist Gesetz: Hausärzte wissen aber nicht, wie das funktionieren soll
Region Borna Cannabis per Rezept ist Gesetz: Hausärzte wissen aber nicht, wie das funktionieren soll
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00:18 06.03.2017
Seit diesem Monat können Ärzte Cannabis offiziell als Medikament verschreiben. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Seit diesem Monat greift das neue Gesetz: Mediziner dürfen Cannabis per Rezept verschreiben. Es gibt allerdings ein großes Problem. Den Ärzten hat niemand gesagt, wie das konkret funktionieren soll.

Das meint zumindest Allgemeinmediziner Lothar Ritter aus Borna. Drei Seiten im Deutschen Ärzteblatt (Nummer 8 von Februar) seien alles, was man bislang darüber weiß. „Und das ist auch noch völlig unkonkret“, kritisierte der 59-Jährige. So schreibt zum Beispiel das Ärzteblatt zur Frage, welchen Patienten Cannabis verordnet werden kann: „Im Gesetz wurde ausdrücklich darauf verzichtet, einzelne Indikationen aufzuführen.“ Weiter heißt es dort, dass „bis heute unbekannt ist, bei welchen Erkrankungen oder Symptomen Cannabis indiziert ist“. Es werde „allgemein angenommen, dass Cannabis ein sehr breites therapeutisches Spektrum hat“. Derzeit gebe es 13 verfügbare Sorten dieser Pflanze, die zum Teil unterschiedliche Wirkung haben. Hausarzt Ritter grübelt mit Recht. „Ich weiß gar nicht, was ich rezeptieren soll, weil ich nicht weiß, was wie am besten hilft“, sagte er.

Mit seiner Meinung steht er nicht allein da. „Wir sind zwar der Sache gegenüber aufgeschlossen, bestimmte Patienten mit Cannabis zu behandeln, aber wir wissen nicht wie“, meinte Michaela Jerusel, Allgemeinmedizinerin in Kitzscher. Auch sie sei mit der Veröffentlichung im Ärzteblatt nicht glücklich, „das Ganze ist ungeschickt“. Patienten würden schon geraume Zeit nach Cannabis per Rezept fragen, doch sie sagt ihnen auch nach Inkrafttreten des Gesetzes jetzt im März, dass dies derzeit nicht möglich ist, weil keinerlei konkrete gesetzlichen Vorschriften auf dem Tisch liegen. Ähnliches berichteten Mediziner aus dem Muldental.

Ratlosigkeit zum Thema herrschte auch am Mittwochabend beim Ärzte-Stammtisch in Borna, sagte Lothar Ritter. „Die Kollegen waren zudem überwiegend der Meinung, dass es besser gewesen wäre, die Zulassung nur für Schmerzmediziner festzulegen“, meinte er. Viele dieser Experten arbeiten schon länger mit Medikamenten auf Cannabis-Basis. Obwohl schwieriger in der Antragstellung und nur bei ganz bestimmten Krankheitsbildern: Möglich war das bisher auch schon.

Generell wären frühzeitige Informationen und spezielle Schulungen für die Hausärzte nötig gewesen, findet Ritter. Auch für die Apotheken. Er sei mit Apothekern ins Gespräch gekommen, „sie wissen auch noch nicht, wie das alles gehen soll, dort ist von Weiterbildungen im Juni die Rede“. Zudem sieht er zusätzliche Arbeit auf die Allgemeinmediziner zukommen. Jedes Cannabis-Rezept müsse vorab von der Krankenkasse genehmigt werden – mehr Schreibkram sei vorprogrammiert.

Lothar Ritter behandelt seit Jahrzehnten auch Drogenabhängige, engagiert sich im Suchtarbeitskreis in Borna. Daher weiß er, dass mehr als die Hälfte der Suchtkranken Depression oder ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) haben. Dies könnte jetzt theoretisch mit Cannabis therapiert werden. Der Hausarzt macht sich darüber Gedanken, was er Jugendlichen mit ADHS sagt, wenn sie das spezielle Rezept haben möchten. Denn: „Das ist der Einstieg in härtere Drogen. Cannabis nehmen die meisten etwa ein halbes Jahr, dann wollen sie was Stärkeres.“ Bei bestimmten Patienten habe es sicher Sinn, das Medikament zu verschreiben, aber nicht bei jedem mit Depression oder Hyperaktivität.

Auch der Suchtarbeitskreis sei für die Cannabis-Behandlung von bestimmten chronisch Kranken, „aber wir sind strikt gegen die völlige Freigabe, die es bereits in einigen Ländern gibt“, sagte der Bornaer. Das würde bedeuten, dass jeder Hanf anpflanzen darf oder die Blüten wo auch immer legal kaufen kann. In Deutschland wird das Thema nach wie vor diskutiert.

Von Claudia Carell

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