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DaZ-Klasse: Böhlen setzt auf interaktiven Unterricht

Deutsch als Zweitsprache DaZ-Klasse: Böhlen setzt auf interaktiven Unterricht

Wo drückt in den DaZ-Klassen der Schuh? Das wollte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bei einem Besuch an der Oberschule und dem Beruflichen Schulzentrum in Böhlen erfahren.

Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bei einem früheren Besuch einer DaZ-Klasse.

Quelle: André Kempner /Archiv

Böhlen. 533 DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) gibt es derzeit in Sachsen. Auch an der Oberschule Böhlen lernen derzeit 46 Kinder mit einem Migrationshintergrund. Während 23 bereits in den Klassen integriert sind und auch Zensuren bekommen, lernt die andere Hälfte die ersten Brocken Deutsch. „Mit der Aufnahme der neuen Mitschüler haben wir gute Erfahrungen gemacht“, schildert Schulleiterin Kerstin Hensel bei einem Besuch gegenüber Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD), die neben der Oberschule auch das Berufliche Schulzentrum besuchte.

Schüler aus elf Nationen in einer Klasse

Wichtig sei eine frühzeitige Einbindung aller Beteiligten gewesen, erzählt die Schulleiterin. „Wir haben zum Beispiel auch die Eltern der deutschen Kinder vorab über die Veränderungen informiert, so dass sich niemand überrollt fühlte.“ Für die Lehrkräfte habe es außerdem einen pädagogischen Tag gegeben. An der Oberschule Böhlen lernen derzeit insgesamt 357 Kinder.

Die Herausforderung, auf Schüler aus elf Nationalitäten einzugehen, meistert in Böhlen hauptsächlich DaZ-Lehrerin Ilona Hesse. „Die Erfahrungen der Schüler, auch die kulturellen Hintergründe sind äußerst verschieden“, macht die ausgebildete Lehrkraft für Russisch und Geschichte deutlich, die in Bulgarien schon deutsche Kinder an einer Botschaftsschule unterrichtet hat. „Derzeit haben wir Kinder aus Kasachstan, Tschechien, Polen, Afghanistan, Pakistan, China, Syrien, Irak, Griechenland, dem Kosovo und demnächst einen Jungen aus Albanien bei uns.“ Das babylonische Sprachgewirr setzt sich unter anderem aus Arabisch, Urdu, Griechisch, Roma, Polnisch und Chinesisch zusammen. Einige Kinder müssen erst alphabetisiert, sprich: mit den lateinischen Schriftzeichen vertraut gemacht werden.

In Lerngruppen helfen Stärkere den Schwächeren

„Von Anfang an hat sich die Schule mit großem Engagement dem Thema gestellt“, bestätigt auch der Böhlener Bürgermeister Dietmar Berndt (parteilos), dessen Kommune auch optimale räumliche Voraussetzungen geschaffen hat. Laut Schulleiterin Kerstin Hensel stehe der DaZ-Klasse ein spezielles Klassenzimmer zur Verfügung. „Hier kann ich für den Unterricht sehr viele interaktive Möglichkeiten nutzen“, berichtet Ilona Hesse dankbar. Sie arbeite viel mit Audio- und Videotechnik. „Außerdem haben sich Lerngruppen bewährt, in denen den schwächeren Schülern geholfen wird.“ Dass der aus Sachsen-Anhalt stammenden Lehrerin ihre Arbeit Spaß macht, merkt man ihr an. Auch wenn es nicht gerade einfach ist, wenn zum Beispiel irakische Jugendliche nachdrücklich und lautstark ihre Autorität in Frage stellen, weil sie eben eine Frau ist. „Die verwechseln dann gern mal das Klassenzimmer mit dem orientalischen Basar.“

Gleichwohl, so schätzen es die Beteiligten ein, gebe es zumindest in Böhlen keine größeren Konflikte, was auch der ländlichen Umgebung geschuldet sei. „Die Kinder untereinander gehen viel unbefangenerer miteinander um als Erwachsene“, hat Kerstin Hensel zudem beobachtet. Die Sprachbarrieren seien allerdings ein großes Problem – besonders in der Verständigung mit den Eltern der DaZ-Schüler. „Erst kürzlich mussten wir einen Dolmetscher kommen lassen. Dann hat sich auch einiges an Missverständnissen aufgeklärt“, erzählt die Schulleiterin. Wenn Kinder dem Unterricht fern bleiben, werde ebenso wie bei deutschen Schulschwänzern das Landratsamt eingeschaltet. „Hier fehlt uns aber die Rückkoppelung, was aus dem Fall geworden ist und ob es Sanktionen gab.“

Bessere Kommunikation aus Dresden erwünscht

Köpping wurde gebeten, dies als allgemeines Problem mitzunehmen. Fehlende Informationen machen der Schule auch bei Abschiebungen zu schaffen. „ Ein Kind kommt plötzlich nicht mehr, keiner weiß warum und wir können auch Fragen der Mitschüler nicht beantworten.“ Die Ministerin verspricht auch hier, die Frage in Dresden zu klären. Denn dies sei schließlich auch ein emotionales Problem für diejenigen, die mit den ausländischen Schülern gerade noch auf einer Schulbank saßen.

Von Simone Prenzel

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