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Das Heiligtum: Die alte Breunsdorfer Dorfstraße als Fries aus Papier

Ehemaligentreffen Das Heiligtum: Die alte Breunsdorfer Dorfstraße als Fries aus Papier

Nach vier Jahren haben sie ehemalige Bewohner der für die Braunkohle abgebaggerten Orte Breunsdorf und Droßdorf wieder einmal getroffen. Die einstigen Breunsdorfer konnten dabei sogar noch einmal die Fassaden ihrer einstigen Häuser sehen.

Karin Große-Ullmann zeigt Hertha Hunsrucker ein Foto des letzten Treffens ehemaliger Bewohner von Breunsdorf und Droßdorf im Jahr 2012.

Quelle: Roger Dietze

Groitzsch/Großstolpen.

Kommen indes die ehemaligen Breunsdorfer zusammen, dann wird die Erinnerungen in einer ganz besonderen Form visualisiert, nämlich in der eines Frieses, das die Ansichten eines Großteils der Fassaden der Breunsdorfer Dorfstraße um die Zeit kurz nach dem Mauerfall zeigt. „Breunsdorf hatte ja den Charakter eines klassischen Straßendorfes, das sich damit in besonderer Weise für einen solchen Fries anbot“, berichtet Eckhard Landgraf, der das Treffen gemeinsam mit dem ehemaligen Droßdorfer Günter Borschke organisiert.

Dem Umstand indes, dass Landgraf das Fries bei jedem Treffen im Foyer des Großstolpener Kulturhauses aufhängen kann, liegt ein Zufall zugrunde. „Ich habe das Fries bei der Mibrag entdeckt, und für ein Wurschtpaket konnte ich mir damals eine Kopie ziehen“, erzählt der 65-Jährige augenzwinkernd. Ein gutes Geschäft, denn heute stelle der Fries für ihn ein kleines Heiligtum dar.

Zumal die Erinnerungen an die verschwundenen Tagebauorte mit jedem der einstigen Bewohner weiter schwindet, der nicht mehr unter den Lebenden weilt. Denn die Vertreter der jüngeren Generation, die noch in den Dörfern aufgewachsen sind, zeigen kaum noch Interesse an diesem Teil ihrer Biografie.

„Von den sieben Breunsdorfern aus meiner Klasse in der Neukieritzsch Schule bin ich heute der einzige“, bestätigt Landgraf Junior Marco. Und kann es nicht so recht nachvollziehen. „Wir hatten eine schöne Kindheit, waren oft draußen herumräubern, und jeder kannte jeden“, erinnert sich der 37-jährige Vater von zwei kleinen Kindern. „Die beiden werden naturgemäß keine Beziehung mehr zu unserer alten Heimat haben“, sagt er.

Eine alte Heimat, zu der hingegen Hertha Hunsrucker noch eine solch enge Beziehung hat, dass sich die 95-Jährige trotz Gehbeschwerden auch dieses Treffen partout nicht entgehen lassen wollte. „Ich will doch meine alten Dorfbewohner noch einmal sehen“, begründete die rüstige Seniorin ihr Erscheinen. Gut möglich, dass sie dazu auch beim nächsten Treffen noch einmal Gelegenheit haben wird, das laut Günter Borschke nicht erst in vier Jahren stattfinden soll. „Die biologische Uhr tickt, und sie tickt im Alter besonders schnell“, so der 68-Jährige, der die nächste Begegnung nach Möglichkeit bereits in zwei Jahren stattfinden lassen möchte.

Dann werden möglicherweise auch wieder mehr einstige Droßdorfer den Weg nach Großstolpen finden. „In diesem Jahr waren viele aufgrund von Urlaub und Krankheiten verhindert“, berichtet Roland Große-Ullmann, der zwar nach eigener Aussage mit der Zwangsumsiedlung seinen Frieden gemacht hat, aus dessen Worten allerdings noch immer das Unrecht herauszuhören ist, das viele der Betroffenen empfunden haben mögen. „Wir haben für unser Bauerngut gerade mal 42 000 Mark erhalten, die wir uns durch drei teilen mussten“, so der 75-Jährige. „Die Entschädigungsleistungen hatten in Droßdorf ihren Tiefpunkt erreicht.“

Von Roger Dietze

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