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Das Schlimmste überstanden

Das Schlimmste überstanden

Das Schlimmste hat Pegau überstanden. "Der Pegel hält. Es wird etwas entspannter", sagte Mario Ruß von der Technischen Einsatzleitung gestern Nachmittag. Gegen 5 Uhr hatte die Weiße Elster ihren Scheitel am Pegel Kleindalzig mit 5,10 Meter erreicht und danach auf einem hohen Niveau gehalten.

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In der Pegauer Probsteisiedlung steht das Wasser an manchen Stellen knietief.

Quelle: Thomas Kube

Pegau. Die Dämme in Döhlen, Weideroda und Wiederau wurden vorsorglich stabilisiert. Für die Einwohner von Wiederau, Weideroda und Großstorkwitz beginnt heute Tag 3 ihrer Evakuierung. Im Einsatz sind neben Feuerwehren und Rettungsdiensten auch ein Versorgungszug sowie Wasserwagen.

Seit Montagmittag sind Wiederau, Weideroda und Großstorkwitz evakuiert - eine Vorsichtsmaßnahme, falls der Damm brechen sollte. Betroffen ist davon auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf, die auf einem Bauernhof in Großstorkwitz lebt. "Ich bin zurzeit in Berlin und habe überhaupt keine Ruhe mehr. Mein Kopf ist wie zu", sagte sie gestern am Telefon. "Am Montag bin ich schnell nach Hause gefahren. Die Polizei hat mich fünf Minuten ins Haus gelassen, um ein paar Sachen einzupacken. Man steht wie unter Schock: Ich habe Geburtstagskarten eingepackt, die ich noch schreiben will. So was Sinnloses. Erst später habe ich gemerkt, dass ich gar keine Jacke mit hatte..."

Ihre Familie ist vorübergehend bei Freunden in Pegau untergekommen, die Hühner auf dem Hof in Großstorkwitz werden täglich von ihrem Mann Gerhard versorgt, die Pferde laufen frei auf der Koppel. "Wichtige Unterlagen haben wir hoch- und weggeräumt", erzählt die Politikerin, deren Büro in Grimma schon überflutet ist. "Die ganze Situation peitscht einen sehr auf und man entwickelt Szenarien, weil man so vieles schon gesehen hat, gerade damals in Grimma. Was mich am meisten belastet ist, dass ich nicht helfen kann."

Genauso vom Hochwasser betroffen ist der Pegauer Hans Quaas, der seit 25 Jahren einen Garten "An der Gasanstalt" bewirtschaftet. "So lange ich zurückdenken kann, sind wir hier noch nie abgesoffen", erzählt der Rentner, als er gestern nach dem Rechten schaute. Sämtliche Gemüsepflanzen, Blumen und Sträucher standen im Wasser, die Laube war voll- und der Zierfischteich übergelaufen. "Wir können nur abwarten", sagt Hans Quaas. "Dann muss ich erst mal den Teich leer machen, damit die Lehmpampe rausgeht." Sein Gartennachbar Gerhard Mängel (75) hatte indessen Glück: "Wir sind gleich der erste Garten, wir haben kein Wasser."

Wie leer gefegt wirkt auch die Pegauer Probsteisiedlung. Die Weiße Elster hat das Wohngebiet teilweise unter Wasser gesetzt, Gärten, Keller, Garagen und Nebengelasse überspült, so dass alle Einwohner ihre Häuser verlassen mussten. "So hoch wie jetzt stand das Wasser noch nie", meint Andreas Rudolph (59), der mit seiner Frau Karin und seinen Eltern in der Probsteisiedlung 1 wohnt. "Meine Mutter ist 81 Jahre. Sie hat das Hochwasser 1954 mitgemacht und meinte, dass es damals nicht so schlimm war wie jetzt." Vorübergehend sind die vier bei Rudolphs Tochter Ines in Carsdorf untergekommen. "Beim letzten Hochwasser vor zwei Jahren fehlten fünf Zentimeter bis zum Kellerfenster", erinnert sich der Familienvater. "Jetzt ist der Keller vollgelaufen und unsere Heizung abgesoffen. Wir haben keinen Strom und kein Gas. Es ist schlimm, aber was will man machen? Aus meiner Sicht wird zu wenig für den Hochwasserschutz getan. Lieber baut man Flughäfen, Spielwiesen und andere Prestigeobjekte." Ein großes Lob möchte die Familie dagegen an die unermüdlichen Helfer von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Stadtverwaltung loswerden. "Mein Vater ist schwerkrank und braucht eine Sauerstoffversorgung. Als wir raus mussten, haben sie sich so ganz toll um ihn gekümmert - das war einmalig."

Ein einziger See ist derzeit der Klostergarten hinter dem Pegauer Volkshaus. Seit vorgestern sind hier die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bonames aus Frankfurt am Main im Einsatz, die Partnerwehr von Pegau. Unermüdlich füllen sie Sandsäcke und sichern das Volkshaus vor dem ausufernden Elstermühlgraben ab. Darüber hinaus stellten sie zwei Wassersauger im Keller auf. "Wir waren erst vor anderthalb Wochen zum Feuerwehrfest in Pegau zu Gast", berichtet der Wehrführer Michael Seiler, "nun haben wir von der Hochwasserkatastrophe gehört und wollen natürlich helfen." Zu sechst waren die Kameraden angereist.

Auf unbestimmte Zeit unterbrochen wurde das 7. Bildhauer-Pleinair im Klostergarten. "Unsere Zelte haben wir in letzter Minute noch abbauen können", schildert Organisatorin Bärbel Pleß die Situation. "Wann und wie es weitergeht, können wir im Moment nicht sagen, werden aber rechtzeitig informieren. Die für den 8. Juni vorgesehene Übergabeveranstaltung muss damit zunächst ausfallen und wird später nachgeholt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2013

Haase, Katrin

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