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Das Trike knattert wieder: Alle warten auf den Weihnachtsmann in Neukieritzsch

Heiligabend Das Trike knattert wieder: Alle warten auf den Weihnachtsmann in Neukieritzsch

2016 war kein leichtes Jahr für die Kultur in Neukieritzsch. Doch der Weihnachtsmann hat schon schlimmere Zeiten überstanden, und so kommt er auch in diesem Jahr wieder auf den Marktplatz.

Seit 2014 reist der Weihnachtsmann in Neukieritzsch mit dem Trike an.

Quelle: Archiv/Detlef Bergholtz

Neukieritzsch. Heiligabend. Das heißt in Neukieritzsch für viele Familien: Vor dem Kaffeetrinken und vor der Bescherung unterm eigenen Tannenbaum warten alle gemeinsam auf dem Marktplatz auf den Weihnachtsmann. Und das schon seit über vier Jahrzehnten – wenn auch nicht immer auf dem Markt. Und er hat sich immer gezeigt. Peter Bräuer, DJ, Moderator und Vorstandsmitglied im Neukieritzscher Kulturverein, war 1974 zum ersten Mal dabei, damals als Mitglied im Pionierblasorchester, das vor der Oberschule die passende Musik zum Besuch des Weihnachtsmannes spielte.

Heute ist Bräuer seit vielen Jahren Mitorganisator und Moderator für den Besuch des Weihnachtsmannes auf dem Marktplatz. Inzwischen begrüßen Kinder, die sich damals artig ihr kleines Geschenk abholten, selbst als Eltern oder Großeltern mit ihren Kindern oder Enkeln den Bärtigen im roten Mantel. Eine der schönsten Geschichten, die Bräuer in den Jahren erlebt hat und immer mal wieder gern erzählt, geht so:

Er hatte den auf dem Markt versammelten Kindern wieder einmal erzählt, dass der Weihnachtsmann schon im Ort gesehen wurde und gesagt: „Liebe Kinder, wir müssen jetzt ganz laut rufen: Weihnachtmann!“ kaum ausgesprochen kräht ein Knirps so laut er konnte sofort los: Weihnachtsmann! Darauf rempelt ein älterer Bursche den Kleinen an und knurrt: „Warte, der muss erst zählen.“

Der Ältere war eben schon ein paarmal dabei und wusste genau: Alle rufen erst dann im Chor nach dem Weihnachtsmann, wenn Peter Bräuer durchs Mikrofon bis drei gezählt hat.

So wird es auch diesmal sein. Und wieder wird sich der Weihnachtsmann nicht lange bitten lassen und nach drei, vier Rufen, die allerdings laut genug sein müssen, auf dem Rücksitz eines Trikes auf den Platz geknattert kommen. Das fährt Uwe Konneggen, der mit seinem modernen Gefährt vor zwei Jahren für Rosemarie Hertel eingesprungen war, die den Weihnachtsmann viele Jahre mit ihrer Kutsche gebracht hatte.

Dass es den Weihnachtsmann für alle, dem Jahr für Jahr hunderte Augenpaare entgegenleuchten, nach so vielen Jahren immer noch gibt, ist vor allem dem ehrenamtlichen Engagement vieler Neukieritzscher zu verdanken, die diese liebevolle Tradition nicht aufgeben wollen.

Nach 1989 stand die Sache schon mal auf der Kippe, in der Umbruchphase nach dem Ende der DDR sagte die Schule ab, der bisherige Träger des Weihnachtsspektakels. Der darüber besorgte, damalige Bürgermeister Lutz Brigl fragte Peter Bräuer, den Chef des Karnevalsvereins: Was machen wir nun? Bräuer setzte sich die Mütze auf, immerhin steckte ja auch im Weihnachtsmanngewand schon ein Mann aus der Karnevalistenriege. Und so nahm die Sache weiter ihren gewohnten und vertrauten Lauf.

In diesem Jahr erwachte erneut die Furcht um das beliebte Fest. Nachdem die Gemeinde wegen einer Haushaltsperre alle Kultur-Zuschüsse strich, der Kulturverein das Heimatfest absagte und im November-Amtsblatt noch kein Hinweis stand, bekam Bräuer besorgte Anrufe: Was wird mit dem Weihnachtsmann? Was ihn dabei ganz besonders freute: Viele haben angeboten, mit zu helfen. Die Kollegen im Kulturverein hätten sich dann aufmunternd angeschaut und gesagt: Wir machen weiter!

Und so sind sie alle wieder mit dabei: Imbiss-Betreiber Huu Tam Nguyen mit seinem Glühweinstand, Musiker des Neukieritzscher Blasorchesters, Tänzerinnen des Karnevalsvereins, die als Wichtel den Weihnachtsmann unterstützen. Und zu guter Letzt ist dann doch noch die Gemeinde mit ihm Boot, hat irgendwie ein paar Euro losgeeist, damit wieder nette kleine Geschenke für alle Kinder gekauft werden können. Das Schlimmste was passieren könnte, wäre, dass der Sack des Weihnachtsmannes leer ist, bevor jeder etwas bekommen hat. Doch dieser Fall, versichert Bräuer, sei noch nie eingetreten. Und auch an diesem Nachmittag ist er da optimistisch.

Der Weihnachtsmann kommt nach Neukieritzsch, 24. Dezember, 14.30 Uhr, Marktplatz

Von André Neumann

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