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Borna Das dritte Ziffernblatt
Region Borna Das dritte Ziffernblatt
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13:57 19.05.2015
Kirchvorsteher und Tischler Torsten Hellriegel bei der Montage des neuen Ziffernblattes auf der Ostseite des Trageser Kirchturmes. Quelle: Jens Paul Taubert

Der Anlass für den Anbau des dritten Ziffernblattes liegt freilich Jahre zurück:

Ein sechs Tonnen schwerer Gedenkstein erinnert in Trages an Rutschungen, die sich zwischen 1952 und 1959 an der Ostseite der dortigen Halde ereigneten, die aus dem Abraum des Espenhainer Tagebaus besteht. Die schlimmste im August 1959 sorgte dafür, dass die westliche Dorfhälfte verschwand: Die Bewohner aus vier Gehöften, vier Wohnhäusern und einer Gaststätte wurden umgesiedelt. Neue Häuser entstanden dafür in den vergangenen Jahren im Osten des Ortes. Auf diese Weise entstand eine etwas kuriose Situation. Die Uhr im Kirchturm hatte seit Jahren zwei Ziffernblätter. Eins zeigte nach Süden, eins nach Westen. Wo seit der Rutschung aber kaum noch jemand lebt, der die Zeit ablesen könnte. Aus Richtung Osten aber, wo mittlerweile ein großer Teil der Trageser wohnt, schaute man auf eine blanke Kirchturmseite.

Torsten Hellriegel ist der Kirche im Ort, so wie viele Trageser, sehr verbunden. Deswegen hat er nicht nur den Vorschlag für die Ergänzung der Uhr gemacht, er hat ihn auch weitgehend selbst umgesetzt. Gemeinsam mit dem Schweißer Lutz Keller und dem Mechatronikerlehrling Tim Krempler. Womit auch ohne Uhrmacher genügend handwerklicher Sachverstand beisammen war, damit auch im Trageser Osten bald die Zeit am Kirchturm abgelesen werden kann. Denn bis zum Jahreswechsel, bedauert Hellriegel, "schaffen wir es leider nicht".

Zu sehen ist das neue Ziffernblatt schon seit Ende November, als Hellriegel und Keller es hoch oben am Kirchturm montierten. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Baugerüste nach der Sanierung abgebaut wurden. Das neue, weiß pulverbeschichte Uhrblatt aus Stahlblech mit laminierten schwarzen Ziffern und zwei schwarzen Zeigern sieht so aus, wie die beiden anderen. Um die Bewegung vom Uhrwerk zum Rand des Turmes zu übertragen, erzählt Hellriegel, "mussten wir ein paar Zahnräder und eine Welle einbauen, um um den Mittelbalken herumzukommen". Damit sich beide Zeiger in ihrem vorgeschriebenen Takt über das Blatt bewegen, wurde dahinter auch noch ein Getriebe angebaut. Dass die Uhr noch nicht läuft, liegt daran, dass Handwerker Hellriegel keine halben Sachen machen will und das mechanische Uhrwerk in seine Werkstatt geholt hat. Wenn schon, dann sollen gleich noch ein paar klapperige Wellen gerichtet und frisch abgedreht werden.

Pfarrer Stephan Vorwergk freut sich, dass Menschen in Trages sich so sehr um ihre Kirche bemühen, was auch schon die große Spendenbereitschaft für die Sanierung gezeigt habe. Doch es wird eben auch direkt Hand angelegt. Eberhard Fröbel und Wolfgang Wilhelm gehen einmal die Woche los, um die Kirchenuhr aufzuziehen. Ab Ende Januar, schätzt Torsten Hellriegel, können sie das wieder tun. Dann ist die Zeit auf drei Seiten der Kirche abzulesen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.12.2014
André Neumann

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