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Datenleck im Bornaer Jugendamt: Verursacher nicht gefunden

Beweislage schwierig Datenleck im Bornaer Jugendamt: Verursacher nicht gefunden

Er oder sie schickte per Whatsapp Daten aus dem Jugendamt des Landkreises Leipzig an Freunde und Bekannte. Doch der Verursacher wird wohl kaum mehr gefunden werden. Eine Anzeige hält die Behörde nicht für hilfreich.

Via Whatsapp hat ein Mitarbeiter des Jugendamtes private Daten von Leistungsbeziehern in Umlauf gebracht.

Quelle: dpa

Borna. „Die Nachforschungen nach dem Verursacher der Datenschutzverletzung blieben bislang ohne Erfolg“, sagte Brigitte Laux, Pressesprecherin des Landratsamtes, auf LVZ-Anfrage. Wie berichtet, war kurz vor Weihnachten ein Datenleck im Jugendamt bekannt geworden. Vermutlich von einem Mitarbeiter wurden mehrfach Kindernamen und zumindest einmal ein fotografiertes Aktendokument über den Kurznachrichten-Dienst Whatsapp verbreitet. Der Absender versah dies mit Kommentaren und tränenlachenden Smileys, offenbar wollte er oder sie sich mit Freunden und Bekannten im Chat über seltene Vornamen lustig machen. Die Daten könnten auch über Twitter weiter verbreitet worden sein.

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes im Landkreis Leipzig hat sich über Namen von Leistungsbeziehern lustig gemacht

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes im Landkreis Leipzig hat sich über Namen von Leistungsbeziehern lustig gemacht. Die privaten Whatsapp-Chats sind weiter in Umlauf gebracht worden.

Quelle: Screenshot

Viele Mitarbeiter des Jugendamtes – 117 Beschäftigte arbeiten in Borna und Grimma in dieser Behörde – wurden intern intensiv befragt, teilte die Landkreisverwaltung mit. Es habe zusätzliche Datenschutzbelehrungen gegeben. „Nach den klaren Aussagen zu den Konsequenzen wird sich kaum jemand freiwillig zu erkennen geben“, so Laux. Eine Kündigung sei bei solch einem Verstoß möglich. Doch die Beweislage ist schwierig. Sofern nicht Kommissar Zufall hilft, sei davon auszugehen, „dass sich der Fall nicht mehr aufklären lässt“. Das sei bedauerlich, „weil der Schatten jetzt auch auf die Mitarbeiter fällt, die engagiert und gern ihre Arbeit machen und über die Whatsapp-Aussagen entsetzt waren“.

Eine arge Verletzung des Datenschutzes stellte vor allem der fotografierte Aktenauszug dar. Dort standen nicht nur Vornamen, sondern auch Familiennamen und Geburtsdaten von drei Kindern sowie die Höhe des Unterhaltsvorschusses. Dabei habe es sich um ein internes Schreiben eines anderen Fachamtes an das Jugendamt gehandelt. Das Dokument sei einem „sehr großen Mitarbeiterkreis“ zugänglich.

Die Aufklärung sei „äußerst schwierig“, sagte auch Gerold Müller, Datenschutzbeauftragter des Landratsamtes. Von einer Anzeige gegen Unbekannt sehe das Amt ab. „Es handelt sich nicht um eine Straftat und es besteht keine Gefahr für Leib und Leben“, so Müller. Daher werde entsprechend der Rechtslage die Polizei nicht viel unternehmen können, zum Beispiel was die Untersuchung von Handy-Daten betrifft. Der Vorfall sei eine Verletzung des Sozialdatenschutzgesetzes.

Leider werden die Akten im Jugendamt noch nicht elektronisch archiviert, bedauerte der Datenschutzbeauftragte. Dies hätte die Recherche erleichtert, weil man dann genau wüsste, wer die Dokumente angeklickt hat. Ein Verbot von Handys im Amt, womit vermutlich auch diese Akte fotografiert wurde, halte er für nicht durchsetzbar.

Wie berichtet, hatte sich das Landratsamt für den Vorfall entschuldigt, auch bei der Familie, deren Aktenauszug auf diese Weise in die Öffentlichkeit gelangte.

Von Claudia Carell

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