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David Zühlke: „Habe mich gut eingefuchst“ – neuer Bürgermeister im Interview

Elstertrebnitz David Zühlke: „Habe mich gut eingefuchst“ – neuer Bürgermeister im Interview

Seit zwei Monaten steht David Zühlke (CDU) als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Elstertrebnitz vor. Mit einem Wahlergebnis von knapp 95 Prozent hatte der 32-Jährige selbst seine größten Kritiker verblüfft. Welcher Wind weht nun im Gemeindeamt und wo drückt der Schuh am meisten? Im Interview spricht er über Straßenbau und Müllsünder, Flüchtlinge und Bauboom.

David Zühlke (re.) bei seiner Vereidigung im Gemeinderat: Wolfgang Herrschuh (li.) nimmt als Gemeinderats-Ältester die Vereidigung des neuen Bürgermeisters vor.

Quelle: Privat

Elstertrebnitz. Herr Zühlke, Sie arbeiten für ein Sicherheits- und Brandschutzunternehmen im Chemiewerk Böhlen, sind ehrenamtlicher Bürgermeister von Elstertrebnitz und zugleich Leiter der Freiwilligen Feuerwehr. Sie stehen dem Kreisfeuerwehr-verband vor und grasen als Schiedsrichterbeobachter die Fußballplätze dieser Region ab. Ist das nicht ein bisschen viel?
Es ist alles nur eine Frage der Ordnung und Organisation. Am Anfang als Bürgermeister war es schwierig, das gebe ich zu, aber ich habe mich mittlerweile gut eingefuchst. Natürlich nehme ich auch Arbeit mit nach Hause und sitze bis abends am Computer. Aber ich passe auf, dass es nicht überhand nimmt und ich trotzdem noch genug Freiraum habe. Außerdem habe ich den nötigen Rückhalt durch meine Familie, das ist das A und O. Im ersten Quartal 2016 steht turnusgemäß die Neuwahl zum Wehrleiter in Elstertrebnitz an. Bis dahin werde ich diese Funktion auf jeden Fall ausüben.

Eines der dringendsten Themen in Elstertrebnitz ist der Anschluss an die zentrale Kläranlage in Kleindalzig und damit einhergehend der Straßenbau in den Ortsteilen. Wie geht es voran?

Dieses Jahr wurde in Greitschütz und Costewitz auf einem Straßenabschnitt mit 150 Metern Länge ein neuer Mischwasserkanal verlegt und die Straße einschließlich Entwässerung grundhaft ausgebaut. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf rund 250.000 Euro. Gleichzeitig hat der Zweckverband Wasser/Abwasser Bornaer Land die Trinkwasserleitung ausgetauscht. Sieben Grundstücke mit mehr als 30 Einwohnern konnten damit neu an die Kläranlage angebunden werden. Für den nächsten Bauabschnitt im Jahr 2016 läuft die Planung.

Wohin soll die Reise gehen?

Bis zum Jahr 2020 sollen bis auf wenige Ausnahmen alle Haushalte in Elster-trebnitz an die zentrale Kleinkläranlage Kleindalzig angeschlossen werden. Zur Zeit sind es rund 75 Prozent. Das entspricht etwa 950 Einwohnerwerten. Hintergrund ist, dass mit dem 1. Januar 2016 das bisherige Wasserrecht erlischt, wonach eine Einleitung der unbehandelten Abwässer in ein Gewässer oder deren Versickerung auf dem Grundstück erlaubt waren. Das heißt, Klärgruben, die noch nicht dem Stand der Technik entsprechen, dürfen ab 2016 nur noch als abflusslose Gruben weiterbetrieben werden. Oder die Grundstückseigentümer müssen aus eigener Tasche eine vollbiologische Kleinkläranlage bauen, die zwischen 5000 und 10 000 Euro kostet. Dreh- und Angelpunkt der ganzen Aktion sind sauberere Gewässer.

Bis zum 1. Januar ist das aber nicht zu schaffen...

Genau, und deshalb hat die Gemeinde Elstertrebnitz eine Ausnahmegenehmigung bis 2020 beim Umweltamt des Landkreises beantragt. Bis dahin verpflichten wir uns, die restlichen Grundstücke im Innenbereich gemäß beschlossenem Abwasserbeseitigungskonzept an die zentrale Kläranlage in Kleindalzig anzuschließen.  

Welche Kosten kommen auf die Grundstücksbesitzer zu?

Der Gemeinderatsbeschluss vom Juni dieses Jahres zur Globalberechnung und Beitragskalkulation ist erst einmal aufgehoben worden. Um für die Erhebung eines weiteren Betrages Rechtssicherheit zu bekommen, haben wir eine Fachanwältin mit der Prüfung beauftragt. Eins kann ich schon jetzt sagen: Der ermittelte höchstzulässige Beitragssatz pro Quadratmeter Nutzungsfläche wird etwas niedriger ausfallen, als im Juni beschlossen. In der nächsten öffentlichen Sitzung Ende Oktober wollen wir die Globalberechnung und die notwendige Anpassung der Abwassersatzung beraten und beschließen. Die Einwohner werden dann zeitnah informiert.

Anderes Thema: Seit einigen Jahren gibt es Ärger um die illegale Müllentsorgung im Gemeindegebiet. Haben Sie schon etwas dagegen unternommen?  

Ja, und mit Erfolg. Besonders betroffen waren die Kippenstraße zwischen Elstertrebnitz und Pegau und das Gelände am neuen Hochwasserschutzwehr an der B2. Dort wurden über Monate hinweg Wagenladungen mit Grünabfällen, Biomüll aber auch Elektronikschrott und Hausmüll hinterlassen. Wir haben im Gemeinderat darüber beraten und informiert, auch im Amtsblatt haben wir die Bevölkerung auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Und siehe da: Wir konnten tatsächlich mehrere Personen ermitteln, die ihren Müll dort illegal entsorgen. Die Sachverhalte liegen jetzt beim Umweltamt zur weiteren Verfolgung.

Was erwartet die Umweltsünder?

Müll ablagern zählt als Ordnungswidrigkeit und kann in schweren Fällen mit einer Geldstrafe bis zu 5000 Euro geahndet werden. Mit liegt sehr daran, diese Personen abzustrafen, denn immerhin verursachen sie auch gewaltige Kosten. Dafür habe ich kein Verständnis. Der Bauhof muss regelmäßig mit großem Gerät anrücken, den Müll beseitigen und entsorgen lassen.

Wie attraktiv ist Elstertrebnitz für junge Familien mit Kindern? Schwappt der Bauboom aus Pegau und Groitzsch auch auf die Gemeinde über?

Ja, wir haben einige Anfragen von jungen Familien, aber leider nicht genügend kommunale Bauflächen zur Verfügung. Deshalb starten wir einen Aufruf an alle Privatleute, die große Grundstücke haben und einen Teil davon als Bauland zur Verfügung stellen möchten. Wir würden dann zwischen den Interessenten und den Grundstückseigentümern vermitteln. Von diesem Bauboom könnten auch die umliegenden Ortschaften profitieren.

Noch ein Wort zu den Flüchtlingen: Hat die Gemeinde Möglichkeiten, Asylbewerber aufzunehmen?

Wir sind bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, aber wir haben keine kommunalen Wohnungen zur Verfügung. Es gibt einige Herrenhäuser in Privateigentum, und der Vermieter hat gegenüber dem Landratsamt auch 23 Ein- bis Dreiraumwohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten. Meines Wissens will das Landratsamt auf zwölf dieser Wohnungen zurückgreifen. Aber wann das geschehen soll, kann ich im Moment noch nicht sagen. Es kann jeden Tag soweit sein.

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