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Debatte um Betriebskostenumlage für Neukieritzscher Vereine geht weiter

Vereinsförderung Debatte um Betriebskostenumlage für Neukieritzscher Vereine geht weiter

Eigentlich sind sich fast alle einig oder fügen sich wenigstens in die Notwendigkeit: Ab Juli will die Gemeinde Neukieritzsch jene Vereine, die öffentliche Einrichtungen nutzen, erstmals mit einem Viertel an den Betriebskosten beteiligen. Die Debatte darum geht aber weiter.

Die Parkarena in Neukieritzsch verursacht unter den Sportstätten die höchsten Betriebskosten

Quelle: Jens Paul Taubert

Neukieritzsch. Eigentlich sind sich fast alle einig oder fügen sich wenigstens in die Notwendigkeit: Ab Juli will die Gemeinde Neukieritzsch jene Vereine, die öffentliche Einrichtungen nutzen, erstmals mit einem Viertel an den Betriebskosten beteiligen. Weil sich aber ausgerechnet der größte Sportverein, Sportfreunde Neukieritzsch (SFN), bisher quer stellt und auch der Vorsitzende des TSV Lobstädt starke Bedenken äußert, wird die Debatte bis dahin wohl noch mit einiger Heftigkeit geführt werden.

Das zeigte sich erneut am Dienstagabend im Verwaltungsausschuss. Eigentlich wollte Kämmerin Kathrin Gersten die Ausschussmitglieder nur über die korrigierten Zahlen informieren. Die immerhin bei den SFN dazu führen, dass statt rund 71 000 Euro nur noch 65 000 Euro umgelegt werden müssen und dass sich beim TSV Lobstädt die Summe von reichlich 10 000 auf rund 7500 Euro verringert.

Ratsmitglied Hermann Patzschke räumte ein, der Schritt sei „schmerzlich aber notwendig“. Schlimm sei, dass es gerade mit der Führungskrise bei den Sportfreunden Neukieritzsch zusammenfalle. Was nicht laut aber deutlich unter der Hand gesagt wird: Kaum jemand kann sich vorstellen, dass der 1000-Mitglieder-Verein einen neuen Vorsitzenden findet, wenn der als erste Amtshandlung die Beiträge erhöhen muss.

Trotzdem sieht Michael Wagner, Gemeinderat und Chef des Kulturparkes Deutzen, jetzt den Verein selbst am Zug. Die von der Verwaltung ins Spiel gebrachten 25 Prozent bezeichnete er als Vorschlag. In der Diskussion fehle ihm jetzt ein Gegenvorschlag. Wobei nicht nur er sich mit Bürgermeister Thomas Hellriegel (parteilos) einig ist, dass die vom Verein ins Spiel gebrachten fünf Prozent damit nicht gemeint seien. Hans Brummer fand allerdings die Idee, einem einzelnen Verein entgegenzukommen, nicht glücklich: „Dann kommen auch die anderen“, sagte er. Zugleich wies er darauf hin, dass die Angelegenheit auch anders betrachtet werden könne: „Die Gemeinde übernimmt 75 Prozent der Betriebskosten.“

Für Werner Winkler, den Abteilungsleiter Leichtathletik bei den Sportfreunden sind pauschal umgelegte 25 Prozent keine Lösung. Winkler nahm als Gast an der Ausschusssitzung teil, bei der eigentlich keine Bürgeranfragen vorgesehen sind. Er durfte trotzdem reden und nutzte das für den Hinweis, es gebe „intelligentere Lösungen“, Vereine an den Kosten zu beteiligen. Er verwies auf Bad Lausick, wo für die neue Sporthalle Stundensätze erhoben würden, und auf Regis-Breitingen. Dort seien die Sportanlagen dem Sportverein in dessen Regie übergeben worden und der bekomme dafür einen Zuschuss. Winkler warnte, die Gefahr sei groß, dass der Verein zerfällt. „Die Sektionen werden sich verselbstständigen, dann haben Sie es mit 14 Vereinen zu tun.“

Wobei die Sportfreunde Neukieritzsch schon seit 2013 nach Nachfolgern für das jetzige Führungsduo hätten suchen können, damals hatten Jens Hauschild und Jürgen Schwarz ihren Rücktritt für Ende 2015 angekündigt. Zu der Zeit war unter Hellriegels Vorgänger Henry Graichen, dem jetzigen Landrat, offiziell noch keine Rede von einer finanziellen Beteiligung der Vereine. Wiewohl die Verwaltung, das deutete Hauptamtsleiterin Petra Jung am Dienstagabend an, schon seit 2010 darauf aufmerksam gemacht habe, dass dies nötig sei.

Die einzigen kritischen Töne an der vorgesehenen Reglung schlug unter den Ausschussmitgliedern Claus Meiner an. Als Gemeinderat hat er schon hin und wieder auf die Notwendigkeit des Sparens hingewiesen. Als Vorsitzender des TSV Lobstädt meinte er jetzt zu der vorgesehen Betriebskostenumlage: „Es gibt heftige Diskussionen im Verein.“ Die Höhe, forderte er, müsse man miteinander aushandeln.

Die Verwaltung muss sich also auf weiteren Gegenwind einstellen. Am Freitag treffen sich Bürgermeister und Amtsleiter mit den Chefs der beiden Sportvereine, am 18. Februar ist die nächste Runde mit allen Vereinen vorgesehen.

Von André Neumann

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