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Der Boxer, der für Ausländer kämpft

Der Boxer, der für Ausländer kämpft

Seit Mitte Mai ist er der neue Ausländerbeauftrage im Leipziger Land: der Bornaer Abdulhamid Othman. Mittlerweile hat er sich mit der Tätigkeit schon vertraut gemacht, muss sich aber, wie er sagt, noch weiter einarbeiten und schauen, wo die Schwerpunkte liegen.

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Der neue Ausländerbeauftragte fürs Leipziger Land, Abdulhamid Othman, im Gespräch mit der LVZ.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Der 42-Jährige mit syrischer Abstammung hatte sich unter zehn Bewerbern durchgesetzt.

Abdulhamid Othman hat in seinen vier Jahrzehnten schon viel erlebt. Mit fünf Geschwistern wuchs er in Hassakeh im syrischen Nordosten auf, ging dort zu Schule, machte sein Abitur, arbeitete von 1990 bis 1996 als Buchhalter im Finanzamt seiner Heimatstadt und belegte vier Semester lang ein Jura-Fernstudium. Mit 17 zog er sich erstmals Boxhandschuhe an - und das sollte sein Leben grundlegend verändern. Schwergewicht Othman boxte sich an die syrische Spitze, wurde 1991 und 1992 Vizelandesmeister und schließlich 1996 zur sportlichen Weiterbildung nach Deutschland geschickt. Hier fand er seine neue Heimat. Othman stellte nach dem Sportstudium an der DHfK Leipzig einen Asylbewerberantrag und wurde in Freiburg einquartiert. "Ich wollte in Deutschland bleiben", erzählt er. Hier seien Demokratie und Menschenrechte garantiert, "die Menschen leben zufrieden, alles ist gut organisiert". Das habe ihn fasziniert, "ich wollte nicht zurück".

Als er eines Tages Freunde in Borna besuchte, lernte er seine spätere Frau kennen (von der er sich bald wieder scheiden ließ) und zog 1999 an die Wyhra. Seit 2009 ist Abdulhamid Othman deutscher Staatsbürger - und zugleich syrischer Staatsbürger. In Deutschland ließ er sich zum Schweißer ausbilden, arbeitete jahrelang auf Montage, ist nunmehr allerdings seit zweieinhalb Jahren alleinerziehender Vater und gab deshalb die Montage auf. Der 42-Jährige lebt mit dem älteren seiner zwei Söhne in Borna. Die Boxhandschuhe hat er nicht an den Nagel gehängt und geht seinem Sport unter Lothar Scheida beim SC Borna nach.

Als die Stelle des Ausländerbeauftragten fürs Leipziger Land ausgeschrieben wurde, zögerte Abdulhamid Othman nicht lange und bewarb sich - auch, weil ihm das viele Asylbewerber empfahlen. Denn er engagiert sich schon seit Jahren in den Asylbewerberheimen Thräna, Elbisbach und Hopfgarten, steht beim Ausfüllen von Anträgen zur Seite, vermittelt Anwälte, hilft bei Arztbesuchen und der täglichen Versorgung. "Ich kenne die Probleme und fühle mich wohl, wenn ich jemanden helfen kann", sagt Othman, der neben Kurdisch und Arabisch perfekt Deutsch spricht und Grundkenntnisse in Englisch hat. Er habe sich um den Posten beworben, "um anderen zu helfen".

"Ich vertrete die Interessen der Ausländer, die im Asylheim wohnen", betont Othman. Auch sie hätten im Rahmen der Gesetze Rechte. "Ich will, dass alles gut läuft und jeder das bekommt, was ihm zusteht." Nachdem vor etwa einem halben Jahr den Asylbewerbern im Landkreis der Anteil des Bargelds erhöht wurde, habe sich die Situation verbessert, freut sich Othman.

Genauso wichtig ist ihm die Integration der Menschen, die nach Deutschland kommen. "Wenn ich jemanden die Chance gebe, die Sprache, Tradition, Kultur und Mentalität zu erlernen, ist das die erste Tür zur Integration", so der 42-Jährige. Er sage den Ausländern immer, dass sie sich an die Gesetze halten und die Tradition des deutschen Volkes respektieren sollen. Auf der anderen Seite müssten aber auch die Deutschen die Menschen, die aus anderen Ländern kommen und Asyl suchen, akzeptieren. Othman: "Es gibt keine Menschen zweiter Klasse." Er wolle ein friedliches, ausgewogenes Miteinander.

Sieben Stunden pro Woche ist Abdulhamid Othman im Büro erreichbar. Seine Sprechstunde hält er im Landratsamt-Haus 2 in Borna jeden Dienstag von 8.30 bis 12 und von 13.30 bis 17 Uhr ab. Im Muldental ist Gülnur Kunadt die Ausländerbeauftragte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.08.2013

Frank Prenzel

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