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Der Erste Beigeordnete des Landkreises geht in den Ruhestand

Abschied nach 25 Jahren Der Erste Beigeordnete des Landkreises geht in den Ruhestand

Wenn die Mitarbeiter am 4. Januar erstmals im neuen Jahr im Bornaer Landratsamt zur Arbeit kommen, wird etwas fehlen. Oder besser gesagt jemand. Dann tritt Wolfgang Klinger (CDU), langjähriger Beigeordneter und davon die meiste Zeit Erster Beigeordneter, seinen Ruhestand an

Wolfgang Klinger /CDU/Dritter von rechts) im Kreistag.

Quelle: Archiv

Landkreis Leipzig. Wenn die Mitarbeiter am 4. Januar erstmals im neuen Jahr im Bornaer Landratsamt zur Arbeit kommen, wird etwas fehlen. Oder besser gesagt jemand. Denn dann fehlt ein Mann, der gewissermaßen die Konstante in der Kreisverwaltung war, wie auch immer der Landkreis aussah. Dann tritt Wolfgang Klinger (CDU), langjähriger Beigeordneter und davon die meiste Zeit Erster Beigeordneter, seinen Ruhestand an. Nach sage und schreibe einem Vierteljahrhundert an der Landkreisspitze. Bereits Mitte Dezember war der 64-Jährige offiziell verabschiedet worden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Klinger noch an die 20 Urlaubstage, die er aber nicht mehr nahm. „Ich genieße diese Tage“, sagte Klinger vor der letzten Kreistagssitzung am 9. Dezember, bei der ihn die Kreisräte mit Standing Ovations verabschiedet hatten. Er war, wie auch sein Beigeordnetenkollege Thomas Voigt (SPD), der ebenso lange im Amt ist wie er, der loyale Mitstreiter von insgesamt vier Landräten und einer Landrätin. Mit der SPD-Frau Petra Köpping, mittlerweile sächsische Integrationsministerin, hat er so wie auch mit seinen Parteifreunden an der Spitze des Landratsamtes so gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet, dass es einige CDU-Mitglieder bisweilen auch gefuchst haben soll. Was aber im Endeffekt für seine loyale und sachdienliche Art spricht. Der frühere Landrat Gerhard Gey (CDU) sprach nach der Kreisreform im Jahr 2008 und der damit verbundenen Neuordnung der Landkreisverwaltung mit Blick auf Klinger von einer Identifikationsfigur für die Bewohner des Leipziger Landes. Geys Nachfolger Henry Graichen (CDU) erklärte, er habe sich bei Klinger immer Rat holen können, als Neukieritzscher Bürgermeister ebenso wie als Landrat.

Klinger war – und ist es vielleicht auch in Zukunft – hoch geschätzt als Moderator. Zuletzt beim Versuch, den Dauerzwist zwischen der Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) und der Bornaer Stadtratsmehrheit zumindest in Teilen zu verkleinern. Auch wenn der Erfolg dieser Bemühungen überschaubar war: Für Klinger spricht, dass er als Moderator in Frage kam.

Im ersten Teil seines Lebens war Klinger Projektingenieur im Chemieanlagenbau Leipzig/Grimma sowie im Stahl- und Hartgusswerk Bösdorf. 1990 kam er dann in die Verwaltung des damaligen Landkreises Leipzig, der sich seinerzeit allerdings auf das enge Umland der Stadt Leipzig beschränkte, die Umsetzung von millionenschweren Großprojekten wie der Neuen Messe im Leipziger Norden inklusive.

Allerdings wäre es zu wenig, Wolfgang Klinger nur als Beigeordneten zu betrachten. Klinger hat auch dazu beigetragen, dass der Kreissportbund nach der Kreisfusion von Muldental und Leipziger Land zusammenwuchs – als ehrenamtlicher Präsident. Was insofern nahelag, als sich Klinger bereits vorher in Leipzig-Leutzsch beim damaligen FC Sachsen engagierte. Für einen alten Chemiker, der zu seinen Sturm- und Drang-Zeiten zu jedem Heimspiel seiner grün-weißen Lieblinge in vollständiger Fan-Montur anrückte, eine Selbstverständlichkeit. Als er im Kreistag im Frühjahr für seine 25 Jahre als Beigeordneter gewürdigt wurde, erhielt er dann eine RB-Fahne.

Aktiv bleiben wird er auch weiterhin. Landrat Graichen nahm seinen scheidenden Ersten Beigeordneten bei dessen Verabschiedung schon einmal vorsorglich in die Pflicht. Wenn Klinger jetzt in den Ruhesand gehe, heiße i.R. wie bei Pfarrern in der Rente nichts anderes als „in Reichweite“. Und Graichen weiter: „Es wird sich schon das eine oder andere Ehrenamt für Sie finden.“

Von Nikos Natsidis

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