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Der Koloss am Randedes Dorfes Deutzen

Der Koloss am Randedes Dorfes Deutzen

Deutzen. Er wirkt wie eine verlassene aber immer noch unantastbare Trutzburg, der Wasserturm am westlichen Rand von Deutzen, im ehemaligen Ortsteil Röthigen.

Hoch, wuchtig, unzugänglich. Hinein kommt man nur mit Michael Fetzer, dem Wasserwerksmeister des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Bornaer Land (ZVBL). Der betreut die Wassertürme des Verbandes in Groitzsch, Pegau, Rötha und Rautenberg bei Altenburg, zu denen auch das Hochhaus in Borna gehört, wo sich unterm Dach 1000 Kubikmeter Wasser befinden.

So groß ist auch das Wasserreservoir im Deutzener Turm. Allerdings schaut Meister Fetzer hier viel seltener nach dem Rechten als in den anderen Türmen, denn er ist leer, wird nicht mehr genutzt, seit er Ende der 1990er Jahre außer Betrieb genommen wurde. Das hatte mit der Umgestaltung des Versorgungsnetzes zu tun, als damals begonnen wurde, Fernwasser einzuspeisen, erklärt Matthias Renger, der technische Leiter des ZVBL. Damals wurde der etwas höher gelegene Wasserturm in Rautenberg bei Altenburg in Betrieb genommen und der Deutzener, der reichlich 45 Jahre seinen stillen Dienst verrichtet hatte, wurde vom Netz genommen.

Seitdem steht er und steht und steht. Eine schmale Pappelallee führt auf ihn zu. Eisen rostet, wie ein altes Ablassrohr und die Beschläge auf der einst wahrscheinlich sehr beeindruckenden dicken Holztür, von der die Farbschichten der vergangenen Jahrzehnte abblättern. Deren Funktion hat längst eine Blechtür übernommen, deren hellblauer Anstrich so gar nicht zum sonstigen Aussehen des Turmes passen will. Der ansonsten keine Zeichen von Altersschwäche zeigt. Die gemauerte Wand ist über einen Meter dick und baulich in Ordnung, wie Fetzer und Renger versichern.

Drinnen steht man in einer großen, weiten und vor allem hohen Halle, gerade ausreichend erhellt durch die schmalen Fenster, die rund um den Turm verteilt sind. Der massive Bau ist die Stütze für den Wasserbehälter. Der befindet sich rund 200 Stufen auf einer sich an der Innenwand nach oben windenden Treppe weiter oben. Dort ruht er auf einem Viereck aus Eisenträgern und Stahlbeton. Wer es vermeiden kann, spart sich den anstrengenden Aufstieg. Der verpasst allerdings auch die beeindruckende Aussicht über Deutzen, die Umgebung und bis zu einem bei guter Sicht vermutlich sehr, sehr fernen Horizont.

Zwei Rohre ragen in der Mitte noch aus einem finsteren Keller heraus nach oben und erinnern an den früheren Zweck des Turmes. In dem einen Rohr wurde das Wasser nach oben gepumpt, durch dieses lief es mit dem aus der Höhe gewonnenen Druck auch wieder zurück in die Leitungsnetze und bis zu den Häusern in den von hier aus versorgten Orten. Das zweite Rohr, erklärt Michael Fetzer, war der Überlauf.

Gleich neben dem Eingang führt aus einem grauen Schaltschrank heraus außerdem noch ein Bündel dicker Kabel nach oben. Ganz nutzlos ist das Bauwerk nämlich doch noch nicht. Es dient einem Mobilfunkanbieter als Antennenstandort und der Zweckverband nutzt es für die funkgesteuerte Prozessleitung der Wasserwerke und anderen Anlagen. Weil das aber etwas wenig für einen so großen Hohlraum ist, würde der Verband den Deutzener Wasserturm gern verkaufen. "Man könnte zum Beispiel Wohnungen hineinbauen", überlegt Renger.

Bis dahin wird er wohl weiter sein Schattendasein führen. Während andere Wassertürme saniert und herausgeputzt wurden, wird der Deutzener sogar im eigenen Ort an Höhe und Bedeutung überragt. Sucht man im Internet nach Wasserturm Deutzen, erhält man die meisten Hinweise nämlich auf die Wasserkugel am anderen Ortsende. Immerhin ist eine Gaststätte nach dem Turm benannt und irgendwo an seinem Fuß liegt ein kleiner "Schatz", den Geocacher hier versteckt haben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.08.2014
Neumann, André

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