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Der Unersättliche bei Böhlen

Der Unersättliche bei Böhlen

Er schluckt und schluckt: Die Verfüllung des Restsees - gefährliche Tagebau-Hinterlassenschaft der ehemaligen Industriellen Absetzanlage (IAA) an der Ortsausfahrt Böhlen - erweist sich als äußerst langwieriges Unterfangen.

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Vor Ort gibt es regelmäßig Bauberatungen - mit Hartmut Tauber, Thomas Beyer von der Mueg und Frank Udo Henze von Vattenfall (v.l.).

Quelle: Thomas Kube

Böhlen. Die Renaturierung des Areals wird mehr Zeit und Geld kosten als ursprünglich geplant. Eigentümer Vattenfall Europe, der das millionenschwere Projekt bezahlt, will sich Anfang 2014 dazu äußern, wie lange es noch dauern wird.

 

 

Das Erbe wiegt schwer: In diesem Tagebaurestloch wurden von 1968 bis Mitte 2000 circa 20,4 Millionen Kubikmeter Braunkohlenasche aus dem Altkraftwerk Lippendorf eingespült. Die Folge: ein diffuser, unberechenbarer Untergrund.

Schwerpunkt bildet der See, der mit zwei Technologien bezwungen und perspektivisch verschwinden soll: Per Seilbagger und Schute. Letztere wird seit Oktober 2012 eingesetzt. Das Spezialschiff der Firma ETX aus Theißen übernimmt auf dem Wasserweg die Verfüllung an den tiefsten Stellen. 60 Tonnen Grobasche aus dem Tagebau Peres nimmt das Gewässer pro Ladung der Schute auf. "Die Asche versinkt im Boden. Er ist wie ein Schwamm", erläutert Thomas Beyer, Geschäftsbereichsleiter Deponie/Bergbausanierung beim Bauherrn, der Mitteldeutschen Umwelt- und Entsorgung GmbH (Mueg). Und offenbar ist der Boden unersättlich: "130 000 Tonnen sind schon weg" - das Ende nicht in Sicht. Erst 4,5 des 26 Hektar großen Sees sind seit Sanierungsbeginn Ende 2009 gewichen. Im Boden gibt es große Setzungen. Wann der Untergrund stabil sein wird, sei schwer zu berechnen. Zumal sich die geotechnischen Verhältnisse durch den Grundwasseranstieg im Umfeld der IAA und den daraus resultierenden Anstieg des Wasserspiegels verschlechtert haben.

 

 

Bis zwei Meter unter der Wasseroberfläche wird verfüllt. "Den Rest muss der Seilbagger übernehmen", sagt Hartmut Tauber von der Mueg. Im gebotenen Sicherheitsabstand von zehn Metern arbeitet die Maschine zurzeit an der Schilfkante des Gewässers und versenkt jede Menge Abbruchmaterial, Bahnschwellen, Bauschutt. Ein gutes Stück Leipzig (Material, das beim Bau des City-Tunnels und beim Abbruch der Alten Messe anfiel) wurden und werden auf dem Gelände versenkt. Rund 800 000 Tonnen Material verschwanden bislang im See, insgesamt wurden drei Millionen Tonnen mineralische Abfälle eingebaut. Ein Mammutprojekt, für das strenge Sicherheitsvorkehrungen höchste Priorität haben. Dazu gehören tägliche Risskontrollen, regelmäßige Schulungen des Personals. Wöchentlich werden anhand aktueller Messdaten die Festlegungen zur Einbautechnologie getroffen. "Es hat keine Zwischenfälle mehr gegeben", sagt Frank-Udo Henze, Projektleiter bei Vattenfall. Die Vorkehrungen waren nochmals verschärft worden, als im Januar 2011 ein Radlader bei einem Erdrutsch im Uferbereich ins Wasser kippte. Der Unfall ging wie berichtet glimpflich aus.

 

 

Weit vorangeschritten ist hingegen die Sanierung des südlichen Teil des Geländes. Zwölf Hektar Fläche wurden schon bepflanzt. Noch in diesem und im nächsten Jahr wird es Henze zufolge weitere Bepflanzungen geben. Rund sechs Hektar Wald sind dort vorgesehen. In Abstimmung mit der Stiftung Wald für Sachsen werde entschieden, was dort gepflanzt wird. Einheimische Arten werden es sein. "Es hat sich schon vieles getan", sagt Henze.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.10.2013

Saskia Grätz

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