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Borna Der gebürtige Bornaer Patrick Hofmann stellt sein Buch in der Bibliotek vor
Region Borna Der gebürtige Bornaer Patrick Hofmann stellt sein Buch in der Bibliotek vor
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16:34 09.03.2010
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Borna

Ein Buch, das für die Gegend zwischen Markkleeberg und Borna sein könnte, was Erich Loest mit seiner „Nikolaikirche“ in Leipzig wollte: der (Nach-)Wenderoman. Es geht zur Sache im Roman des 38-Jährigen, der in Borna geboren wurde und in der Straße des Fortschritts in Kitzscher gewohnt hat. Der Titel des Buchs ist so doppeldeutig wie Programm, denn in Hofmanns Buch dreht es sich tatsächlich um die letzte Sau in einem Dorf Anfang der 90er Jahre, das wie so viele vorher der Braunkohle zum Opfer fallen soll. Im Mittelpunkt steht die Familie Schlegel, die angesichts der Schlachtung ihres letzten Schweins Kinder und Kindeskinder zum Schlachtefest um sich versammelt. Es ist die Zeit, als das Ende von Bergbau und Braunkohlenindustrie schon absehbar ist, der Abschied der alten Leute von ihrem Haus und Hof aber bevorsteht. Nicht zuletzt, weil es sich bei den Protagonisten um eine Familie mit Systemnähe handelt, brechen im Angesicht einer jungen Schlachterin, die anstatt des gewohnten Schlachters zum finalen Akt für die Sau ins Haus kommt, Konflikte auf, wie sie sich zu dieser Zeit in vielen Ost-Familien zugetragen haben könnten/dürften. Es geht um enttäuschte Hoffungen bezüglich einer sozialistischen Utopie, es geht, natürlich, um das Thema Stasi und es geht um die Kohle. Ihre Geschichte und ihre Folgen. Und um die Schwierigkeiten mit der neuen Zeit. Hofmann, studierter Germanist, der lange Zeit in Griechenland war, hat seinen Debütroman meist bei subtropischer Hitze geschrieben. „Ich habe bei 40 Grad an die Braunkohle gedacht“, sagt er gegenüber der LVZ, und das hat ihn in jedem Fall zu einer authentischen Schilderung der Verhältnisse kurz nach der Wiedervereinigung gebracht. Hier im Born’schen Großraum im gedachten Dorf namens Muckern, bei dem sich wohl nicht zu unrecht vermuten lässt, dass damit Dreiskau-Muckern gemeint ist, dass zur Zeit der Handlung, im Jahr 1993, tatsächlich noch von der Abbaggerung bedroht war. Hofmann, der für sein Buch den Robert-Walser-Preisbekommen hat und in Berlin lebt, schreibt mit dem richtigen Sentiment für Land und Leute, kennt sich aus im Jargon der Gegend („Altenburger Sterbehilfe“) und auch in der Mundart, die selten so adäquat rüberkommt wir bei dem studierten Germanisten und Philologen. Da hat einer dem Bergmannsvolk im besten Sinne aufs Maul geschaut. Wobei „Die letzte Sau“, erschienen im Verlag Schöfling und Co., nichts für zarte Gemüter ist. Die ausführlichen Schilderungen des Schlachtvorgangs, in denen das Blut nur so spritzt, lassen sich in der Tat leichter ertragen, wenn es der Leser so hält wie Teile der Romanhelden. Die greifen zur Flache mit den hochprozentigen Inhaltsstoffen – aber das muss natürlich nicht sein. „Die letzte Sau“ ist handfester Stoff und verdient in jedem Fall das Prädikat „Lesenswert“. An Bornaer Bildungseinrichtungen sollte es Pflichtlektüre werden.

Nikos Natsidis

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