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Der verlängerte Arm der Polizei

Der verlängerte Arm der Polizei

Als verlängerter Arm der Polizei sollen die hiesigen Sicherheitswächter Ansprechpartner für Bornaer Bürger sein. Auf ihren nahezu täglichen, stets vierstündigen Rundgängen durchs Stadtgebiet wollen sie zudem Straßenkriminalität und Vandalismus entgegenwirken oder schlicht zur Stelle zu sein, wenn Ortsunkundige nach dem rechten Weg fragen.

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Jederzeit unterwegs ansprechbar: Die Sicherheitswächter Ilka Seifert und Hans-Joachim Rascher (links) auf einem Rundgang im Bornaer Stadtzentrum. Bei ihren Touren legen sie bisweilen bis zehn Kilometer zurück.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Sie sehen der Polizei zum Verwechseln ähnlich mit ihren blauen Uniformjacken und den aus der Brusttasche hervorblitzenden Funkgeräten. "Echte" Polizisten sind sie dennoch nicht, auch wenn sie vielerorts dafür gehalten werden. Ilka Seifert und Hans-Joachim Rascher, zwei der insgesamt neun Sicherheitswächter im Bornaer Revier, die neben Borna auch in Böhlen und Kitzscher für Ordnung sorgen, sind an diesem sonnigen Vormittag etwa zehn Kilometer stadtein- und stadtauswärts unterwegs. Vier Stunden halten sie ihre Augen - um auf eventuelle Zwischenfälle, die die Sicherheit in den Gemeinden gefährden, reagieren zu können. Ihr Weg führt die beiden vom Polizeirevier in der Grimmaer Straße in Borna über den Marktplatz bis zum Bahnhof und zurück.

"Wir ersetzen mit unserer Arbeit keinesfalls die Kollegen der Polizei. Vielmehr nehmen wir uns der Anliegen der Menschen an, denen wir begegnen und haben für mögliche Probleme einen wachen Blick", erklärt Seifert. Die Erfahrung zeige überdies, dass allein die Gegenwart der uniformierten Wächter schon das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung erhöht. Der Bornaer Revierleiter Andreas Müller kann sich einen Alltag ohne seine aufmerksamen Kollegen nicht mehr vorstellen. "Sie leisten eine wirklich gute und wichtige Arbeit und unterstützen damit unsere 14 Bürgerpolizisten", betont Müller.

An diesem Tag patrouilliert die 62-jährige Ilka Seifert an der Seite von Hans-Joachim Rascher. Rascher ist berufstätig, arbeitet in einer Sicherheitsfirma. Da kann es schon mal vorkommen, dass der Job dem Ehrenamt im Wege steht. Immer dann springt einer der sieben anderen Wächter ein, weil die ausschließlich als Zweierteams auf Streife gehen. "Allein schon für den Fall, dass etwas passiert oder wir den anderen als Zeugen benötigen", sagt die ehemals Selbständige im Einzelhandel. Seit nunmehr 14 Jahren ist Seifert dabei. Ihr Kollege Rascher zählt gar zu den ersten, die sich im Jahr 1999 in Borna zum Sicherheitswächter haben ausbilden ließen. 60 Stunden Training sowie jährliche Auffrischungskurse sind nötig, um sich als Ordnungshüter engagieren zu können. Ehrenamtlich. 40 Stunden im Monat. Dafür erhalten die Sicherheitswächter eine Aufwandsentschädigung von sechs Euro pro Stunde.

"Vor ein paar Jahren", so erzählt Ilka Seifert, habe sie das Ehrenamt noch parallel zu ihrem Beruf ausgeübt. "Das zog Organisationsgeschick nach sich." Mittlerweile gilt ihre geballte Aufmerksamkeit dem Ehrenamt. Doch die Frage bleibt, woher die Motivation für dieses Engagement kommt. "Ich denke, es ist das Helfersyndrom, das in mir steckt. Es bereitet mir Freude zu sehen, dass unsere Arbeit einen Nutzen hat. Selbst wenn es sich dabei lediglich um eine vermeintliche Kleinigkeit handelt wie eine Auskunft."

Auskunft fordern plötzlich auch zwei Männer, die am Straßenrand Halt machen und die Scheibe ihres Autos herunterkurbeln. Seifert und Rascher zögern nicht, sie gehen den Insassen entgegen. Dass es sich abermals um eine Verwechslung handelt und die Offiziellen gebeten werden, das Knöllchen für das Parkdelikt zurückzunehmen, all das klärt sich später auf. "Ja auch das passiert", seufzt Hans-Joachim Rascher. "Manchmal kommt es sogar vor, dass wir beleidigt oder beschimpft werden und die Leute kein Verständnis für unsere Arbeit haben", erzählt der 63-Jährige. Doch glücklicherweise haben derartige Begebenheiten Seltenheitswert. Überwiegen würden ohnehin all die Erlebnisse, die beiden in Erinnerung bleiben. "Da gab es einen vermissten Jungen", sagt Rascher, "der ist nicht pünktlich zur vereinbarten Abfahrt für seine Klassenreise gekommen, vertrieb sich stattdessen mit Freunden die Zeit. Auf einem unserer Rundgänge dann haben wir ihn zufällig aufgespürt. Darüber waren alle Beteiligten sehr erleichtert." Manches Mal kommt Stolz dazu, wenn "die eigene Enkelin Freudensprünge aufführt, weil der Opa in Uniform beim Lampionumzug dabei ist." Rascher: "Dann bin ich wirklich ein bisschen stolz auf das, was ich mache."

Und vielleicht steht die nächste Generation Sicherheitswächter im Hause Rascher schon in den Startlöchern. Nachwuchs, den würden sich Ilka Seifert und ihr Kollege wünschen. "Wahrscheinlich sind die jungen Leute einfach noch zu sehr mit sich beschäftigt, als dass sie sich vorstellen könnten, unsere Arbeit zu machen", vermutet Seifert. Ein paar Jahre wollen die beiden jedenfalls noch durch die Bornaer Straßen streifen - "bis wir 67 sind." Vermutlich noch länger, wenn sie könnten, doch auch die Hilfssheriffs müssen sich an die Gesetze halten. Eins besagt, dass die Ehrenamtler nicht älter als 67 Jahre sein dürfen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.04.2014
Juliane Lange

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