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Borna Von Heidi Klum bis Andrea Berg – alle wollen das Böhlener Show-Design
Region Borna Von Heidi Klum bis Andrea Berg – alle wollen das Böhlener Show-Design
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12:27 08.11.2016
Die beiden Designgroup-Gründer Matthias Meltke (li.) und Henry Schmidt. Quelle: Jens Paul Taubert
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Böhlen/Gaulis

Ein LED-Showkostüm für Heidi Klum (Germany’s Next Top Model) und das Bühnenshowdesign für Andrea Berg, ein pharaonischer Disco-Komplex in Saint Tropez und der märchenhafte Schneewittli-Nightclub im schweizerischen Zermatt, gestylte Einkaufszentren und 5D-Kinos: Entwickelt wurden die Ideen dafür in Böhlen und technisch umgesetzt ebenfalls. Der Sitz der Designgroup Professional GmbH, deutschlandweit und international im Geschäft, ist im Gewerbegebiet Gaulis nicht leicht zu finden.

Allein in Frankreich tragen 180 Event-Center ihre Handschrift, außerdem Sporteinrichtungen, Geschäfte, Clubs: Auf der Designers Open in Leipzig war die Designgroup Professional GmbH Böhlen mit 3D-Druck präsent. Ob Schlagerstar Andrea Berg oder Architekten, Disco-Betreiber oder namhafte Hersteller: Für viele von ihnen hat das Unternehmen bereits gearbeitet.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet das Team um die beiden Gründer Henry Schmidt (45) und Geschäftsführer Matthias Meltke (62) an Konzepten, die alle Sinne ansprechen. Für alles, was Show ist: Event- und Disco-Center und Produkt-Präsentationen, Wellness-Oasen und Indoor-Spielplätze. Das weltweit größte überdachte Skigebiet, das ein privater Investor in Wernigerode plant, entsteht zurzeit an den Rechnern. Doch auch einzelne Bausteine sind zu haben: Leuchtschriften, Fußboden-Kacheln mit programmierbarem Laser, unikates Mobiliar mit Multimediaflächen, kinetische Raumbilder und – seit Kurzem – 3D-Gedrucktes bis zur erheblichen Größe von einem Kubikmeter.

Mit der 3D-Drucktechnik nahm das Unternehmen, bisher auf großen Messen präsent, im Oktober erstmals an der Designers open in der Leipziger Kongresshalle teil. „Drucken können wir alles: Lampen, Konstruktionen für Drohnen, Architekturmodelle, Skulpturen“, sagt Henry Schmidt. Was zu groß sei, werde aus Teilen zusammengefügt. In Gaulis ist ein mit 60 Kameras bestückter fotografischer Scanner hergerichtet, der die Objekte von allen Seiten erfasst und die Druckvorlage liefert. Architekten, Raumgestalter, Handwerker, aber auch private Kundschaft hat er für dieses Geschäftsfeld im Blick: „Die Zahl der Nachfragen und Aufträge wächst.“

Eine Facette dessen, wofür die Designgroup steht, seit Schmidt und Meltke sich 1993 zu ihr zusammenschlossen: Wer gestaltet, die Welt und sich neu erfindet, gelangt nie an den Punkt, da er selbstgefällig die Computer ausschalten, die Hände in den Schoß legen kann. Die Zahl der Werkstätten in Gaulis wächst deshalb mit. Das ursprüngliche Lehrlingswohnheim wird immer wieder baulich erweitert. Äonen fern schon scheint die Zeit des Anfangs, damals kurz nach der Wende, die Matthias Meltke so beschreibt: „Da ist man mit einem Haufen Spanplatten losgefahren und ein paar Eimern Farbe.“ Heute ersetze vielerorts das virtuelle das gemalte Bild: Multimedia schafft Raum- und Zeitgefühl, eine Illusion, der sich zu entziehen schwer fällt, allein schon wenn man den firmeneigenen Showroom betritt, überbordend angefüllt mit allem, was technisch und gestalterisch möglich ist, angesagt – und in wenigen Jahren schon ein bisschen antiquiert, weil weitergetrieben.

Meltke und Schmidt kommen aus der Diskotheken-Szene. Der eine legte als DJ auf, der andere sorgte als Airbrush-Künstler für das Raumgefühl. Und sie sind Gestalter, haben das von Grund auf gelernt und praktiziert zu Zeiten, als es die KGD, die Konzert- und Gastspieldirektion, gab, wo die Fäden aller Events (die damals nicht so hießen) zusammenliefen. „Schlüssiges Design aus einem Guss und einer Hand. Das erlaubt es uns, komplexe Aufgaben wahrzunehmen“, sagt Meltke. Für einen Indoor-Spielplatz in Halberstadt, der neben klassischem Tobe-Interieur LED-Flächen für Auto-Rennen und interaktive Spiele umfasst, ebenso barrierefreies Spielen ermöglicht, erhielten die Böhlener kürzlich den Deutschen Spiel-Raum-Preis. Mit der Konsequenz, so Meltke, „dass wir daraufhin viele neue Aufträge bekommen haben“ – für Spielplätze, für ganz andere Felder.

Von besonderem Reiz ist die Sportarena am Astberg im Harz, bei deren gestalterischer Entwicklung DDR-Skisprung-Legende Klaus-Dieter Götze zur Seite steht: zwei Wettkampf-Schanzen, eine Bobbahn für Profis und Freizeitsportler, Abfahrtshang, Arena für 10 000 Leute, Iglu-Hotel – und alles unter einem riesigen Dach. Für André Rieu baute die Designergroup einen Konzertgiebel aus antiken Säulen, transportabel, weil aus beschichtetem Styropor gefügt. Für einen Kosmetikhersteller ließ sie ein Space Shuttle landen. Und im nächsten Jahr sorgt sie bei weiteren Kinobesuchern für eine neue Art des Filmgenusses, die Matthias Meltke so beschreibt: „In der Wüste spürst du plötzlich den heißen Wind. Legt sich das Flugzeug in eine Kurve, dann spürst du das an der Bewegung des Sitzes.“ 5D eben.

Von Ekkehard Schulreich

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