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Deutschlehrer aus Mölbis: „Unterschiedliche Wertevorstellungen sind Problem“

Integration von Flüchtlingen Deutschlehrer aus Mölbis: „Unterschiedliche Wertevorstellungen sind Problem“

Jürgen Herrmann aus Mölbis gehört zu jenen Menschen, die selbst etwas tun für die Integration von Fremden in unsere Gesellschaft. Seit mehreren Monaten gibt er in Espenhain Deutschunterricht für dort lebende Flüchtlinge. Trotzdem oder gerade deshalb treibt ihn die Frage um: Schaffen wir es wirklich? Im Interview spricht er über seine Zweifel.

Jürgen Herrmann unterrichtet seit mehreren Monaten Flüchtlinge und zweifelt doch am Erfolg der Integration.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Rötha/Espenhain.  Jürgen Herrmann aus Mölbis gehört zu jenen Menschen, die selbst etwas tun für die Integration von Fremden in unsere Gesellschaft. Seit mehreren Monaten gibt er in Espenhain Deutschunterricht für dort lebende Flüchtlinge. Trotzdem oder gerade deshalb treibt ihn die Frage um: Schaffen wir es wirklich? Im Interview mit der LVZ spricht er über seine Zweifel.

Deutsch zu lernen ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt zur Integration. Wie ist Ihre Erfahrung mit den Asylbewerbern in Espenhain?

Bisher erreichte ich gerade mal zehn Prozent der hiesigen Asylanten. Frauen kamen nicht, das entspräche nicht ihrem Kulturverständnis.

Warum zweifeln Sie, dass Deutschland den Flüchtlingsansturm meistern kann?

Immer noch passieren täglich 3000 Flüchtlinge die deutsche Grenze. Alle Länder in Europa schotten sich ab, um ihre Bürger vor Schaden zu schützen. Nur die deutsche Regierung faselt immer noch von einer europäischen Lösung. Ja sind denn unsere Regierungspolitiker blind und taub? Sehen und hören sie denn nicht, wie ihre Berufskollegen aus England, Dänemark, Skandinavien, Polen, Tschechei, Slowakei, Ungarn, selbst aus Frankreich auf die akuten Herausforderungen reagieren?

Wer hier leben möchte, sollte unsere Werte, Traditionen, Rechtsverständnis, unsere Sprache, Gesetze und Regeln achten. Sehen Sie das so?

Ja, und das hat auch die Kanzlerin sinngemäß in ihrer Neujahrsansprache gesagt. Das galt aber nicht für die marodierenden Banden in der Silvesternacht in Köln, Hamburg und anderen deutschen Großstädten. Die nordafrikanisch-arabischen Männergruppen sind wohl nicht so einfach zu integrieren und schon gar nicht durch unser lasches Rechtssystem zu disziplinieren. Die Politiker sprechen gerne von der großen Herausforderung der Integration. Was aber, wenn die, die da angesprochen werden, das gar nicht wollen? Was, wenn sie nur besser leben wollen, ohne ihre bisherigen Werte und Lebensweisen zu überdenken, auch wenn diese gegen deutsches Recht verstoßen? Die völlig unterschiedlichen Wertevorstellungen des Gros der Flüchtlinge im Vergleich zu den europäischen Wertevorstellungen sind ein Problem.

Was läuft falsch mit der Integration?

Ein Großteil an Schuld trägt das jetzige Asylrecht. Der Mensch lebt durch Tätigsein. Untätigkeit und Passivität wird aber den Asylbewerbern bis zur Statusanerkennung verordnet. Was hindert uns, beim Betreten des Landes dem Schutzsuchenden ein Papier in dessen Landessprache in die Hand zu geben, auf dem gesagt wird, hier bekommst du Sicherheit, Unterkunft, Vollversorgung und ein Taschengeld. Dafür hast du alle Arbeiten in deiner Wohnunterkunft oder im Heim einschließlich Toilettenreinigung selbst zu besorgen. Das gilt auch für gemeinnützige Arbeitsaufgaben im Wohngebiet ohne zusätzliche Bezahlung. Der Besuch des Deutschunterrichtes von Anfang an ist kein Angebot, sondern eine Pflicht. Ansonsten droht sofortige Abschiebung. Das gleiche gilt für Gesetzesübertretungen. Asyl kann nur erhalten, wer bereit ist, sich ans Grundgesetz zu halten und die Gesellschaft, die ihm Schutz gewährt, in Recht und Struktur zu akzeptieren. Dazu gehört auch unser Frauenbild. Integration muss in den Köpfen der Gäste beginnen, die sich Deutschland als neue Heimat nun mal ausgesucht haben.

Was muss sich hier verändern?

Ich vermisse die politischen Denkschulen, die unseren Politikern praktikable Lösungsvorgaben an die Hand geben. Ich vermisse klar durchdachte Strategien der staatstragenden Parteien. Statt dessen erlebe ich Aktionismus der Regierenden mit kaum vorhandenen Erfolgsaussichten. Wir alle kennen den legendären Ausspruch der Kanzlerin „Wir schaffen das“. Aber schaffen wir es wirklich? So wie die deutsche Politik jetzt läuft, schaffen wir es nicht!

Sie werden Ihren Beitrag trotzdem weiterhin leisten?

Ja. Beim letzten Unterricht sah es besser aus, der war ein voller Erfolg: 14 Asylanten waren anwesend, davon auch fünf Frauen. Also ich habe den Eindruck: Es geht aufwärts!

Von André Neumann

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