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Deutzener Eltern und Kinder setzen sich in Dresden für ihre Grundschule ein

Schulpolitik Deutzener Eltern und Kinder setzen sich in Dresden für ihre Grundschule ein

Eltern und Kinder aus Deutzen haben am Donnerstag beim Kultusministerium in Dresden einen offenen Brief und mehr als 1000 Unterschriften für die Einschulung einer ersten Klasse in diesem Jahr übergeben. Der Ausgang des Verfahrens zum Mitwirkungsentzug ist offen.

Bürgerbeauftragte Christine Onusseit nimmt die Forderung der Deutzener entgegen.

Quelle: André Neumann

Dresden/Deutzen. Eltern und Kinder aus Deutzen haben am Donnerstag beim Kultusministerium in Dresden einen offenen Brief und mehr als 1000 Unterschriften für die Einschulung einer ersten Klasse in diesem Jahr übergeben. Sie fordern die Einstellung des Verfahrens zum so genannten Mitwirkungsentzug. Das Kultusministerium will in Deutzen keine erste Klasse einschulen, weil mit nur zwölf Kindern die geforderte Zahl von 15 Schülern nicht erreicht wird.

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„Lassen Sie die Schule im Dorf!“ fordern Deutzener mit ihrer Unterschrift. Eltern und Kinder haben die Liste am Donnerstag an das Kultusministerium in Dresden übergeben. Ziel ist die Bildung einer ersten Klasse im kommenden Schuljahr.

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Drei Mütter und zwei Väter künftiger Erstklässler brechen am Morgen von Deutzen aus in die Landeshauptstadt auf. Für die Übergabe des Plakates und der Unterschriftslisten haben sie alle extra einen Tag Urlaub genommen. Ihre Kinder im Vorschulalter, Lara, Celine, Jonas und Linus, dürfen den Kindergarten schwänzen und fahren mit. Jonas’ Mutter Romy Hampel, die die Fahrt organisiert hat, ist ein bisschen traurig darüber, dass sich nicht mehr Eltern beteiligen. Zwar steht offenbar der Großteil des Ortes hinter der Forderung nach Einschulung der ersten Klasse, dass zeigen die vielen Unterschriften und die große Teilnahme am kürzlichen Schulfest zur Namensgebung der Grundschule „4 Jahreszeiten“. Doch aktiv werden zumeist nur die Eltern der aktuellen Vorschulkinder und der Elternrat. Immerhin kommt eine Mutti, die sich nicht frei nehmen konnte, zum Parkplatz und wünscht viel Erfolg. Ebenso wie etliche andere in Handy-Kurznachrichten.

Die Hoffnung, das Plakat mit dem offenen Brief, welches in der Schule aushing, und die vielen Listen Kultusministerin Brundhild Kurth (CDU) persönlich übergeben zu können, hatten die Deutzener schon vor der Fahrt aufgegeben. Immerhin wurden sie vor dem Ministeriumsgebäude von MDR-Reporter Heiko Barthel mit Kamera und Mikrofon erwartet und auch ein paar Passanten wurden auf den Schriftzug „Lassen sie die Schule im Dorf“ aufmerksam, als die vier Kinder das Plakat vor dem Tor zum Ministerium aufrollten. Zustimmende Ermunterung gab es von einigen Lehrerinnen, die auf dem Weg zur Fremdsprachenolympiade waren, die im Haus stattfand. „Lasst die Schule im Dorf, das ist eine gute Forderung“, riefen sie der kleinen Gruppe aus Deutzen zu.

Die Deutzener Grundschule ist die einzige im Bereich der Bildungsagentur (BA) Leipzig und eine von ganz wenigen in Sachsen, bei der das Kultusministerium die Einschulung einer ersten Klasse in Frage stellt. Was den Deutzenern dabei besonders unangenehm aufstößt: Im Nachbarort Regis-Breitingen ist die neue erste Klasse mit 28 Kindern proppevoll. Und drei Kinder aus Ramsdorf, die deren Eltern in Deutzen einschulen wollten (womit hier die nötigen 15 erreicht worden wären), bekommen dafür von der Bildungsagentur keine Genehmigung, wie BA-Sprecher Roman Schulz der LVZ bestätigte. Neukieritzsch, sagte er, habe drei Grundschulen, die künftigen Deutzener Erstklässler hätten in den beiden anderen Platz.

Eine Aussage, die den Deutzener Eltern überhaupt nicht gefällt. Die meisten lernten selbst an dieser Schule, die bis Anfang der 2000er Jahre noch eine Zehnklassenschule war. „Auch unsere Väter gingen hier zur Schule“, sagt Romy Hampel, die auch die Befürchtung der Elternschaft überbringt, dass die Nichteinschulung der ersten Klasse der Anfang von der Schließung der Grundschule sei.

Kathleen Nöske sagt dem Fernsehreporter auf dessen Frage, dass ihre Tochter Lara eine Stunde früher aufstehen müsste, sollte sie nach Neukieritzsch zur Schule gehen müssen. Was auch der sechsjährige Jonas Hampel überhaupt nicht will. Selbstbewusst, die Kappe mit dem Schirm nach hinten auf dem Kopf, spricht er in die Kamera: „Ich möchte in Deutzen in die Schule.“

Ich will in die Grundschule in Deutzen

Ich will in die Grundschule in Deutzen: Jonas Hampel vor der Kamera.

Quelle: André Neumann

Den offiziellen Kontakt zum Ministerium bekommen die Eltern in Person von Christine Onusseit, die sich als Beauftragte für Bürgeranliegen vorstellt und sich erst erkundigen muss, ob Deutzen bei Leipzig liegt. Höflich nimmt sie Plakat und Listen entgegen, sie hört Romy Hampel zu, die die Forderungen der Eltern erläutert, und plaudert mit den Kindern. In der Sache, gibt sie zu verstehen, könne sie nichts sagen, sie werde das Material Thomas Rechentin übergeben, dem Leiter der zuständigen Abteilung 2 im Ministerium.

Dort werde man sich innerhalb des laufenden Verfahrens damit befassen und auch die Gemeinde anhören, sagt Onusseit. Letzteres ist längst geschehen. Am Dienstag wird der Neukieritzscher Gemeinderat aller Voraussicht nach die Stellungnahme der Gemeinde beschließen. Einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung für die erste Klasse hatte die Gemeinde, wie berichtet, schon vor einigen Wochen ans Ministerium geschickt.

Von André Neumann

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