Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Deutzener Ortschaftsrat ehrt Werner Wehefritz
Region Borna Deutzener Ortschaftsrat ehrt Werner Wehefritz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 04.12.2018
Deutzens Ortsvorsteher Andy Krummsdorf (r.) überreicht Werner Wehefritz die Ehrenurkunde. Quelle: Silke Hildebrandt
Neukieritzsch/Rötha

Der Ortschaftsrat von Deutzen hat einen Einwohner für dessen „jahrelangen Einsatz für unseren Ort“ geehrt. Ortsvorsteher Andy Krumsdorf überreichte die selbst entworfene Urkunde und einen Blumenstrauß Werner Wehefritz, der erst vor wenigen Wochen 70 Jahre alt geworden ist.

Genauer gesagt am 13. Oktober – ein Datum, welches in der DDR als Tag der Aktivisten galt. Und wer Werner Wehefritz, der auch Ortschronist in Deutzen ist, einen Aktivisten nennt, liegt damit nicht ganz falsch, wenn man auf die Jahre zwischen 2010 und 2014 schaut. In dieser Zeit hat die Gemeinde Deutzen, die finanziell komplett am Boden lag, um einen Anschluss an die Gemeinde Neukieritzsch gekämpft, zu dem es schließlich am 1. Juli 2014 kam.

Wehefritz schrieb unzählige Mails an Politiker

Werner Wehefritz kann die E-Mails, die er an Verwaltungsbehörden und Politiker aller Ebenen geschrieben hat, selbst nicht mehr zählen. Es mögen 250 bis 300 gewesen sein. Einige handschriftliche Briefe mögen auch zu der Korrespondenz gehören, die er um des Wohles der Gemeinde willen und vor allem ihrer Einwohner an die politischen Entscheider gerichtet hat.

Wenn er sich zurückerinnert, so kommt er auf das Jahr 2011 zu sprechen, in dem er begann, sich ernsthaft an den Verhältnissen zu reiben. Deutzen gehörte damals einer Verwaltungsgemeinschaft mit Regis-Breitingen an, außerdem bildeten die beiden Orte einen Schulzweckverband. Spätestens als Regis-Breitingen damals Fördermittel für den Bau einer neuen eigenen Grundschule erhielt, obwohl Deutzen bereits eine hatte, die groß genug für beide Orte war, reichte es ihm. Fortan prangerte er immer wieder an, dass die ohnehin darniederliegende Gemeinde als fünftes Rad am Wagen behandelt wurde.

Eingemeindung in Neukieritzsch war Herzensangelegenheit

Und aus der erhofften Eingemeindung in die wohlhabendere Gemeinde Neukieritzsch, von der sich Deutzen Besserung erhoffte, wurde zunächst auch nichts. Einerseits sprach die sächsische Gesetzgebung dagegen, Verwaltungsgemeinschaften wieder aufzulösen, andererseits wehrte sich Regis mit Blick auf die eigene Selbstständigkeit dagegen, Deutzen abzugeben.

Werner Wehefritz schrieb dagegen an: Landrat und Minister, Landes- und Bundespolitikern schilderte er unermüdlich die Situation in einem Ort mit maroden Straßen, einbrechenden Gehwegen und fehlenden Buswartehäuschen. Die Mailadressen von Politikern wie Ralf Stegner, Sigmar Gabriel und Olaf Scholz (alle SPD) suchte er sich aus dem Internet.

Manche antworteten zunächst, was später nach der vierten oder fünften Mail nachließ. Von etlichen ist er enttäuscht, weil sie vor Wahlen Verständnis zeigten, von dem hinterher nichts mehr blieb. Dass er bei einigen zwischen dem Bornaer Landratsamt und der Staatskanzlei in Dresden bald als Nörgler galt, ficht Werner Wehefritz nicht an. Er nahm den Finger auch dann nicht aus der Wunde, als andere Mail- und Briefeschreiber aus dem Ort schon enttäuscht aufgegeben hatten.

Unzählige Teilnahmen an Gemeinderats- und Ortschaftsitzungen

Dass jenes Gesetz, welches die Verwaltungsgemeinschaft zementierte, geändert wurde, daran könnte Werner Wehefritz’ Hartnäckigkeit einen Anteil gehabt haben. Gewiss auch daran, dass Deutzen schließlich doch noch ein Buswartehäuschen für die Schulkinder bekam.

„Herr Wehefritz bemühte sich stets um eine Verbesserung des Ortes und hat nicht nur viele Behörden, Politiker und die Presse kontaktiert, sondern auch als kritischer Bürger sehr oft an Gemeinderats-und Ortschaftsratssitzungen teilgenommen“, sagt die stellvertretende Ortsvorsteherin Silke Hildebrandt. Mit seiner Erfahrung und seinen Ideen habe er die Ratssitzungen gefördert, betont sie.

Viereinhalb Jahre nach der Eingemeindung ist Werner Wehefritz etwas leiser geworden. Der Gemeinde Neukieritzsch bescheinigt er, dass sie sich um Deutzen bemühe, auch wenn ihm vieles zu langsam geht. Und auch wenn ihm bange um die Zukunft der Grundschule im Ort ist. Was Werner Wehfritz nach all der Zeit ärgert: „Man ist nicht ehrlich genug.“ Niemand gebe zu, dass „in der Vergangenheit Fehler gemacht worden sind.“

Von André Neumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nachts ist es bisweilen kaum auszuhalten. Nach der Umgestaltung des Areals Bahnhofstraße/Wettinstraße in Borna sorgen die Autos für regelrechten Krach. Die Anwohner sind sauer.

04.12.2018

Ein dreister Diebstahl hat sich am Montag in der Sankt Marien Kirche in Borna ereignet: Dort stahlen die Täter einen Opferstock.

04.12.2018

Für Bornaer Vereine ist es ein heißes Thema: die Debatte um die kostendeckende Kaltmiete für Vereine in städtischen Gebäuden. Das war Thema einer öffentlichen Fraktionssitzung der „Bürger für Borna“.

04.12.2018