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Borna Deutzener Wasserkugel bleibt stehen und muss nun gesichert werden
Region Borna Deutzener Wasserkugel bleibt stehen und muss nun gesichert werden
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07:00 09.12.2016
Kann stehen bleiben: Die LMBV darf die Wasserkugel Deutzen nicht abreißen. Jetzt geht es um die Sicherung des Denkmals. Quelle: Thomas Kube
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Neukieritzsch/Deutzen

Die Wasserkugel Deutzen darf nicht abgerissen werden. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) ist im Rechtsstreit mit dem Landratsamt in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) unterlegen. Damit dürfte der Weg frei sein für eine Sanierung des Industriedenkmals.

Im Landratsamt, der unteren Denkmalschutzbehörde, und in der Gemeinde Neukieritzsch wird die Entscheidung mit Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen.

„Der Wasserturm aus dem Jahr 1925, der in den 1930er Jahren an den heutigen Standort gesetzt wurde, ist ein wichtiges Zeugnis der Industriegeschichte der Region“, sagt Brigitte Laux vom Landratsamt, die zugleich auf den Zusammenhang mit der „Straße der Braunkohle“ verweist. Der Gittermast mit der Kugel stelle aufgrund seiner beachtlichen Höhe von fast 60 Metern eine Landmarke dar und besitze als letzter Rest des ehemaligen Braunkohlewerkes in Deutzen eine „Erinnerungs- und Identifikationsfunktion“.

Neukieritzschs Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU), der die Nachricht über das schon im November gefällte Urteil erst am Donnerstag erhielt, sprach von einem schönen Tag. Jetzt sei die LMBV in der Pflicht. Die Wasserkugel steht auf einem Grundstück, das die LMBV verkaufen möchte.

Nach der Gerichtsentscheidung stand eine Veranstaltung, die längerfristig für den gestrigen Abend im Neukieritzscher Gemeindeamt geplant war, unter neuen Vorzeichen. Vor der Mitgliederversammlung des Vereins Bergbau-Technik-Park hielt Thomas Brockow vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen einen Vortrag über die Bedeutung der Wasserkugel Deutzen. Der sollte den Vereinsmitgliedern als Diskussionsgrundlage dienen für eine noch zu treffende Entscheidung darüber, ob der Verein, der den Technikpark an der A 72 betreibt, die Deutzener Wasserkugel als Außenstelle in seine Obhut übernehmen will. Eine Umsetzung neben die Tagebaugeräte an der Autobahn, so viel scheint sicher, wäre nicht finanzierbar und würde vom Denkmalschutz auch nicht befürwortet.

Noch sei nichts entschieden, sagt Peter Krümmel vom Vorstand des Vereins der LVZ, das letzte Wort hätten die Vereinsmitglieder. Dennoch existieren schon Vorstellungen, wie mit dem Industriedenkmal weiter verfahren werden könnte. Und dabei sei zuerst die LMBV gefordert, sagt Krümmel. Da der Bergbausanierer den Behälter nicht abreißen darf, vermutet Krümmel, sei „deren Interesse, einen Träger zu finden, jetzt wahrscheinlich größer als vor dem Urteil“. Der Verein könne die Kugel aber nicht übernehmen, wenn ihn das finanziell zu stark belaste. Heißt im Klartext: Der Bergbau-Technik-Park könnte sich zwar um die Nachsorge und Betreuung der Anlage kümmern, wäre mit der Sanierung beziehungsweise Sicherung aber überfordert.

Auch Hellriegel sieht den Ball dafür jetzt bei der LMBV. Bisherigen Gesprächen, die parallel zum Rechtsstreit stattfanden, habe er entnommen, dass sich die LMBV einer solchen Lösung auch nicht verschließen würde, sollte sie den Rechtsstreit verlieren.

Die will sich damit aber offenbar noch nicht abschließend abfinden. „Seitens der LMBV wird das aktuelle Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Wasserkugel Deutzen zur Kenntnis genommen und juristisch geprüft“, heißt es auf LVZ-Anfrage. Unabhängig davon erfolge „weiterhin die regelmäßige Sicherung, so dass Gefährdungen von Personen oder Sachwerten ausgeschlossen werden“, sagt Sprecherin Claudia Hermann.

Darüber hinausgehende Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen würden in Abstimmung mit den Behörden erfolgen, wenn Bund und Land dafür Geld zur Verfügung stellen. Die LMBV strebe eine Übertragung an Dritte an, dies entspreche ihrem Auftrag aus dem Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung, so Hermann.

Dabei kann die LMBV offenbar auch auf ihren bisherigen Gegner im Rechtsstreit zählen. „Die Denkmalbehörden“, sagt Landratsamtssprecherin Brigitte Laux, „werden natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten jegliche Unterstützung geben.“ Je nach Sanierungs- und Finanzierungsaufwand müsse entschieden werden, welches Förderinstrument das richtige ist.

Der Rechtsstreit

Der Streit um die Wasserkugel dauerte rund fünf Jahre. Zunächst versagte das Landratsamt aus Denkmalschutzgründen den von der LMBV beantragten Abriss. Dagegen klagte der Bergbausanierer vor dem Verwaltungsgericht Leipzig und gewann. Das Landratsamt ging beim sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen in Widerspruch. Dessen Richter entschieden gegen die LMBV und versagten den Abriss. Sie ließen außerdem keine Revision gegen ihr Urteil zu. Dagegen legte die LMBV Beschwerde ein, über die nun das Bundesverwaltungsgericht zu befinden hatte, womit der Fall wieder in Leipzig ankam. Die obersten Verwaltungsrichter wiesen die Beschwerde zurück, womit der Rechtsstreit beendet sein dürfte: Die Wasserkugel darf nicht abgerissen werden.

Von André Neumann

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