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Diamantenes Paar wünscht sich ein paar Bänke zum Ausruhen in Kitzscher

Ehejubiläum Diamantenes Paar wünscht sich ein paar Bänke zum Ausruhen in Kitzscher

Sie stammen beide nicht aus Kitzscher und haben doch hier fast ihr gesamtes Leben verbracht, den größten Teil davon gemeinsam. Erika und Reinhold Strobel haben am Donnerstag ihre Diamantene Hochzeit. Gefeiert wird dann am Sonnabend.

Verheiratet seit 60 Jahren: Die Kitzscheraner Erika und Reinhold Strobel.

Quelle: André Neumann

Kitzscher. Erika und Reinhold Strobel aus Kitzscher haben am Donnerstag vor 60 Jahren geheiratet. Am Tag der Diamantenen Hochzeit erinnern sich die beiden 78-Jährigen auch daran, dass sie damals auf dem Standesamt in Borna heiraten mussten. Denn in Kitzscher war die Mutter von Erika Strobel Standesbeamtin. Die wollte am großen Tag ihrer Tochter natürlich nicht arbeiten, sondern mitfeiern.

Kindheit und Jugend verbrachten beide Ehejubilare in Kitzscher, obwohl keiner von hier stammt. Reinhold Strobel wurde in Hamburg geboren. Sein Vater, ein Kommunist, starb, als die Nazis in den letzten Kriegstagen die letzten Tausenden Gefangenen aus dem Konzentrationslager Hamburg Neuengamme auf zwei Schiffe verfrachteten, die dann gesprengt beziehungsweise angegriffen wurden. Mutter, Sohn und Schwester flohen damals zu Verwandten nach Kitzscher. Die Familie seiner Frau stammt aus Schlesien, sie verschlug es nach der Vertreibung ebenfalls nach Kitzscher.

So kannten sich beide schon aus der Schule, doch erst auf dem Nachhauseweg von einem getrennten Kinobesuch lernten sich die damaligen Jugendlichen näher kennen. Etwa ein Jahr später heirateten sie, da war der erste von drei Söhnen schon unterwegs. Deswegen flog Erika Strobel von der Oberschule, sie wurde kurz vor dem Abitur beurlaubt. Eine schwangere Abiturientin passte damals nicht in die Moralvorstellungen. Nach einem Jahr Pause hätte sie wiederkommen können, aber nur, wie Erika Strobel sich erinnert, wenn sie nicht verheiratet ist. Also wurde erst einmal nichts aus dem Abitur, sie fand Arbeit beim Finanzamt.

Doch die junge Frau wollte mehr, studierte erst auf einer Fachschule in Gotha Finanzökonomie und fing danach im Rechenzentrum des Kraftwerks Thierbach an. Später hängte sie ein weiteres Studium dran und schaffte, nun schon mit drei Kindern, den Diplomingenieur für Informatik. Bis zum Ende ihrer beruflichen Karriere war sie Leiterin des Rechenzentrums im Kraftwerk.

Auch ihr Mann arbeitete sich nach oben. Der gelernte Dreher schuftete zunächst als Formleger in der Brikettfabrik und später als Dreher in der sogenannten Rohsäure, also dort, wo aus Braunkohle Grundstoffe für die chemische Industrie hergestellt wurden. In dieser Zeit holte er nach Feierabend die zehnte Klasse nach und hängte gleich noch die Meisterschule als Maschinenbauer dran. Zuletzt leitete er die Klempnerabteilung für den Bau von Werkswohnungen und Ferienheimen des Braunkohlekombinates.

Den Ruhestand genießen beide in dem Reihenhäuschen, das sie vor 50 Jahren bezogen. In den zurückliegenden Jahren sind sie gern gereist. Doch ihr Lieblingsreiseziel Ägypten ist ihnen heute viel zu unsicher. Jetzt freuen sie sich auf eine gemeinsame Kur an der polnischen Ostseeküste.

Gefeiert wird am Sonnabend. Von den 25 Gästen wünschen sie sich von jedem „einen kleinen Beitrag“, sagt Erika Strobel und meint ein Gedicht, ein Lied, eine kleine Geschichte. Ansonsten wünschen sie sich, „dass wir lange gesund bleiben und vielleicht noch ein anderes Jubiläum feiern können“. Und eine Kleinigkeit wäre da noch, sagt das Paar augenzwinkernd: ein paar Bänke in Kitzscher, auf denen sie sich bei ihren Spaziergängen ausruhen können.

Von André Neumann

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