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Dichter Reimann kommt zu Gymnasiasten nach Borna

Gymnasium Am Breiten Teich Dichter Reimann kommt zu Gymnasiasten nach Borna

Dass Andreas Reimann, der in Leipzig lebende Lyriker, vielleicht der „unbekannteste unter den bedeutenden deutschen Dichtern“ ist, wie es Karl Corino formulierte, hat zweifelsohne mit dessen von Brüchen gekennzeichneten Lebensweg zu tun. Am Dienstag ist der Mann, der im November 70 wird, im Bornaer Gymnasium Am Breiten Teich zu Gast.

Andreas Reimanns Gedichtband „Bewohnbare Stadt“ ist im LVZ-Shop erhältlich.

Quelle: André Kempner

Borna. Dass Andreas Reimann, der in Leipzig lebende Lyriker, vielleicht der „unbekannteste unter den bedeutenden deutschen Dichtern“ ist, wie es Karl Corino formulierte, hat zweifelsohne mit dessen von Brüchen gekennzeichneten Lebensweg zu tun. Am Dienstag ist der Mann, der im November 70 wird, im Bornaer Gymnasium Am Breiten Teich zu Gast, um mit Elft- und Zwölftklässlern um den Lehrer Henrik Fromm über Literatur zu sprechen, über Auseinandersetzung, die bei Reimann in erster Linie eine dichterische, davon kaum zu trennen aber auch eine politische ist, fern der Vordergründig- und in welterfassender Tiefgründigkeit.

Das Thema der Veranstaltung: „Literatur als subversives Element in der Diktatur“, das Finden zu selbstbewusster, geschliffener, gültiger Sprache unter allseitiger Bedrängung durch einen Staat, der eben die und die Öffentlichkeit für solche Dichtung zu unterbinden suchte. Die Runde ist Teil einer ganzen Reihe, die die 2015 gegründete und in Borna ansässige Andreas-Reimann-Gesellschaft initiiert, um Reimann bekannter zu machen, seine Literatur vor allem Jüngeren zu entdecken und sie anzuregen, sich mit Fragen von Diktatur und Zensur, von freier Meinungsäußerung und erpresstem Bekennen, vor allem aber mit lyrischer Gestaltung auseinanderzusetzen.

Den für junge Generationen kaum noch nachvollziehbaren Vorwurf, der 20-jährige Reimann, Student am Leipziger Literaturinstitut, würde sich in seinen Gedichten „über die Zinnen der Partei erheben“, steigerten die Machthaber zu dem der staatsfeindlichen Hetze, was dem Dichter im Jahr des Prager Frühlings 1968 Gefängnis einbrachte. Wege zu schreiben und zu veröffentlichen, fand Reimann dennoch immer wieder. Dass die Band „Lift“ Texte von ihm sang, dass er die Grundlage schrieb für ihren Hit „Liebeslied“, ist selbst nur wenigen Älteren ein Begriff.

Darüber hinaus brachten Liedermacher und Chanson-Interpreten, so Hubertus Schmidt, Stefan Krawczyk und Jens-Uwe Günther, Reimann auf die Bühnen der kleineren deutschen Republik, die zu verlassen dem Verfemten nie wirklich in den Sinn kam. „Berühmt geworden“, sagte er kürzlich in einem Interview der sächsischen Literaturzeitschrift „Ostragehege“, sei er damit nicht; wohl aber habe er damit seinen Unterhalt bestreiten können. Letztlich habe die Publikationssperre in der DDR ihn gezwungen, „für die Ewigkeit zu schreiben. Wissend, dass es nicht allzu bald gedruckt werden würde, hatte ich es mir abgewöhnt, etwas vom Zeitgeist Abhängiges zu verfassen.“

Zum Leipziger Südraum mit seinen vielschichtigen, vielsinnigen Umbrüchen hat Andreas Reimann durchaus auch einen literarischen Bezug, nicht nur weil er den Dichter Wolfgang Hilbig schätzte. Ein Gedicht, mit dem der damals 14-Jährige auf sich aufmerksam machte, hieß „Tagebau“, „eine pathetische Beschreibung der Arbeit in der Braunkohle von Einem, der noch nie gearbeitet hatte“. Er hatte in Böhlen ein Praktikum absolviert und war „entsetzt, unter welchen Bedingungen die Leute vor Ort den Sozialismus aufbauen sollten“. Im neuen Jahrtausend schrieb er das Gedicht „Am verflossenen Tagebau“, in dem er über die Umgestaltung der Tagebau-Landschaft spricht.

Von Ekkehard Schulreich

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