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Dichterfest mit Atmosphäre

Dichterfest mit Atmosphäre

Kahnsdorf. Friedrich Schiller hatte viel Talent, Fantasie und war genial - und oftmals pleite. In Kahnsdorf traf der Dichter im Sommer 1785 mit Christian Gottfried Körner seinen neuen Geldgeber und Unterstützer.

Deshalb gibt es dort das Schillerfest, das am Wochenende zum siebten Mal stattfand.

Nur wenige Stunden verweilte Schiller in Kahnsdorf. "Er hat immer mehr ausgegeben als er hatte, das ist typisch für das Künstlerleben damals", erklärte Hans-Jürgen Ketzer, Initiator und treibende Kraft des Schillerfestes. Der Beginn der innigen Freundschaft zu Körner in Kahnsdorf inspirierte Schiller zur Ode "An die Freude". Und um das zu feiern, um an Leben und Werk Schillers zu erinnern, kamen zur Eröffnung des Dichter-Festes fast 100 Gäste zum Rittergut. Der Neukieritzscher Bürgermeister Henry Graichen (CDU) erklärte mit Blick auf Bürgschaften, Geldnot und Hochwasser: "Schillers Texte und sein Leben lasse sich immer wieder in Bezug zur heutigen Zeit bringen." Mit einer szenischen Lesung begann das Festprogramm, musikalisch begleitet von Ernest Giolbas und seinen Schülern. In historischer Kleidung lasen Jeannette Kalipke, Michael Potkownik und Ketzer (als Schiller) Episoden aus dessen Leben, in denen er sich um einen "Kredit zu landesüblichen Konditionen" bemüht oder mit Körner plaudert.

Ingeborg und Helmut Oertel aus Neukirchen waren zur Eröffnung des Festes gekommen. "Wir sind immer dabei", so die beiden Schiller- und Goethe-Begeisterten . "Es ist die Atmosphäre, die uns hierherzieht." Die Podiumsdiskussion, moderiert von Manuela Krause vom Druckhaus Borna, stand ganz im Zeichen der Gegenwart. Es ging um die aktuellen Probleme rund um den Hainer See und Kahnsdorf. Dabei stand auch der Geschäftsführer der Blauwasser GmbH, Christian Conrad, Rede und Antwort. So ging es um ein geplantes Reitsportzentrum sowie einen Golfplatz, aber auch um die Sanierung des Rittergutes oder um die Frage, wann denn endlich der Hafen gebaut wird.

Außerdem kam der Gestank zur Sprache, den die nahegelegene Rinderzuchtanlage verursacht, was die Besucher am Schillerhaus am späten Abend auch real mitbekamen, als der Defa-Film "Abschiedsdisco" lief, der im 1989 entstand, gezeigt wurde. Mehr als 40 Zuschauer waren geblieben, um den Film über den Abschied von Menschen und einem Braunkohlen-Dorf zu sehen. Für Ketzer hat der Film noch eine andere Bedeutung. "Es ist der Abschied von der maroden DDR, der Abschied von Versprechungen, die nicht gehalten worden sind."

Der Sonnabendvormittag stand ganz im Zeichen von Musik, Theater und Familie. Bereits ab 10 Uhr füllten rund 150 Gäste den Hof. An der Talenteschau beteiligten sich das Nachwuchsorchester des Musikvereins Neukieritzsch-Regis, die Grundschule Lobstädt, die Dinterschule Borna sowie zwei Gruppen der Clemens-Thieme-Grundschule Borna. Für deren Musical "Warum Dornrößchen zweimal wach geküsst wurde" gab es besonders viel Applaus. "Wir haben mit dem Stück einen musikalischen Querschnitt durch die Märchenwelt auf die Beine gestellt", sagte Musiklehrerin Magret de Reese. Simone Müller, Musiklehrerin der Grundschule Lobstädt, wusste genau, wie es ihren Schützlingen kurz vor dem Auftritt ging. "Manche Kinder haben kalte Hände und Herzklopfen."

Zum ersten Mal mit dabei war die Leipziger Künstlerin Ulrike Richter. Sie führte das Papiertheater-Stück. "Aus dem Leben eine Taugenichts" auf. Sie kürzte die Novelle von Joseph von Eichendorff und untermalte sie mit Volksliedmelodien. Richter bewegte die fast 30 Zentimeter großen, farbigen Papierfiguren und Scherenschnitte hinter einer kleinen Bühne, las das Stück vor und spielte Harfe. Multimedia um 1800. "Das Papiertheater war zu Schillers Zeiten eine ganz typische Unterhaltung für das Bürgertum", erklärte die Künstlerin. "Sozusagen das Fernsehen der damaligen Zeit."

Geschäftsführerin Sigrun Kaspar vom Heimatverein des Bornaer Landes freute sich, "dass dieses Jahr viele Kahnsdorfer gekommen sind".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.06.2013

Ulrike Wolf

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