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Die A 72 erreicht Borna im Sommer

Die A 72 erreicht Borna im Sommer

Borna. Die Fertigstellung der Autobahn 72 zwischen Rochlitz und Borna ist nicht mehr fern. Seit dieser Woche hat die Richtungsfahrbahn Leipzig einen durchgängigen Belag aus Asphalt beziehungsweise Beton.

Auf der anderen Seite ist der letzte Kilometer ganz im Süden des Abschnitts in Arbeit. Einen genauen Fertigstellungstermin nennt das Verkehrsministerium noch immer nicht.

 

 

"Wir sagen: Sommer dieses Jahres", sagte Florian Schäfer, Pressesprecher des sächsischen Verkehrsministeriums, gestern bei einer exklusiven Streckenbesichtigung für die LVZ. "Und wir ziehen den Sommer nicht bis in den Dezember", verspricht er. Einen genaueren Hinweis lässt sich auch kein Mitarbeiter der Planungsgesellschaft Deges entlocken. Mit Sicherheit gibt es aber keine Eröffnung am 15. und 16. Juni, wenn der Landkreis die Autobahn in sein diesjähriges Fun- und Trendsportwochenende einbeziehen will. Denn in nur einem Monat dürften die noch ausstehenden Arbeiten nicht zu schaffen sein.

Auch wenn im Norden des 20,5 Kilometer langen Abschnitts gestern der Lückenschluss an die Bornaer Umgehungsstraße asphaltiert wurde. Wenn der komplett ist, wechselt die Asphaltkolonne auf die Überführung der künftigen Anschlussstelle Borna-Süd, von der gestern die Holzschalung abgebaut wurde, danach auf den gerade im Bau befindlichen Zubringer aus Borna.

Der Bauabschnitt bis Frohburg macht den Bauleuten keine Sorgen mehr. Schilder aufstellen, ein paar noch fehlende Meter Leitplanken und zuletzt die Markierungen, das ist locker in einigen Wochen zu schaffen.

Wesentlich mehr zu tun gibt es südlich von Frohburg bis zur derzeit letzten Anschlussstelle Rochlitz. Die letzten drei Kilometer werden seit April asphaltiert, die Fahrbahn Richtung Chemnitz ist auf dem letzten Kilometer noch eine Schotterpiste. Auf der fährt Gerald Köcker vom Landwirtschaftsbetrieb Harzendorf mit seinem Traktor mit Wasserkesselanhänger hin und her und besprüht sie mit Wasser. Das tut er seit 2010, zwischen Geithain und dem südlichen Bauende, womit er fast von Anfang an dabei ist und hier jeden Meter kennt. In Spitzenzeiten bringt er am Tag 20 mal 10000 Liter Wasser auf die Autobahn: Zum einen befeuchtet er den noch unversiegelten Boden, um den zu stabilisieren und um bei Trockenheit den Staub einzudämmen, zum anderen betankt er die Asphalt-Walzen.

Der Abschnitt zwischen Geithain und seinem südlichen Ende weist zwei Besonderheiten auf. Einmal sind da die bis zu zwölf Meter tiefen Geländeeinschnitte, in die die A72 hineingebaut wurde, um möglichst Steigungen und Gefälle zu vermeiden. Weil es hier vor reichlich einem Jahr schwere Böschungsrutschungen gab, die den Bau um viele Monate verzögerten, säumen jetzt bis zu einem Meter dick geschotterte Hänge die Trasse. Die zweite Besonderheit sind mehrere sich ähnelnde Brücken aus der Feder des Berliner Architekten Axel Oestreich: Flache Fahrbahnkörper werden von jeweils vier blauen oder grünen sechseckigen Rohren gestützt. Die haben sogar einen Namen bekommen. "Wir sprechen von der Brückenfamilie Kohrener Land", sagt Lutz Nast vom Verkehrsministerium.

Insgesamt überqueren zwölf Brücken den Neubauabschnitt. Die meisten sind Wirtschaftswege, bei Geithain führt die Bundesstraße 7 über die A 72, eine besonders breite ist eine Wildbrücke, eine besonders auffällige bei Frohburg dient als Überführung für den Radweg zum Harthsee.

Bis zur Freigabe muss auch noch die Hälfte aller Leitplanken angebracht werden. Der dreiköpfige Trupp von André Mertsching von der Firma VTO aus Olbernhau ist südlich von Borna seit einer Woche mit einem dreieinhalb Kilometer langen Abschnitt beschäftigt. Lautstark rammt eine Maschine die Pfeiler einen Meter tief in den Boden, an die die Planken geschraubt werden. Bis zu 200 Meter schafft der Trupp an einem Tag. Unterdessen wurden auch die ersten Fundamente für Verkehrsschilder gegossen oder fertig in den Boden eingegraben. Einige Meter Lärmschutz und Fledermauszäune sind auch noch zu montieren. Der Endspurt hat begonnen. Die A72 erreicht Borna. Irgendwann im Sommer 2013.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2013

Neumann, André

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