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Die Chronik klebt an Wänden und Decke

Die Chronik klebt an Wänden und Decke

Bestes Grillwetter bei strahlend blauem Himmel und frühlingshafte Temperaturen bescherten dem Groitzscher Carneval Club (GCC) am Sonnabend zum Tag der offenen Tür im neuen Domizil in der Richard-Wagner-Straße 21 Besucherscharen.

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Hauptamtsleiterin Silke Große bestaunt auf dem ausgebauten Dachboden den Kostümfundus, den Präsident Hendrik Fleischer präsentiert.

Quelle: Gislinde Redepenning

Groitzsch. Die Karnevalisten rotieren in ihrer Jubiläumssaison - 50 Jahre - ohnehin. Parallel stand seit Beginn des Jahres die Sanierung des neuen Vereinsheims an. "Das war eine ganz besondere Herausforderung", betont GCC-Präsident Hendrik Fleischer, der wie einige andere auch in den letzten Wochen und Monaten fast nur noch zum Schlafen zu Hause war. Jetzt sind drei Etagen bis auf Kleinigkeiten fertig, Lager, Versammlungsraum, Archiv, sanitäre Einrichtungen und Kostümverleih strahlen in neuem Glanz. Erster Lohn für die Mühen waren am Sonnabend Komplimente und anerkennende Worte von allen Seiten.

"Hier sind die Bedingungen viel besser, es ist deutlich mehr Platz als im alten Domizil", findet auch die Groitzscher Hauptamtsleiterin Silke Große, die stellvertretend für Bürgermeister Maik Kunze einen Blumengruß mitbrachte. Wie viele andere nutzte sie den Treppenaufgang, um zahlreiche Bilder und Dokumente aus einem halben Jahrhundert GCC-Geschichte zu bestaunen, Kurioses und Witziges, in mühevoller Kleinarbeit an Wände und Decke aufgebracht. Der originelle Blickfang sorgte für manchen Stau auf den Stufen, viele erkannten sich wieder. "Wir haben unsere Chronik einfach an die Wand geklebt", lachte Hendrik Fleischer.

Pünktlich um 10 Uhr kamen die ersten Neugierigen. Unter ihnen Pia Schindler und Adalbert Krüsel, als GCC-Urgestein in den verschiedensten Bereichen maßgeblich aktiv, in den 70er Jahren Präsident, verantwortlich für Deko und Bühnenbild und nach wie vor mit viel Platz im Herzen für den Fasching. So prangt auch eine seiner gemalten Szenen mit dem typischen "Greetzsch oho" als erster bunter Gruß an der Hauswand. "Was Eigenes aufzubauen, ist immer gut", lobten beide nach ihrem Rundgang.

Im Eingangsbereich herrschte ständig Gedränge. Sekt, Saft und Selters standen bereit, gern wurde aufs schmucke Haus angestoßen. Diana Urban und Kerstin Naumann, Trainerinnen der Tanzmäuse, sowie Tanzmaus-Mutter Jana Schuhknecht meisterten ihre Arbeit als Empfangskomitee. Im Lagerraum zwischen einem Berg Popcorn, Bonbons und Knusperflocken für den Karnevalsauftakt am 11. 11., zwischen Regalen und Requisiten, saßen derweil unbeeindruckt vom Trubel die fünfjährigen Tia-Jolien und Jannik, bewaffnet mit Buntstiften und Papier.

Auch die neue Doppelspitze im Präsidentenamt der Schnaudertaler Burgnarren ließ es sich nicht nehmen, den närrischen Freunden ihre Aufwartung zu machen. "Natürlich mit der obligatorischen Flasche Sekt. Eigentlich wollten wir sie gegen das Haus werfen, wie man es bei Schiffen macht", scherzte Doris Hetzer. "Aber es soll ja nicht gleich versenkt werden", fügte Frank Neumann hinzu. "Es ist toll geworden. Da steckt ein Haufen Arbeit dahinter, das können wir nachvollziehen. Schließlich bauen wir auch gerade unser Domizil im Gasthof in Gatzen um."

Im Akkord schmiss vor dem Eingangsbereich Jens II. Roster auf den Grill, Katja I. verteilte sie ans hungrige Volk. Eine der letzten Pflichtaufgaben des GCC-Prinzenpaares, das in den verbleibenden Amtstagen wehmütig an ein erlebnisreiches Jahr zurückblickt. Und das unter den Augen eines kleinen nackten, steinernen Kerls mit Buch und Feder sowie der Jahreszahl 1941 über der Tür. Was die Statue darstellt, ist nicht bekannt. Dass sie nun mit Orden und Narrenkappe zünftig eingekleidet beim GCC wacht, hätten sich die Schöpfer sicher nicht träumen lassen.

Der Verein hat nach fast 20 Jahren sein bisheriges Stammdomizil in der Altenburger Straße verlassen und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Holzet bezogen. Hier nehmen die Karnevalisten vom Keller bis zum Dach alle Etagen in Beschlag.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.11.2014
Gislinde Redepenning

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